Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Eine systematische Analyse der Angebotslandschaft für ausgrenzungsgefährdete Jugendliche in Oberösterreich

Von:
Lentner, Marlene; Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung an der Universität Linz
Rigler, Sandra; Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung an der Universität Linz

Session: Papersession P2
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: FH-SKF
Typ: Paper
Stichworte: ausgrenzungsgefährdet, oberösterreichische Angebotslandschaft, Jugendliche, Evaluierung

Ausgangssituation

Mehr als ein Viertel der oberösterreichischen Jugendlichen hat bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres aufgrund einer erfolglosen Lehrstellen- bzw. Arbeitssuche an mindestens einem Beschäftigungsangebot des Arbeitsmarktservice oder des Sozialministeriumservice teilgenommen (Vogtenhuber et al. 2010). Aufgrund des zunehmend schwierigeren Übergangs von der Schule in den Beruf (Coles 2008; Heinz 2010; u.a.) sind Jugendliche zu einer speziellen Zielgruppe der aktiven Arbeitsmarktpolitik geworden. In Zusammenhang mit den geschaffenen Angeboten rücken auch Fragen nach der Wirksamkeit dieser Angebote und zugleich Fragen der Effizienz bei einem hohen Mitteleinsatz ins Blickfeld.

Projektziel und Forschungsfragen

Die Arbeiterkammer Oberösterreich beauftragte das Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung daher mit einer umfassenden Evaluierung der oberösterreichischen Angebotslandschaft für ausgrenzungsgefährdete Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Als Basis dafür dienten nicht nur quantitative Datenanalysen, sondern auch eine systematische Aufarbeitung der Sichtweisen der PraktikerInnen, wie auch der Betroffenen selbst. Ziel war es, die Angebotslandschaft strukturiert und umfassend darzustellen, deren Charakteristika herauszuarbeiten, Angebotslücken und -redundanzen festzustellen und insofern Ansätze zur Weiterentwicklung zu liefern.

Methode

Methodisch wurden dazu vier Arbeitspakete konzipiert: Arbeitspaket 1 diente als theoretischer Überbau und fokussierte eine Klärung des Begriffs „Ausgrenzungsgefährdet“, die mittels Literaturrecherche erfolgte. Im zweiten Paket wurde eine strukturelle Übersicht der Angebotslandschaft für 15- bis 24-jährige Jugendliche aufgeschlüsselt nach Regionen erarbeitet und die finanziellen Aufwendungen in diesem Bereich erhoben. Dazu wurde im zweiten Halbjahr 2014 ein strukturierter Erfassungsbogen an alle relevanten Trägereinrichtungen versendet und auch eine Vollerhebung realisiert. In Arbeitspaket 3 erfolgte einerseits eine Quantifizierung der Zielgruppe mittels Datenanalyse und andererseits wurden Bedarfs-/Problemlagen der Jugendlichen mithilfe einer teilstandardisierten Online-Befragung der PraktikerInnen identifiziert. Arbeitspaket 4 diente zur Erhebung der Wirkungen der Angebote aus Sicht der betroffenen Jugendlichen, die in Diskussionsgruppen (n=4) im ersten Halbjahr 2015 erfasst wurden.



Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Die umfassende Analyse zeigt eine vielfältige und dichte Angebotslandschaft. Diese lässt sich inhaltlich als komplexes Stufenmodell abbilden, dessen Aufbau auf den Anforderungen an die Jugendlichen sowie dem Verbindlichkeitsausmaß der Angebote basiert. Grob zusammengefasst lassen sich drei Stufen extrahieren, welche wiederum weiter differenziert werden können. Die niederschwelligste Form bilden dabei die „Angebote der Sozialarbeit“, die kaum Einstiegs- und Verbindlichkeitshürden aufweisen. Deutlich anspruchsvoller gestaltet sich die zweite Stufe der „Strukturierten Übergangsangebote“, obwohl es sich hier vielfach um Angebote zur Stabilisierung handelt. Die dritte und anspruchsvollste Stufe stellen die „Unterstützten Ausbildungsangebote“ dar, da die Anforderungen hier – trotz der verbreiteten Variante der Teillehre- noch einmal steigen. Im Zusammenhang mit der diagnostizierten Komplexität und Unübersichtlichkeit der oberösterreichischen Angebotslandschaft rückt auch die Frage nach der „Passung“ und den Zuweisungsprozessen ins Zentrum. Gerade letztere erweisen sich weitgehend als „Blackbox“, obwohl die Ergebnisse deutliche Indizien dafür liefern, dass Jugendlichen mit besonders hoher Ausgrenzungsgefährdung der Zugang zu Angeboten der zweiten und dritten Säule verwehrt bleibt bzw. sie in diesen Angeboten ein höheres Risiko des Scheiterns haben.

Insgesamt gibt die sehr umfangreiche Studie eine strukturelle Übersicht über die oberösterreichische Angebotslandschaft und lässt Aussagen zur Anzahl ausgrenzungsgefährdeter Jugendlicher, zu deren Bedarfs-/ Problemlagen, zur Passung von Bedarfen und Angeboten aus Sicht der PraktikerInnen, zur Wirkungseinschätzung der Jugendlichen selber sowie zu den finanziellen Aufwendungen in diesem Bereich zu. Auf Basis der Ergebnisse werden somit wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der bestehenden Angebotslandschaft gegeben. Angeregt werden vor allem Ideen zur Reduktion der Komplexität sowie Möglichkeiten zur Optimierung der Angebotslandschaft, zum Beispiel konkrete Ansätze zu Ausbau oder Ergänzung des bereits dicht ausgebauten Stufensystems.

Literatur

Coles, Bob (2008): The transformation of the Youth Labour Market in the UK. In: Youth & Policy 100, 119-128.

Heinz, Walter R. (2010): Jugend, Ausbildung und Beruf. In: Krüger, Heinz-Hermann/ Grunert, Cathleen (Hg.): Handbuch Kindheits- und Jugendforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 661–682.

Vogtenhuber, Stefan/ Gottwald, Regina/ Lassnigg, Lorenz (2010): Evaluierung von Beschäftigungsmaßnahmen für Jugendliche in Oberösterreich, Wien.



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