Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Thematisches Forum

Service-Learning als didaktisches Arrangement für die Berufsbildung – Welche Gestaltungspotentiale existieren für berufliche und berufsfeldorientierte Bildungsprozesse?

Von:
Gerholz, Karl-Heinz; Universität Bamberg, Deutschland
Slepcevic-Zach, Peter; Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich
Bugl, Stefan; HAK/HAS Ybbs, Österreich
Geyrecker, Helga; HAK/HAS Ybbs, Österreich
Rameder, Paul; WU Wien, Österreich

Session: Thematisches Forum F10
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 12:30 - 14:00
Ort: FH-SKF
Typ: Thematisches Forum
Stichworte: Service-Learning, didaktische Modellierung, berufliche Bildungsprozesse

Service Learning – Lernen durch Engagement – stellt ein Veranstaltungsformat dar, in welchem curriculare Inhalte mit gemeinnützigem Engagement verbunden werden. Zielstellung ist es dabei, neben einer fachlich-methodischen Kompetenzentwicklung auch einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung zu leisten (vgl. Gerholz & Slepcevic-Zach 2015). Es geht um die Sensibilisierung der Lernenden für ein verantwortliches Handeln in gesellschaftlichen wie beruflichen Situationen, welches nicht zuletzt ein zentrales Ziel beruflicher Bildungsprozesse widerspiegelt.

Während vor allem im US-amerikanischen Raum Service Learning ein weit verbreitetes Veranstaltungsformat auf allen Bildungsstufen darstellt, sind im deutschsprachigem Raum nur vereinzelt Umsetzungen zu finden. Im schulischen Bereich auf der Primarstufe in Deutschland finden sich seit den 1990er Jahren Ansätze von Service Learning in unterschiedlichen Ausformungen (vgl. u. a. Sliwka & Frank 2004; Speck & Backhaus-Maul 2007), die Hochschulen folgten ungefähr ein Jahrzehnt später (vgl. u. a. Altenschmidt, Miller & Stark 2009; Bartsch 2009). Die Umsetzung in Österreich ist erst seit den letzten Jahren zu beobachten. Auffallend ist dabei, dass v.a. im Bereich der Hochschulbildung als eine berufsfeldorientierte Bildung in der letzten Zeit Service Learning verstärkt Eingang findet und unterschiedliche Umsetzungsformen erprobt werden. In der klassischen beruflichen Bildung findet Service Learning allerdings nur wenig Beachtung. Dies ist insofern verwunderlich, da Service-Learning eine Möglichkeit bietet eine ganzheitliche berufliche Handlungsfähigkeit zu fördern, indem beruflichen Situationen mit ihren sachlichen, sozialen und Wertebezügen in den Blick genommen werden (vgl. dazu Gerholz et al. 2015).

Mit anderen Worten, besteht über Service Learning das Potential, eine ‚Renaissance’ der Berufsbildung anzustoßen. Der Fokus liegt dabei auf der Mikroebene und inwiefern Service Learning ein didaktisches Format darstellt, um eine berufliche Handlungsfähigkeit nachhaltig und umfassend zu fördern. In diesem Forum soll dieser Frage nachgegangen werden und die Möglichkeiten die sich aus diesem für die Berufsbildung ergeben können diskutiert werden. Dafür werden Umsetzungsbeispiele und Evaluationsergebnisse aus dem berufsschulischen Bereich als klassische berufliche Bildung und dem hochschulischen Bereich als eine berufsfeldorientierte Bildung vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf den Bildungsstandort Österreich. Das thematische Forum soll mit Hilfe von vier Beiträgen ein erstes Diskussionsgespräch in Gang setzen, um die Möglichkeiten die sich für die Berufsbildung in diesem Kontext ergeben können zu beleuchten. Dabei sollen vor allem kritisch sowohl die Passung der Zielsetzung von Service-Learning für die Berufsbildung als auch die möglichen Herausforderungen bei der Umsetzung diskutiert werden. Das Diskussionsgespräch erfolgt dabei mit PartnerInnen von einer Non-Profit-Organisation aus der Bildungsverwaltung, sowie mit Lernenden aus der Schule und der Universität welche selbst in Service-Learning Projekten engagiert waren.

Beschreibung der Einzelbeiträge bzw. des Diskussionsgesprächs:
Beitrag 1: Service-Learning – Eine Einführung, Karl-Heinz Gerholz (Dauer: 10 Minuten)
Im Einführungsvortrag sollen zwei Perspektiven eingenommen werden. Einerseits geht es um die Frage, inwiefern das Konzept des Service Learning ein wirksames didaktisches Format für berufliche Bildungsprozesse darstellen kann, da die Ursprünge aus dem US-amerikanischen Raum stammen, in dem traditionell ein stärker ‚Community’-geprägtes Bildungsverständnis vorliegt als im europäischen Raum. Andererseits soll eine didaktische Modellierung von Service Learning vor dem Hintergrund der Zielstellung von beruflicher Bildung – der Förderung einer beruflichen Handlungskompetenz – erfolgen, um darauf basierend die nachfolgenden Vorträge einzuordnen.

Beitrag 2: Service-Learning in der berufsbildenden Schule – ein Praxisbeispiel, Stefan Bugl & Helga Geyrecker (Dauer: 15 Minuten)
Die HAK/HAS Ybbs zeigt, dass eine Umsetzung von Service-Learning an einer berufsbildenden Schule möglich ist. Im Vortrag werden dabei die beiden gewählten Herangehensweisen beleuchtet (wöchentliches Format bzw. geblockt über eine Woche) und die damit verbundenen Herausforderungen diskutiert. Der Beitrag wird durch mehrere SchülerInnen unterstützt, die auch ihre Erfahrungen in den Projekten mit einbringen.

Beitrag 3: Service-Learning als freiwilliges Format an Universitäten, Paul Rameder (Dauer: 15 Minuten)
Die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) betreibt seit 2010 unter dem Namen „Volunteering@WU“ ein extracurriculares und fächerübergreifendes Service Learning-Programm für Studierende aller Studiengänge an dem jährlich rund 180 Studierende auf freiwilliger Basis teilnehmen. Die Studierenden begleiten jeweils 1-2 Kinder aus sozial benachteiligen Bevölkerungsgruppen bei ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung. Ziel ist, dass Kinder und Studierende durch das wechselseitige Kennenlernen der Lebenswelten und des Voneinander-Lernens profitieren.
Nach einer kurzen Darstellung der Zielsetzungen, der Organisation und des konkreten Ablaufs des Service Learning-Programms werden die Ergebnisse des Begleitforschungsprojekts (longitudinales quasi-experimental Design) zu den Effekten des Programmes auf die Einstellungen, Attributionen und Karriereaspirationen der Studierenden präsentiert.

Beitrag 4: Service-Learning als Pflichtformat in der Wirtschaftspädagogik, Peter Slepcevic-Zach (Dauer: 15 Minuten)
In diesem Beitrag wird der Einsatz von Service-Learning im Bereich der Wirtschaftspädagogik thematisiert. Das Konzept ist dabei als Pflichtfach im Masterstudium Wirtschaftspädagogik verankert. Für dieses polyvalente Studium welches auch für den Lehrberuf für wirtschaftliche Fächer qualifiziert, kann gezeigt werden, dass die Studierenden von Service-Learning Formaten stark profitieren. Im Vortrag werden, nach der Darstellung der Implementierung bzw. des didaktischen Designs, vor allem die empirischen Ergebnisse der seit drei Semestern durchgeführten begleitenden Studie präsentiert. Der Fokus liegt dabei auf den qualitativen Ergebnissen einer Interviewstudie mit den Studierenden und den Non-Profit-Organisationen.
Diskussionsgespräch: Kann Service-Learning die „Renaissance“ der Berufsbildung unterstützen bzw. vorantreiben? (Dauer: 35 Minuten).
An diesem Gespräche nehmen die Vortragenden, ein Partner einer Non-Profit-Organisation, eine Person aus der Bildungsverwaltung sowie Lernende (SchülerInnen und Studierende) welche in Service-Learning Projekte mitgearbeitet haben teil. Die Leitung des Gesprächs liegt bei Michaela Stock als Diskutantin.

Beteiligte Personen (alphabetisch):
• Stefan Bugl, BEd, HAK/HAS Ybbs
• Gernot Dreisiebner, MMSc, Institut für Wirtschaftspädagogik, Karl-Franzens-Universität Graz
• Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz, Universität Bamberg, Deutschland
• Helga Geyrecker, MAS, HAK/HAS Ybbs
• MMag. Dr. Paul Rameder, Institut für Nonprofit Management, Wirtschaftsuniversität Wien (WU)
• Ass.-Prof. Mag. Dr. Peter Slepcevic-Zach, Institut für Wirtschaftspädagogik, Karl-Franzens-Universität Graz
• Univ.-Prof. Mag. Dr. Michaela Stock, Institut für Wirtschaftspädagogik, Karl-Franzens-Universität Graz



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