Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Die Praxisphase der Ausbildung von Berufsschullehrkräften: Zur Bedeutung wahrgenommener Unterstützung für gesundheitliche Risiken von Lehramtsanwärter/innen

Von:
Warwas, Julia; Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Deutschland
Neubauer, Jörg; Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Deutschland

Session: Papersession P5
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: MAW-MIS
Typ: Paper
Stichworte: Schulpraktischer Vorbereitungsdienst, emotionale Erschöpfung, soziale Unterstützung, Mentor/innen

Der schulpraktische Vorbereitungsdienst (Referendariat) ist in Deutschland ein wesentlicher Baustein der Qualifizierung angehender Lehrkräfte, war aber bislang kaum Gegenstand empirischer Forschung im berufsbildenden Bereich. Studien im allgemeinbildenden Sektor dokumentieren vielfältige Belastungsfaktoren während dieser Phase und attestieren bis zu 50% der Lehramtsanwärter/innen noch vor Berufseintritt fortgeschrittene Burnout-Symptome (z.B. Dückers-Klichowski 2005; Weimar 2005). Derartige Befunde veranlassen zu einer verstärkten Berücksichtigung internaler und sozialer Ressourcen der Lehramtsanwärter/innen, die annahmegemäß gegenüber Belastungseinwirkungen schützen und eine gesundheitserhaltende Anforderungsbewältigung ermöglichen (z.B. KLUSMANN ET AL. 2012; RICHTER ET AL. 2011).

Vor diesem Hintergrund beleuchten wir mit der aktuellen Studie explizit den Vorbereitungsdienst an beruflichen Schulen. Dabei gehen wir der Frage nach, ob das Niveau emotionaler Erschöpfung angehender Berufsschullehrkräfte als Frühwarnsignal schleichender Burnout-Erkrankungen (SCHAUFELI & TARIS 2005) systematisch von den (subjektiv) verfügbaren sozialen Ressourcen an den Ausbildungsschulen abhängt. Primärer Gegenstand der Analysen sind deshalb die wahrgenommenen Unterstützungsleistungen von Mentor/innen und Kollegiumsmitgliedern im ersten Jahr des Vorbereitungsdienstes. In die Auswertungen fließen jedoch auch ausgewählte internale Ressourcen der Lehramtsanwärter/innen als Kontrollvariablen ein, die auf Basis bisheriger empirischer Befunde ausgewählt wurden (namentlich generalisierte Gefühle sozialer Geborgenheit, Extraversion, berufliche Anpassungsfähigkeit und beruflicher Optimismus; vgl. z.B. ROTHLAND 2011).

Unter der Annahme, dass Lehramtsanwärter/innen an ihrer jeweiligen Ausbildungsschule in ein Netzwerk potentieller Unterstützungsgeber eingebunden sind, welches sie ganzheitlich erleben und bewerten (vgl. auch FELLENBERG 2007; SCHMIDT 2008), wurden in einem ersten Schritt typologische Analysen zur Identifizierung wahrgenommener Unterstützungsprofile durchgeführt. Mittels Clusterzentrenverfahren konnten anhand der Befragungsdaten von 151 angehenden Berufsschullehrkräften fünf Unterstützungsprofile unterschieden werden. Gut ein Drittel der Befragten fühlt sich tatsächlich in ein engmaschiges Unterstützungsnetzwerk eingebettet, welches ihnen intensive und vielfältige Unterstützungsleistungen aus verschiedenen Quellen bietet. Ein weiteres Drittel nimmt klare, aber einseitige Unterstützungsschwerpunkte wahr, die entweder von den Seminarlehrkräften oder den übrigen Kollegiumsmitgliedern stammen und teilweise auch auf bestimmte Arten von Hilfestellungen beschränkt bleiben. Das verbleibende Drittel umfasst Lehramtsanwärter/innen, die sich gänzlich alleine gelassen erleben, und solchen, die weder gravierende Mängel noch spezifische Schwerpunkte in den erhaltenen Unterstützungsleistungen ausmachen können.

In einem zweiten Schritt kamen kovarianzanalytische Verfahren zum Einsatz, um die durch Kontrollvariablen bereinigten Effekte der wahrgenommenen Unterstützung auf das individuelle Erschöpfungsniveau zu ermitteln. Hierbei zeigte sich, dass die Einbettung in ein bestimmtes Unterstützungsprofil nicht generell, sondern geschlechtsspezifisch mit hohen oder geringen Erschöpfungsgraden verknüpft ist, wenn internale Ressourcen konstant gehalten werden. Auffällig ist unter anderem, dass die Intensität der mentoriellen Begleitung vor allem für weibliche Referendare einen entscheidenden Schutzfaktor gegenüber gesundheitlichen Risiken darstellt. Geschlechtsübergreifend leistet zudem der berufliche Optimismus einer angehenden Lehrkraft eigenständige und praktisch bedeutsame Beiträge zur Erklärung ihres individuellen Erschöpfungsniveaus.

Auf Basis dieser Ergebnisse wollen wir Konsequenzen für eine gesundheitserhaltende Gestaltung des Vorbereitungsdienstes sowie für die Professionalisierung von Mentor/innen diskutieren.



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