Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Reflexion als Voraussetzung für Kompetenz- und Organisationsentwicklung in der wissensintensiven Arbeit

Von:
Gronewold, Julia; Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Hannover, Deutschland

Session: Papersession P7
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: MAW-GRS
Typ: Paper
Stichworte: Reflexion, Kompetenzentwicklung, Organisationsentwicklung, Wissensintensive Arbeit

Was kennzeichnet wissensintensive Arbeit? Wer oder was fördert eigentlich die Menschen?

Wissensintensive Arbeit steht für eine hohe Innovationsdichte und einen starken Wettbewerbsdruck in Arbeitsprozessen und -strukturen (vgl. exempl. North/Güldenberg 2008). Sie zeichnet sich dadurch aus, dass bisherige Formen von Aus- und Weiterbildung kaum greifen. Unternehmen, in denen wissensintensive Arbeit von Bedeutung ist, sind daher darauf angewiesen, dass ihre Beschäftigten bereit sind, sich permanent den Anforderungen der Arbeit anzupassen und sich in prozess- und projektorientierten Organisationsformen weiter zu entwickeln.

Im Beitrag wird der Zusammenhang zwischen individuellen und organisationalen Entwicklungspro-zessen aus reflexionstheoretischer Perspektive fokussiert (vgl. exempl. Müller/Meyer 2014). Es wird der Frage nachgegangen, wie individuelle Kompetenz- und betriebliche Organisationsentwicklung in der wissensintensiven Arbeit miteinander verknüpft sind und ob und inwiefern Reflexion dabei eine Rolle spielt. Die empirische Analyse verdeutlicht, dass wissensintensive Arbeitsformen durch reflexive Prozesse geprägt sind und dass Kompetenz- und Organisationsentwicklung zusammenwirken müssen, um den Anforderungen dieser Arbeit gerecht zu werden (vgl. Müller 2015).

Ziel des Beitrags ist es, die Bedeutung von Reflexion als zentrales Gestaltungsmoment für die Interdependenz von Kompetenz- und Organisationsentwicklung herauszustellen und das reziproke Verhältnis von individuellen und kollektiven Formen von Reflexion zu erörtern (vgl. ebd.). Vor diesem Hintergrund werden folgende Fragen beantwortet: Inwiefern kann individuelle Reflexion zu kollektiver Reflexion beitragen? Welche Rahmenbedingungen bilden die Voraussetzung für kollektive Reflexion? Und: Inwiefern kann das Zusammenspiel von individueller und kollektiver Reflexion die Organisationsentwicklung befördern?

Die Ergebnisse zeigen, dass die bisher verwendeten theoretischen Reflexionsmodelle für das Feld der wissensintensiven Arbeit unterkomplex sind (vgl. ebd.). Aufgrund dessen wird eine Modifikation und Ergänzung der derzeitigen Konzepte und Modelle (vgl. exempl. Dilger 2007; Lash 1996; Meueler 1993) vorgenommen und eine „Reflexionsmatrix“ entwickelt, die sich als Analysemodell für Wissenschaft und Praxis eignet (vgl. Müller 2015). Die theoretisch und empirisch fundierte Reflexionsmatrix wird auf die empirische Analyse von Arbeitsgruppensitzungen in einem IT-Unternehmen als Beispiel für wissensintensive Arbeit angewendet.

Mit dieser Matrix kann erstmals systematisch zwischen den unterschiedlichen Ausprägungen von Reflexion (funktionale Selbstreflexion, emanzipatorische Selbstreflexion, kollektive Reflexion und strukturelle Reflexion) unterschieden werden und es werden deren Ausprägungsformate sowohl auf die individuelle, als auch auf die organisationale Ebene bezogen. Damit wird erstens ein wesentlicher Beitrag zur Theorieentwicklung in der Berufs- und Betriebspädagogik geleistet, da die Reflexionsmatrix in ihrer Differenziertheit und durch den Bezug auf die individuelle und organisationale Ebene über bereits bestehende Reflexionsmodelle hinausgeht. Zweitens wird dadurch der besondere Stellenwert der kollektiven Reflexion für die Wirkungsbeziehung zwischen individuellen und organisationalen Veränderungsprozessen hervorgehoben.

Die Untersuchung von Reflexion legt eine Forschungsstrategie nahe, die es erlaubt individuelle und kollektive Deutungs- und Wahrnehmungsmuster sowie betriebliche Bedingungen für Reflexion zu erfassen. Dabei besteht die Schwierigkeit, dass durch explizites Fragen nach dem Reflexionsverhalten oder den Bedingungen für Reflexion, ein Reflektieren über dieses stattgefunden hätte. Die Datenerhebung erfolgte daher über qualitative Teilnehmende Beobachtungen von Arbeitsgruppensitzungen. Der Datenauswertung und -analyse lag eine inhaltsanalytische Vorgehensweise zugrunde. Das Untersuchungsdesign ist durch einen abduktiven, handlungsorientierten Ansatz geprägt. Dieser Logik folgend, wurden die theoretischen Vorannahmen untersucht und auf Basis der empirischen Ergebnisse modifiziert.

Referenzen:

Dilger, B. (2007): Der selbstreflektierende Lerner. Eine wirtschaftspädagogische Rekonstruktion zum Konstrukt der „Selbstreflexion. Paderborn.

Lash, S. (1996): Reflexivität und ihre Doppelungen: Struktur, Ästhetik und Gemeinschaft. In: Beck, U./Giddens, A./Lash, S.: Reflexive Modernisierung. Eine Kontroverse. Frankfurt a M. S. 195-286.

Meueler, E. (1993): Die Türen des Käfigs. Wege zum Subjekt in der Erwachsenenbildung. Stuttgart.

Müller, J. K./Meyer, R. (2014): Individuelle Kompetenzentwicklung und betriebliche Organisations-entwicklung als Faktoren der Work-Learn-Life-Balance. In: Antoni, C. H. u. a. (Hrsg.): Work-Learn-Life-Balance in der Wissensarbeit. Herausforderungen, Erfolgsfaktoren und Gestaltungshilfen für die betriebliche Praxis. Wiesbaden. S. 81-97

Müller, J. K. (2015): Reflexion als Voraussetzung für Kompetenz- und Organisationsentwicklung. Detmold.

North, K./Güldenberg, S. (2008): Produktive Wissensarbeit(er). Wiesbaden.



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