Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Determinanten des Berufserfolgs von Absolvent/inn/en berufsbildender mittlerer und höher Schulen

Von:
Kolper, Julia; Universität Bamberg, Deutschland

Session: Papersession P4
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: FH-SNP
Typ: Paper
Stichworte: Berufserfolg, kaufmännische Schulen, Berufswahltheorie

Der Prozess der Berufsfindung bzw. -orientierung ist für eine erfolgreiche Berufswahl und berufliche Karriere von großer Bedeutung. Eine gelungene Berufswahl führt zu mehr Wohlbefinden, Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft am Arbeitsplatz. Vor dem Hintergrund dieser Bedeutung untersucht der vorliegende Beitrag den Einfluss individueller Merkmale (wie Persönlichkeitseigenschaften, Selbstwirksamkeitserwartungen, Schulerfolg und persönliche Interessen) auf berufliche Erfolgskomponenten (wie Einkommen, Arbeitszufriedenheit, Commitment).

Die vorgestellte Untersuchung stützt sich auf die Kongruenztheorie nach Holland (1997) sowie die sozial-kognitive Berufstheorie nach Lent et al. (1994/2000). Die Kongruenztheorie geht von der Annahme aus, dass Menschen bei der Berufswahl Umwelten bevorzugen, die der eigenen Persönlichkeitsstruktur entsprechen. Stimmen Interesse und entsprechende Berufs- oder Ausbildungsumwelt überein so ist Kongruenz gegeben, die sich auf berufliche Zufriedenheit, Stabilität und positive Arbeitsleistung niederschlägt. Die sozial-kognitive Berufstheorie stellt eine Erweiterung dieser Überlegungen dar. Sie beruht auf dem Selbstwirksamkeitskonzept von Bandura (1977/1997) und postuliert, dass Individuen, die von ihren persönlichen Fähigkeiten stärker überzeugt sind, sich aktiver an der Planung und Gestaltung ihrer beruflichen Laufbahn beteiligen und sich nicht nur von gegenwärtigen und situationsbezogenen Gegebenheiten leiten lassen.

Auf Basis dieser Überlegungen und Daten von 159 BMHS-Absolvent/inn/en (89 % weiblich; Alter: M = 20,91; SD = 2,68) wird der Berufserfolg vorhergesagt und dabei untersucht, welche Bedeutung der schulischen Leistungsfähigkeit zukommt. Die Erhebung erfolgte mittels Onlinefragebogen, der an mehrere BMHS-Absolventenvereine mit der Bitte um Weiterleitung an die ehemaligen Schüler/innen versandt wurde. Mit wissenschaftlich erprobten Skalen wurden zentrale Konstrukte (Allgemeiner-Interessen-Struktur-Test: Bergmann & Eder 2005; Big Five: Benet-Martinez & John, 1998; berufliche Selbstwirksamkeit: Schyns & von Collani, 2002; Berufserfolg: Commitment: Felfe & Franke, 2012; Arbeitszufriedenheit: Weyer, Hodapp & Neuhäuser, 1980, Einkommen: Kategorien in 500 EUR-Schritten etc.) erfasst.

Die Auswertung der Daten zeigt, dass …

(1) sich das Einkommen durch ein positives Fähigkeitsselbstkonzept sowie der Kongruenz zwischen beruflichen Interessen und der Bedeutung, die den beruflichen Handlungen zugemessen werden vorhersagen lassen, wenn auch nur moderat. Darüber hinaus berichten ProbandInnen, die den Tätigkeitsbereichen Realistic und Conventional (im Sinne von Holland 1997) höhere Bedeutung zumessen, von höherem Einkommen. Zudem ist die Zufriedenheit mit dem Einkommen, die sich von den Persönlichkeitsmerkmal „Neurotizismus“ und „Extraversion“ beeinflusst ist, bei BHS-Absolvent/inn/en im Vergleich zu BMS-Absolvent/inn/en höher.

(2) die Arbeitszufriedenheit durch die Abschlussnote und den Schultyp moderat beeinflusst ist. So berichten 1er-Schüler/innen in Mathematik über eine höhere Arbeitszufriedenheit im Vergleich zu Schüler/innen, die mit einer 4 abschlossen. Darüber hinaus nehmen wie erwartet das Selbstwertgefühl und das Persönlichkeitsmerkmal Extraversion schwach positiven Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit.

(3) der Berufserfolg, im Sinnen eines ausgeprägteren Commitments bzw. einer höheren Bleibeabsicht im Unternehmen, durch die Interessen-Tätigkeits-Kongruenz sowie der Schulnote und der Selbstwirksamkeit mit bedeutend (mittlere Effektstärken) beeinflusst ist.

Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der Limitationen der Studie (Zusammensetzung der Stichprobe, eingesetzte Messinstrumente, …) und den Implikationen für die Praxis der schulischen Berufswahlberatung diskutiert.

Bergmann, C. & Eder, F. (2005). Allgemeiner Interessen-Struktur-Test (AIST-R) mit Umwelt-Struktur-Test (UST-R). -Revision-. Göttingen: Beltz.

Benet-Martinez, V. & John, O. P. (1998). Los Cinco Grandes Across Cutlures and Ethnic Groups: Multitrait Multimethod Analyses of the Big Five in Spanish and English. Journal of Personality and Social Psychology, 75 (3), 729-750.

Schyns, B. & von Collani, G. (2002). A new occupational self-efficacy scale and its relation to personality constructs and organizational variables. European Journal of Work and Organizational Psychology, 11, 219-241.

Felfe, J. & Franke, F. (2012). Commitment-Skalen (COMMIT). Fragebogen zur Erfassung von Commitment gegenüber Organisationen, Beruf/Tätigkeit, Team, Führungs-kraft und Beschäftigungsform. Bern: Verlag Hans Huber.

Weyer, C., Hodapp, V. & Neuhäuser, S. (1980). Weiterentwicklung von Fragebogenskalen zur Erfassung der subjektiven Belastung und Unzufriedenheit im beruflichen Bereich (SBUS-B). Psychologische Beiträge, 22, 335-355.

Holland, J. L. (1997). Making vocational choices. Odessa, Fla: PAR.



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