Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Die Betreuung von Novizen am Arbeitsplatz - empirische Einsichten aus dem Sparkling Science Projekt PEARL

Von:
Ostendorf, Annette; Universität Innsbruck, Österreich
Ehrlich, Christin; Universität Innsbruck, Österreich

Session: Papersession P10
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: FH-SNP
Typ: Paper
Stichworte: Betriebspraktika, informelle Unterweisung, Lernen am Arbeitsplatz, nebenberufliche Ausbilder

Das Sparkling Science Projekt PEARL (Praktikanten/innen erforschen ihr Arbeiten und Lernen), das derzeit an der Universität Innsbruck (Wirtschaftspädagogik) in Kooperation mit zwei berufsbildenden höheren Schulen (HTL Innsbruck und HLT Bludenz) durchgeführt wird, untersucht informelle Lernräume im Betriebspraktikum. Eine wesentliche Rolle bei der Nutzung der im Betriebspraktikum angebotenen Lernoptionen spielen Interaktionen mit betreuenden und begleitenden Personen im konkreten Arbeitsumfeld. Zur Bedeutung und den Handlungen informeller Betreuer/innen existiert momentan noch wenig wissenschaftliches Wissen und kaum empirische Evidenz (Ostendorf 2012, 2013). Insofern wurde in PEARL eine Spezialauswertung zu diesem spezifischen Phänomen informeller Betreuung von Novizen am Arbeitsplatz durchgeführt. Besonders bedeutsam sind diese Einsichten auch für die duale Berufsausbildung. Hier gibt es deutliche Parallelen zu den sog. ‚nebenberuflichen Ausbildern‘, die herausgearbeitet werden. Auch diese Gruppe informell Lehrender kann zu den eher verborgenen Protagonisten beruflicher Bildung gezählt werden (vgl. auch Bahl 2012).

Methodik

Die Daten des Projektes PEARL wurden in einer sehr spezifischen Art und Weise erhoben. Durch die Einbindung von 59 Schüler/innen im Alter von ca. 17/18 Jahren, die in umfangreichen Workshops vorher in die qualitative Sozialforschung eingeführt wurden, als auto-ethnographische Co-Forscher/innen konnten ‚Innenansichten‘ arbeitsplatznah und im direkten Prozess des Betriebspraktikums erhoben werden. Bei den Betriebspraktika handelt es sich um längerfristig angelegte (ca. 8-12 Wochen), erfahrungsergänzende und curricular verankerte Praktika. Die Schüler/innen zeichneten Lernerlebnisse am Arbeitsplatz unter Nutzung eines (präparierten) Logbooks auf und sammelten Fotos sowie besondere Lernobjekte. Sie setzten sich somit im unmittelbaren Feld mit ihrem Lernen im Praktikum reflexiv auseinander. Anschließend brachten sie die Materialien mit zu einem umfassenden qualitativen Interview, das leitfadengestützt war und die gesammelten Materialien der Forscher/innenbox mit einbezog. Die Auswertung erfolgte nach dem Design der Grounded Theory (in der Version nach Strauss/Corbin, 1996) und unter Nutzung der Software Atlas.ti. Jedes Praktikum wird als individueller ‚case‘ erfasst, aber auch in eine Gesamtschau überführt.

Ergebnisse

Deutlich wird in der Auswertung der empirischen Daten, dass die Betreuung von Betriebspraktika ein sehr komplexes Phänomen ist. Sie hat verschiedene Dimensionen und Facetten (in einem Spektrum zwischen Unterweisung und Fürsorge), wird von unterschiedlichen Personen und Gruppen in unterschiedlichen Situationen realisiert. Die von Lave/Wenger (1991) in ihrer Theorie des ‚situated learning‘ beschriebene (zumindest periphere) Integration in eine ‚Community of Practice‘ spielt dabei eine zentrale Rolle, ebenso wie das Hierarchieerleben der Praktikanten/innen.

Theoretische und praktische Relevanz:

Entwickelt wird ein komplexes theoretisches Modell der Betreuung, das die Facetten der Praktikumsbetreuung konturiert und somit Ansatzpunkte für die Entwicklung geeigneter Instrumente zur Unterstützung dieses Betreuungsprozesses liefert. Gerade im Hinblick auf die Forschung zur dualen Lehrlingsausbildung ergeben sich vielfältige Ansatzpunkte und Anregungen für die Erforschung und praktische Unterstützung von sog. ‚nebenberuflichen Ausbilder/innen‘, die als durchaus ähnliche ‚informell Lehrende‘ – ebenso zentral für die Kompetenzentwicklung als wenig erforscht in ihrer Handlungsweise sind.

Literatur:

Bahl, A. (2012). Die Situation des ausbildenden Personals in der betrieblichen Bildung. Abschlussbericht des Projektes SIAB, Bonn, BIBB. https://www2.bibb.de/tools/fodb/pdf/eb_22301.pdf

Lave, J., Wenger, E. (1991). Situated Learning. Legitimate Peripheral Participation. Cambridge: University Press.

Ostendorf, A. (2012). Informal workplace 'educators': The hidden protagonists of workplace learning. In: Chisholm L., Lundardon, K., Ostendorf, A., Pasqualoni P. P. (Eds.): Decoding the meanings of learning at work in Asia and Europe. 67-76, Innsbruck: iup.

Ostendorf, A. (2013). Betriebspädagogische Herausforderungen bei der Verbindung von Arbeiten und Lernen im Betriebspraktikum - die Rolle der Praktikumsbetreuer/-innen. In: Niedermair, G. (Hrsg.): Facetten berufs- und betriebspädagogischer Forschung. Grundlagen-Herausforderungen-Perspektiven. 253-265, Linz: Trauner.

Strauss, A., Corbin, J. (1996). Grounded Theory: Grundlagen Qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Beltz.



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