Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Aktuelle Herausforderungen der Berufsmatura – regionale Disparitäten im Spiegel differenzieller bildungspolitischer Strategien

Von:
Kost, Jakob; Pädagogische Hochschule Bern, Schweiz

Session: Papersession P12
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: FH-Profactor
Typ: Paper
Stichworte: Berufsmatura, Quoten, regionale Disparitäten, Vergleich Schweiz Österreich

Einleitung

Die Einführung der Berufsmatura schuf sowohl in der Schweiz wie auch in Österreich einen neuen Weg für Personen aus der beruflichen Grundbildung an Hochschulen. In beiden Ländern wurde die Einführung der Berufsmatura in den 1990er Jahren in Angriff genommen und erfreut sich seither wachsender Beliebtheit. Zudem geraten beide Länder immer wieder in den Fokus supranationaler bildungspolitischer Akteure (z.B. OECD 2014) und werden für ihre vergleichsweise tiefen Quoten an Hochschulzugangsberechtigten kritisiert (z.B. SKBF 2014).

Auf regionaler Ebene (in der Schweiz auf der Ebene der Kantone) werden in diesem Zusammenhang immer wieder die Schwankungen von Quoten von Berufsmaturand/innen (BM-Quote) bildungspolitisch diskutiert. Neben bildungspolitischen und medialen Diskussionen zur Veränderung von Maturitätsquoten, besteht bislang aber nur ein geringes wissenschaftliches Interesse an der Thematik. Der vorliegende Beitrag nähert sich dieser Thematik aus vier Perspektiven an.

Er fragt danach, wie sich die Quoten gesamtschweizerisch und in ausgewählten Kantonen mit differenziellen Entwicklungsprofilen entwickelt haben. Zweitens werden auf Basis der empirischen Ergebnisse Thesen generiert, welche Faktoren für Quotenschwankungen verantwortlich sein könnten. Drittens werden Resultate einer Dokumentenanalyse politischer Entscheide vorgestellt. Es wird aufgezeigt mit welchen Argumenten und Massnahmen die Bildungspolitik auf die Quotenschwankungen reagiert. In einem vierten Schritt wird versucht die Entwicklungen in der Schweiz und in Österreich einander gegenüberzustellen und nationale Entwicklungsprofile zu skizzieren.

Das übergreifende Ziel des Beitrags besteht nicht zuletzt darin, dem vorrangig medial und politisch geführten Diskurs eine erziehungswissenschaftliche Perspektive im Sinne einer empirischen Kritik bildungspolitischer Maximen zur Seite zu stellen.

Empirische und theoretische Erwägungen

2012 haben in der Schweiz 13‘500 Personen eine Berufsmaturität erworben (BFS 2013). Die Absolventenzahl hat sich in drei ausgewählten Kanton von 2012 bis 2013 deutlich kontrastiv entwickelt: Der Kanton Zürich zeigt eine relativ stabile Quote (Gymnasiale Matura GM +0.8%, BM +0.3%). Dem gegenüber zeigt der Kanton Luzern im gleichen Jahr eine leicht sinkende GM- (-1.3%) und BM-Quote (-1.5%), im Kanton Zug sank einerseits die GM um 4.2%, andererseits stieg die BM um 2.9% an (Daten: BFS 2014, eigene Berechnungen).

Die Veränderung der gesamtschweizerischen BM-Quote wird massgeblich durch strukturelle Veränderungen im Angebot (Auf- und Ausbau verschiedener Profile der BM) und der Konjunkturlage bedingt. Kantonale Schwankungen sind mutmasslich mit Fluktuationen im regionalen Arbeitsmarkt und der gymnasialen Zulassungspraxis assoziiert.

Der Quotenwandel der Berufsmaturitätsabschlüsse, dessen Folgen und die politischen Reaktionen darauf werden aus Perspektive des Neoinstitutionalismus interpretiert (Meyer & Rowan 1977). Die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erwartungshaltungen bzw. erwartungskonformen Reaktionen (in Form von politischen Entscheiden) lassen sich in einem regionalen und (inter)nationalen Diskurs verorten (z. B. Betonung eines drohenden Fachkräftemangels).

Bisherige Analysen zum skizzierten Themenfeld beschränken sich auf die Beschreibung der gesamten Entwicklung der gymnasialen Maturitäts- und der Berufsmaturitätsquoten (SKBF 2014; SBFI 2014). Detaillierte Analysen, welche die regionalen Schwankungen zu erklären versuchen, liegen bisher keine vor.

Daten und Methoden

Die Veränderung der Schweizerischen Maturtitätsquoten wird auf Basis der Daten des Bundesamtes für Statistik berechnet (BFS 2014). Die Veränderung der BM-Quoten wird dann spezifisch nach Profil und Geschlecht analysiert. Die Dokumentenanalyse stützt sich auf öffentlich zugängliche Positionspapiere der kantonalen Verwaltungen der drei interessierenden Kantone, sowie öffentlich zugänglicher Berichte aus Österreich.

Erste Ergebnisse

Wie erwartet zeigen insbesondere grösseren Regionen (Kantone) verhältnismässig kleinere Schwan-kungen, während mittlere und kleinere Regionen teilweise grosse Schwankungen aufweisen. Die exemplarische Analyse der drei Kantone verdeutlicht die Notwendigkeit kleinräumiger Analysen. So ist z. B. der Rückgang der BM-Quote im Kanton Luzern nahezu vollständig auf einen branchenspezifischen Rückgang im kaufmännischen Profil zu erklären. Dies wurde aber weder in den kantonalen Medien noch in der Politik diskutiert – ebenso der damit zusammenhängende Rückgang des Frauenanteils. Vielmehr zeigt sich in der Dokumentenanalyse eine deutliche Bezugnahme auf grosse (inter)nationale Diskurse (Bieber 2010), welche der empirisch belegbaren, kleinräumigen Entwicklung kaum Rechnung trägt.



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