Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Absolventen/innen der Berufsbildung als neue Zielgruppe der wissenschaftlichen Weiterbildung. Bedarfsanalyse, Anforderungen, Rahmenbedingungen und Handlungsansätze am Beispiel der Mikrosystemtechnik

Von:
Brämer, Stefan; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
Vieback, Linda; Hochschule Magdeburg-Stendal, Deutschland

Session: Papersession P3
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: MAW-GRS
Typ: Paper
Stichworte: Berufsbildung, wissenschaftliche Weiterbildung, Blendet Learning, Arbeitsprozessorientierung, Bedarfs- und Anforderungsanalyse

Unternehmen ermöglichen technologischen Fortschritt und Produktinnovationen, die für das wirtschaftliche Wachstum Deutschlands und darüber hinaus essentiell von Bedeutung sind. Damit Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie sich kontinuierlich neuen veränderten Umweltbedingungen und Herausforderungen stellen. Das hohe Tempo technologischer Entwicklungen und deren Anforderungen durch immer komplexere Produktionssysteme, die Herausforderungen der demografischen Veränderungsprozesse, globalisierte Wettbewerbsstrukturen sowie die Entwicklung zu einer Wissensgesellschaft, erfordern eine kontinuierliche Anpassung der Unternehmen an die sich ständig ändernden Markt- und Wettbewerbsanforderungen. Damit verbunden ist der wachsende Bedarf an hoch qualifizierten Fachkräften. Die Wissensbestände der Fachkräfte müssen fortlaufend aktualisiert sowie an neue Aufgaben, den sich ändernden Bedingungen und technologischen Fortschritt angepasst werden, um die Handlungsfähigkeit im Arbeitsprozess aufrecht zu erhalten.

Um die Herausforderungen bewältigen zu können, rücken Hochschulen als Anbieter wissenschaftlicher Weiterbildung zunehmend in den Fokus. Der 2009 erfasste Beschluss der Kultusministerkonferenz ermöglicht den Zugang an Hochschulen auch für nicht-traditionell Studierende, wie z.B. Absolventen/innen der Berufsbildung und Inhaber/innen beruflicher Aufstiegsfortbildungsabschlüsse. Mit der Öffnung der Hochschulen soll der Fach- und Führungskräftebedarf sichergestellt, Lebenslanges Lernen implementiert sowie die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung gefördert werden. Diesen Entwicklungen wird auf Seite der Hochschulen Rechnung getragen, indem neben den klassischen Aufgaben von Forschung und Lehre die wissenschaftliche Weiterbildung in allen Hochschulgesetzen der Länder als Aufgabe der Hochschulen verankert ist.

Die neue Zielgruppe der nicht-traditionell Studierenden stellt Hochschulen vor neuen Herausforderungen, da grundständige Studienformate nicht die Bedürfnisse dieser Gruppe erfüllen. Es müssen neue passfähige und mit der beruflichen Tätigkeit vereinbare Studienmodelle entwickelt werden, welche vorhandene berufliche Kompetenzen, informelle Expertisen, Qualifikationen und Zertifikate einschließen, sich an täglichen Arbeitsprozessen orientieren. Die Ausrichtung der Hochschulweiterbildung muss möglichst eng am Arbeitsprozess erfolgen. Im Idealfall sind Lern- und Arbeitsprozesse identisch und die Definition der Lerninhalte über die Identifizierung von Arbeitsprozessen mündet in einem prozessorientierten Weiterbildungsrahmenplan mit entsprechenden Referenzprojekten.

Es stellt sich die Frage, wie ein berufsbegleitender Bachelorstudiengang konzipiert sein muss, um den Bedürfnissen der nicht-traditionell Studierenden und den Bedarfen der Unternehmen gerecht zu werden. Der Lehrstuhl Mikrosystemtechnik sowie das Fachgebiet Aufbau- und Verbindungstechnik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und das Teilprojekt „Teilnehmergewinnung“ der Hochschule Magdeburg- Stendal des Verbundprojekts „Weiterbildungscampus“ Magdeburg entwickeln in ihren aktuellen Forschungsarbeiten eine Antwort auf diese Fragestellung. Der Beitrag beschreibt erste Ergebnisse und den aktuellen Stand der Forschungsarbeiten zur Konzeption und Entwicklung berufsbegleitender und arbeitsprozessorientierter Weiterbildungsangebote für Absolventen der beruflichen (Facharbeiter, Meister, Techniker) Bildung im Bereich der Mikrotechnologien. Die Angebote konzentrieren sich auf kurzzyklische Weiterbildungsformate sowie die Konzeption und Ausgestaltung eines berufsbegleitenden Bachelor- und Masterstudiengangs. Den Ausgangspunkt der Forschungsarbeiten bilden Untersuchungen im Rahmen einer Bedarfserhebung. In einem ersten empirischen Teil werden durch Experteninterviews (Gläser/Laudel 2010) Bedarfe und Rahmenbedingungen aus Sicht der Unternehmen erhoben und durch die zusammenfassende Inhaltsanalyse ausgewertet (Mayring 2015). Die Ergebnisse fließen in eine zweite quantitative Untersuchung. Mittels eines Fragebogens werden die gefilterten Bedarfskategorien und Rahmenbedingungen bundesweit überprüft. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Weiterbildungsangebote eine explizite Arbeitsprozessorientierung, Modularisierung, Individualisierung und Flexibilisierung sowie den Einsatz von Blended Learning Lehr-Lern-Arrangements erfordern.



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