Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Berufsbildung für Arbeitslose - noch gezielter 2.Chancen nutzen

Von:
Weber, Friederike; prospect Unternehmensberatung, Österreich

Session: Papersession P2
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: FH-SKF
Typ: Paper
Stichworte: Nachqualifizierung, 2.Chance, flexibles System, Anerkennung, Kompetenzorientierung

Wer einen formalen Abschluss besitzt, hat auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor deutlich bessere Chancen - leider unabhängig von den wirklichen Kompetenzen.

Der Blick auf die Arbeitslosenstatistik zeigt das deutlich: So lag die Arbeitslosigkeitsquote von Perso-nen mit maximal Pflichtschulabschluss im Dezember 2015 bei 29,2%, bei jenen mit Lehrabschluss waren es „nur“ 9,5% (vgl. Arbeitsmarktservice Österreich, Arbeitsmarkt & Bildung, Dezember 2015, Seite 3).

Da diese Gruppe, die beinahe die Hälfte aller im AMS Vorgemerkten ausmacht, häufig über abgebrochene Ausbildungen, Anlernqualifikationen und Berufspraxis verfügt, liegt der Schritt zu einem formalen Berufsbildungsabschluss nahe.

Auch wenn sich seit 2006 die Zahl an abgelegten und bestandenen Lehrabschlussprüfungen im zweiten Bildungsweg (Ausnahmsweise Zulassung zur Lehrabschlussprüfung gemäß §23 Abs. 5 lit.a BAG) beinahe verdoppelt hat, scheint sie mit 10.155 abgelegten und 8.099 bestandenen Lehrabschlussprüfungen im Jahr 2014 (vgl. Dornmayr Helmut / Nowak Sabine: Lehrlingsausbildung im Überblick 2015; ibw-Forschungsbericht Nr. 183, Wien 2015; Seite 83) immer noch gering.

Es stellt sich folglich die Frage: Wie kann die Zahl jener, die einen formalen Berufsbildungsabschluss nachholen, erhöht werden?

Dazu zunächst ein Blick in die aktuelle Angebotslandschaft. Seitens des AMS gibt es bereits etablierte Angebote wie Vorbereitungskurse auf den außerordentlichen Lehrabschluss oder FacharbeiterInnenintensivausbildungen. Des Weiteren wurden Neuentwicklungen wie „Du kannst was“ unterstützt oder innovative Modelle wie z.B. „Kompetenz mit System“ erprobt.

Letzteres ist als Bausteinsystem konzipiert (Basis ist eine Kompetenzmatrix, zerlegt in drei Schulungsbausteine. Jeder Schulungsbaustein weist einen Kompetenzzuschnitt auf, der eine Einsatzfähigkeit am Arbeitsmarkt gewährleisten soll), das flexible Ein- und Ausstiege ermöglicht, vorhandene non-formal und informell erworbene Kompetenzen berücksichtigt und eine kompetenzorientierte Methodik und Didaktik verfolgt. (vgl. Weber Friederike: Kompetenz mit System KmS; AMS info 271, Wien 2014; Seite 1ff.)

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch der in Wien seit Ende 2015 vom AMS Wien und waff eingeführte Qualifikationspass, der WienerInnen mit maximal Pflichtschulabschluss oder einer im Ausland erworbenen und am österreichischen Arbeitsmarkt nicht verwertbaren Qualifikation dabei unterstützt, Schritt für Schritt zu einem Ausbildungsabschluss zu kommen.

Um einer größeren Gruppe eine 2.Chance zu eröffnen ist es wichtig (ohne hier auf systematische Forschungsergebnisse zurückgreifen zu können, sondern die Erkenntnisse aus den Diskussionspro-zessen von einschlägigen Projekten heranziehend) in einem Beratungsprozess genau zu analysieren, was Menschen, die formal über keinen Abschluss verfügen, bereits auf anderen Wegen für Kompetenzen erworben haben. Daran anschließend braucht es ein für die jeweilige Ausgangs- und Lebenssituation passendes Angebot: von einer längeren FacharbeiterInnenintensivausbildung bis zu kürzeren Schulungsmodulen. Wesentlich ist, ein System anzubieten, bei dem der Bildungsprozess unterbrochen (idealerweise mit anerkannten und einordenbaren Zwischenzertifikaten - der NQR sowie ECVET eröffnen hier hoffentlich neue Möglichkeiten) und jederzeit wieder aufgegriffen werden kann. Eine Phase der Arbeitslosigkeit ist sicherlich ein guter Zeitpunkt, um einen solchen Nachqualifizierungsprozess zu beginnen, es braucht aber unbedingt anschlussfähige berufsbegleitende Angebote.

In der Gestaltung sollte auf lernergebnisbasierte Curricula und kompetenzorientierte Methodik Wert gelegt werden. Die Ergebnisse einer von Cedefop durchgeführten Studie (vgl. Cedefop: Die in Curricula beschriebenen Lernergebnisse sollen allen gerecht werden, März/April 2011, Seite 2) zeigen, dass dadurch die Motivation von Lernenden erhöht und die Arbeitsmarktintegration verbessert wird (in KmS wurden ähnliche Erfahrungen gemacht).

Neben kurzähnlichen Maßnahmen braucht es ergänzend (und auch hier greife ich wieder auf Pro-jekterfahrungen zurück) ein sehr individuelles Angebot, das durch gezielte Informations-, Motivati-ons-, Beratungs- und Betreuungsleistungen auf den außerordentlichen Lehrabschluss vorbereitet (z.B. Unterstützung bei der Beantragung, Zur-Verfügung-Stellung von geeigneten Lernunterlagen, Kleingruppen- und Einzelförderunterricht, individuelle Prüfungsvorbereitung, Coaching, usw.). Dieses Angebot könnte es vor allem Beschäftigten erleichtern (für die aus Zeitgründen ein Kursangebot schwerer zu absolvieren ist), einen formalen Abschluss zu erlangen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt beispielsweise Complete von KUS in Wien.

Und schließlich sollte auch über andere Anerkennungssysteme als Ergänzung zur „Ausnahmsweisen Zulassung zur Lehrabschlussprüfung“ nachgedacht werden.



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