Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Poster

Übergangsprozesse von der Schule in den Beruf professionell begleiten

Von:
Pichler, Margit; Pädagogische Hochschule NÖ

Session: Postersession
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 14:15 - 15:00
Typ: Poster
Stichworte: Career Management Skills, bildungsbenachteiligte Jugendliche, Übergangsprozess, Berufswahlkompetenz, Bildungsabbrüche, Selbstwirksamkeit

Ein über 2,5 Jahre angelegtes Pilotprojekt in zwei Klassen einer NNÖMS der Bildungsregion NÖ Süd mit dem Arbeitstitel "Mein Arbeitsplatz - Von der Stärke zur Kompetenz" sollte den wachsenden Veränderungen der Arbeitswelt, den veränderten Berufs- und Qualifikationsanforderungen am Arbeitsmarkt sowie der Tatsache des steigenden Fachkräftemangels (Vgl. Schriftenreihe der OeAd Gmbh) in den Betrieben Rechnung tragen.

Forschungsfragen:

Welche Basiskompetenzen müssen für einen gelungenen Berufsorientierungsprozess ausgebildet werden?

Welche Akteure braucht ein erfolgreicher Übergang von Schule in den Beruf mit besonderem Augenmerk auf bildungsbenachteiligte Jugendliche und Jugendliche mit Migrationshintergrund?

Aus der Tatsache eines eingeschränkten Berufswahlspektrums sollte nicht nur den Jugendlichen, sondern vielmehr auch den Eltern der Raum für die Berufs- und Bildungsentscheidung erweitert und geöffnet werden. Um im Speziellen die Mitwirkung der Migrationseltern zu gewährleisten, wurde die Expertise des Integrationsreferats der Stadtgemeinde genutzt und ansässige interkulturelle Vereine in das Projekt mit eingebunden, um vor allem die türkische Community zu erreichen.

Ausgangslage war ein idealtypisches Schema, welches eine zielgerichtete Begleitung der Jugendlichen in allen Phasen der Entwicklung zur Berufswahlkompetenz ermöglicht. Auf die frühe Phase der Sensibilisierung ihrer Stärken, Interessen und Neigungen folgen Kontakte mit regionalen Betrieben und außerschulischen Institutionen, so dass in der anschließenden Konkretisierungsphase der Schüler_innen eine auf ihre eigene Lebensplanung bezogene Berufswahl getroffen werden kann (vgl. BMBF, Rundschreiben 17/2012). Die Herausforderung in diesem Projekt war es, bei den Jugendlichen Reflexionsprozesse zu initiieren, um den Übergang in ungewisse Zeiten zu unterstützen und ihre Selbstwirksamkeit und Gestaltbarkeit im Berufsorientierungsprozess bewusst zu machen (vgl. Lang-von Wins, 2012). Es galt berufsrelevante, insbesondere auch interkulturelle Kompetenzen der türkischen Community sichtbar zu machen.

Oberster Grundsatz war die Vermittlung von Career Management Skills als wichtige Grundkompetenzen zu erwerben und die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen voranzutreiben und zu stärken, um selbstverantwortlich Berufs- und Ausbildungsentscheidungen treffen zu können (Vgl. Gerhard Krötzl, 2010). Herausragend in diesem Projekt war die enge Kooperation und verstärkte Unterstützungsstruktur regionaler Unternehmen und außerschulischer Partnerinnen, die neben finanzieller Subventionen auch personelle Ressourcen während des gesamten Berufsorientierungsprozesses bereitgestellt hatten. Durch einen verstärkten Praxisbezug war es den Schülerinnen möglich einen intensiven Einblick in die Arbeitswelt zu bekommen und wirtschaftliche Arbeitsprozesse besser einschätzen zu lernen. Sämtliche Aktivitäten folgten einer Prozesslogik, wo der Jugendliche die subjektiven Voraussetzungen reflektieren, sie in Beziehung setzen zu den objektiven Anforderungen und beide in Balance bringen soll (vgl. Lippegaus-Grünau, 2012). Das Projekt folgte dem Grundsatz, Jugendliche bestmöglich auf die Entscheidung der zukünftigen Berufsausbildung vorzubereiten, Frusterlebnissen und Bildungsabbrüchen entgegenzuwirken. Dazu brauchen sie Kompetenzen, die sie befähigen, sich zu orientieren und mit den Herausforderungen des Übergangs in die Arbeitswelt konstruktiv umzugehen (vgl. Deeken/Butz 2010, S. 13)

Die ersten qualitativen Ergebnisse aufgrund einer Fragebogenerhebung weisen darauf hin, dass sich ein Großteil der Jugendlichen in ihrer Berufs- und Ausbildungswahl ziemlich sicher sind und, dass sie die außerschulischen Aktivitäten während des BO-Prozesses als besonders hilfreich empfanden. Trotzdem muss bemerkt werden, dass besonders Eltern von Jugendlichen mit Migrationshintergrund aufgrund unrealistischer Bildungserwartungen an einer weiterführenden Schulausbildung ihrer Kinder festhalten (vgl. Hofer, 2014). Dieser Tendenz konnte mit diesem Projekt nicht entgegen gewirkt werden.

Begründung dieses Pilotprojekts:

Die im Jahre 2009 erweiterte Maßnahme der Berufsorientierung in der Sekundarstufe 1 zu „Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf“ (ibobb) macht es notwendig, die Prozesse einer gelingenden Bildungs- und Berufsentscheidung stärker ins Bewusstsein zu rücken und eine regionale Unterstützungsstruktur aufzubauen.

Das Grundkonzept dieses Pilotprojekts entwickelte sich aus der NÖ Netzwerkgruppe für Berufsorientierung und wurde vom LSR für Niederösterreich beauftragt. Bildungs- und Berufsentscheidungsprozesse bei Schüler_innen bedürfen eines koordinierten Zusammenwirkens aller Maßnahmen im Bereich von ibobb. Dieses Pilotprojekt, als „good-practice“ – Beispiel, versuchte dieser Forderung mit Unterstützung einer Regionalkoordination gerecht zu werden. Weitere derartige Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Wirtschaft sind in anderen Bildungsregionen in NÖ geplant und stehen in Vorbereitung.



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