Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Wirkung von Bildungs- und Berufsberatung. Diskussion aktueller Forschungsansätze und Vorstellung der Studie „Wirkungen der BIZ-Beratung“

Von:
Stark, Martin; abif - analyse, beratung und interdisziplinäre forschung, Österreich

Session: Papersession P8
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: MAW-KLS
Typ: Paper
Stichworte: Wirkungsforschung, Wirkungsanalyse BIZ

Das Konzept des lebenslangen Lernens impliziert, dass dem Individuum im Lebensverlauf immer wieder Entscheidungen hinsichtlich der persönlichen (Aus-)Bildungs- und Berufswahl abverlangt werden. Komplementär zum Lebenslangen Lernen besteht deshalb das Konzept der Lifelong Guidance. Dabei ist mit Angeboten der Bildungs- und Berufsberatung die Hoffnung verbunden, Individuen in die Lage versetzen zu können, Entscheidungsprozesse bei der (Aus-)Bildungs- und Berufswahl kompetent und selbstbestimmt bewältigen zu können. Ob diese Hoffnung und in Zeiten knapper Budgetmittel v.a. die Investition öffentlicher Mittel für die Schaffung solcher Angebote, gerechtfertigt ist, wirft den Fokus auf die Frage nach der Wirkung von Angeboten der Bildungs- und Berufsberatung.

Der vorliegende Beitrag versucht dabei zwei unterschiedliche Ebenen zu verbinden. Zunächst werden anhand eines Querschnitts von Studien unterschiedliche Typen von Wirkungen und Messmethoden und entsprechende Evidenzen dargestellt und kritisch beleuchtet. Anschließend wird ein österreichischen Bespiel zur Wirkungsmessung aus dem Jahr 2015 wird vorgestellt: Wirkungen der BIZ-Beratung.

Die Frage der Wirkung von Angeboten der Bildungs- und Berufsberatung bewegt sich aktuell in einem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, den Einsatz öffentlicher Mittel für die Bereitstellung dieser Angebote mittels wissenschaftlicher Evidenzen für deren Wirksamkeit, zu rechtfertigen und einer Forschungslandschaft zum Thema „Wirkung von Bildungs- und Berufsberatung“, die durch das Fehlen etablierter Gegenstandsbeschreibungen – i.S. einer einheitlichen Definition von Wirkung – und einer Fülle an methodischen Zugängen, gekennzeichnet ist (vgl. Krötzl 2011; Albrecht et al. 2012).

Die Diskussion um die Definition von Wirkungsindikatoren vollzieht sich vor dem Hintergrund der Operationalisierbarkeit von Wirkungsindikatoren und der Frage wie eng das Spektrum der Wirkungsindikatoren abgesteckt werden sollte (vgl. Albrecht et al. 2012). Hinsichtlich der methodischen Zugänge zur Messung der Wirkung von Beratung wurden bislang unterschiedlichste Studiendesigns – Studien mit Kontrollgruppendesign, Längsschnittstudien im Paneldesign, Meta-Analysen – entwickelt und unterschiedliche Methoden – (unmittelbare) Nachbefragung, Monitoring und Vergleich mit anderen Statistiken, Analyse der Beratungsgespräche, Kompetenzmessung vor und nach der Beratung oder Kosten-Nutzen-Analysen – eingesetzt.

Die im Zuge des Beitrags vorgestellte Studie, hatte die Analyse der Wirkungen der Beratung in den Berufsinformationszentren des AMS-Burgenland und -Tirol zum Ziel. Ausgangspunkt für die Entwicklung des Studiendesigns war das Input-Prozess-Outcome-Modell der Canadian Group (vgl. Hooley 2014). Die Definition von Wirkungsindikatoren erfolgte auf Basis der Theory of Change (vgl. Rauscher et. al 2012). Auf Basis dieser theoretischen Vorüberlegungen wurde ein qualitatives Panel mit Befragungszeitpunkten unmittelbar vor der Beratung (Erwartungen, Anliegen, Wohlbefinden), nach der Beratung (Beratungsergebnisse, Wohlbefinden, Handlungsplanung) und vier Monate später (Umsetzung von Beratungsergebnissen) entwickelt und durchgeführt. Weiters wurden ein voll standardisierter Fragebogen unmittelbar nach der Befragung vorgegeben (n=151) und AMS-Verbleibsdaten analysiert.

Die Ergebnisse der Studie zeigen u.a., dass:

• Die Anliegen der KundInnen in nahezu allen Fällen geklärt und die Ergebnisse der Beratung als passend empfunden werden.

• Es bei der Mehrheit der KundInnen gelungen ist, deren Wissensbasis bspw. in Bezug auf Ausbildungsmöglichkeiten oder Karrierewege zu erweitern.

• Die Beratung auch handlungswirksam ist und durch die Beratung nächste Schritte klarer werden.

• Die Beratung zu einem veränderten Denken über Beruf, Arbeit und Ausbildungen beiträgt.

• Die Beratung auch einen positiven Einfluss auf die Erwerbsaufnahme der KundInnen haben kann.

• Die Wirkung der Beratung im Sinne einer Perspektivenerweiterung gering ist.

Literatur

Albrecht, M./ Geerdes, S./ Sander, M. (2012): Kosten-Nutzen-Modellierung Bildungsberatung: Vorstudie zur Kosten-Nutzen Analyse von Bildungsberatung.

Hooley, T. (2014): The Evidence Base on Lifelong Guidance. A Guide to Key Findings for effective Policy and Practice.

Käpplinger, B. (2010): Nutzen von Bildungsberatung –Konzeptionelle Eckpunkte vor dem Hintergrund britischer Forschungsergebnisse.

Kirkpatrick, D. L. (1994). Evaluating Training Programs: The four levels.

Krötzel, G. (2011): Bildungs- und Berufsberatung – Wirksamkeit evident machen.

Rauscher, O./ Schober, C./ Millner, R. (2012): Social Impact Measurement und Social Return on Investment (SROI)-Analyse. Wirkungsmessung neu?



Weitere Abstracts

Aktuell

  • Rechtzeitig Hotel buchen!

    20.01.2018

    Wir haben beim Tourismusverband Steyr Zimmerkontingentefür die BBFK vorreserviert, die bis zum 4. Juni 2018 gehalten werden....

    Weiterlesen...

  • Rezension der Konferenzpublikation 2016 online

    20.01.2018

    Eine erste Rezension auf www.bwpat.de ist online zur Konferenzpublikation der 5. BBFK von Maren BAUMHAUER (Universität Hannover) - danke...

    Weiterlesen...