Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Kosten und Nutzen der Lehrausbildung – Neue Ergebnisse für Österreich und eine Gegenüberstellung für die deutschsprachigen Länder

Von:
Schlögl, Peter; ÖIBF, Österreich
Mayerl, Martin; ÖIBF, Österreich

Session: Papersession P13
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: FH-GFM
Typ: Paper
Stichworte: Bildungsökonomie, betriebliche Ausbildung, arbeitsintegriertes Lernen, Humankapitaltheorie, Kosten-Nutzen-Erhebung

Die betriebliche Berufsausbildung ist in den deutschsprachigen Ländern (Österreich, Deutschland, Schweiz) wichtiger Bestandteil des formalen Bildungssystems auf der oberen Sekundarstufe und von zentraler Bedeutung für die Deckung des Fachkräftebedarfs. Trotz vordergründiger Ähnlichkeiten, gibt es aber dennoch wesentliche Unterschiede in der konkreten systemischen Ausformung (wie etwa unterschiedliche Arbeitsmarktregulative und Steuerungsmechanismen).

Gemeinsam ist in den genannten Ländern, dass die Berufsausbildung zentral von der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe bestimmt wird. Gemäß den theoretischen Grundannahmen der ökonomisch orientierten Humankapitaltheorie ist die Ausbildungsbereitschaft von Unternehmen wesentlich vom erwarteten bzw. realisierten Nutzen abhängig, der sich durch die Ausbildung ergibt (Becker, 2009). Hinzu treten auch volkswirtschaftliche und bildungspolitische Rationale. Entsprechend haben sich in Deutschland und der Schweiz periodische komplexe Kosten-Nutzen-Analysen etabliert, die sich auf ein weitgehend identes Erhebungsmodell stützen (zuletzt Jansen u.a., 2010; Strupler u.a., 2012).

Für Österreich liegen die letzten Kosten-Nutzen-Erhebungen längere Zeit zurück (Lassnigg & Steiner, 1997). Im Rahmen des Projektes „Hintergrundanalyse der betrieblichen Lehrstellenförderung gemäß §19c“ im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft wurde seitdem erstmals wieder eine betriebliche Kosten-Nutzen-Erhebung durchgeführt (Schlögl & Mayerl, 2016). Zum Einsatz kam das idente Erhebungsinstrument, wie es in der Schweiz eingesetzt wird. Dies lässt einen aussagekräftigen internationalen Vergleich der Ergebnisse mit Deutschland und der Schweiz zu (Dionisius u. a., 2008), wenngleich die Feldarbeit jeweils verschiedenartig realisiert wurde. In Österreich beträgt die Stichprobengröße insgesamt 581 ausbildungsaktive Betriebe, die zwischen Juni und September 2015 mittels Online-Erhebung befragt wurden. Die Grundgesamtheit der Stichprobe wurde auf ausbildungsaktive Betriebe in den 20 am häufigsten ausgebildeten Lehrberufen eingeschränkt (lässt damit aber Aussagen zu rd. 75% aller Ausbildungsverhältnisse zu).

Zentraler Gegenstand des Beitrags ist nach einer knappen Darstellung der allgemeinen Ergebnisse der Kosten-Nutzen-Erhebung für Österreich die Einordnung und Diskussion der Befunde im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz. Der Beitrag folgt den Abschnitten: (1) Theoretischer und bildungspolitischer Problemaufriss in Bezug auf die betriebliche Ausbildungsentscheidung und die Darstellung von Parametern eines betrieblichen Ausbildungsrationals. Korrespondierend dazu erfolgt (2) eine skizzenhafte Darstellung der einzelnen Dimensionen des Kosten-Nutzen-Modells. Nach einer kurzen Beschreibung der Stichprobe werden (3) die Ergebnisse der österreichischen Kosten-Nutzen-Erhebung referiert und (4) die Kosten-Nutzen-Struktur den internationalen Ergebnissen gegenübergestellt.

Inhaltliches Ziel des Beitrags ist es, basierend auf verschiedenen Indikatoren, strukturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der systemischen Funktionsweise und den Ausbildungsrationalen der doch verschiedenartigen Ausbildungssysteme herauszuarbeiten. Neben den Kostendimensionen wird vornehmlich auf die Struktur und Bedingungen der produktiven Erträge im Rahmen der arbeitsintegrierten Lernprozessesse fokussiert. Zentrale Indikatoren sind dabei die zeitliche Verteilung der Lernprozesse, die Qualität der Einbindung in die produktiven Arbeitsprozesse sowie die Entwicklung des produktiven Leistungsgrades. Auf der Grundlage der empirischen Befunde der Ländergegenüberstellung sollen am Ende verschiedene Handlungsstränge für eine systemische Weiterentwicklung der Lehrausbildung dargelegt werden, die betriebliche Ausbildungsmodelle, berufliche Kompetenzentwicklung und monetäre Nettoerträge integrierend in den Blick nehmen.

Literatur:

Becker, Gary (2009). Human Capital: A Theoretical and Empirical Analysis. Chicago.

Dionisius, Regina, Muehlemann, Samuel, Pfeifer, Harald, Walden, Günter, Wenzelmann, Felix & Wolter, Stefan C. (2008). Cost and Benefit of Apprenticeship Training-A Comparison of Germany and Switzerland. ZA Discussion Papers, (3465).

Lassnigg, Lorenz & Steiner, Peter. (1997). Die betrieblichen Kosten der Lehrlingsausbildung. Wien.

Muehlemann, Samuel, Pfeifer, Harald, Walden, Günter, Wenzelmann, Felix & Wolter, Stefan C. (2010). The financing of apprenticeship training in the light of labor market regulations. Labour Economics, 17(5), 799–809. doi:10.1016/j.labeco.2010.04.006

Schlögl, Peter & Mayerl, Martin. (2016). Betriebsbefragung zu Kosten und Nutzen der Lehrausbildung in Österreich. Teilbericht im Rahmen der ibw-öibf-Studie „Hintergrundanalyse zur Wirksamkeit der betrieblichen Lehrstellenförderung (gemäß 19c BAG)“. Wien.

Jansen, Anika, Pfeifer, Harald, Schönfeld, Gudrun & Wenzelmann, Felix. (2015). Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/13. BIBB Report, (1/2015), 1–15.

Strupler, Mirjam., Wolter, Stefan & Moser, Martina. (2012). Die duale Lehre: eine Erfolgsgeschichte - auch für die Betriebe: Ergebnisse der dritten Kosten-Nutzen-Erhebung der Lehrlingsausbildung aus der Sicht der Betriebe. Zürich.



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