Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Spannungsfeld BMS: Über (Nicht)Verwertbarkeit der Schulausbildung

Von:
Lankmayer, Thomas; IBE Linz (Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung an der Uni Linz), Österreich

Session: Papersession P2/5
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 16:00 - 17:00
Ort: Fachhochschule - Seminarraum LeitnerLeitner + Seminarraum OÖNachrichten im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: Berufschancen, kaufmännische/ wirtschaftsberufliche BMS

Ausgangssituation

Das IBE wurde von der AK OÖ beauftragt, im Rahmen einer Studie (Niederberger et al. 2017) die Berufschancen nach einem Sekundar-II-Abschluss in Oberösterreich zu beleuchten. Dazu wurden in einem ersten Schritt die BibEr-Daten herangezogen, um anhand von Indikatoren einen Überblick über die Berufschancen nach Abschluss einer Sekundar-II-Stufe in Oberösterreich zu erhalten. Die differenzierte Betrachtung der Sekundar-II-Arten machte sichtbar, dass die grobe Kategorienbildung in berufsbildende mittlere und höhere Schulen hinsichtlich der Berufschancen aufgrund der Zusammenfassung mehrerer Schultypen an Aussagekraft begrenzt ist. Die Betrachtung nach BMS-/ BHS-Schultypen zeigt einzelne Bereiche, nach denen der Übergang nach einem Schulabschluss vergleichsweise weniger gut funktioniert. In Oberösterreich handelt es sich dabei um die kaufmännischen und wirtschaftsberuflichen Schulen – wobei sich die Berufschancen v.a. bei den berufsbildenden mittleren Schulen vergleichsweise deutlich schlechter gestalten als bei den anderen Sekundar-II-Arten.

Ziel des Beitrages

Ziel des Beitrages ist es, die BMS näher zu beleuchten, Herausforderungen zu diskutieren und gegebenenfalls Lösungsansätze festzuhalten. Ausgangslage für den Beitrag bilden dabei die Befunde der oben zitierten Studie zu den kaufmännischen und wirtschaftsberuflichen BMS in OÖ. Um einen möglichst ganzheitlichen Überblick über die BMS generell zu erhalten, werden ergänzend Erkenntnisse aus aktuellen Studien zur Thematik (z.B. Stöger et al. 2017, Ziegler/ Müller-Riedlhuber 2016) herangezogen sowie auf aktuelle Daten zu den berufsbildenden mittleren Schulen in Österreich eingegangen.

Konkret werden folgende Fragen behandelt:

1. Wie gestaltet sich die Landschaft der BMS und wie hat sich diese historisch verändert?

2. Inwieweit führen formale Bildungsabschlüsse berufsbildender mittleren Schulen zu welchen Berufschancen?

3. Wie können (kaufmännische und wirtschaftsberufliche) BMS weiterentwickelt werden, um die Berufsperspektiven der AbsolventInnen zu verbessern und welche Herausforderungen ergeben sich dabei?

Methodik

Zur Beleuchtung der Berufschancen nach einer kaufmännischen und wirtschaftsberuflichen BMS wurde in der oben zitierten Studie zur Generierung von Tiefenwissen in Ergänzung zu den quantitativen Ergebnissen qualitative Erhebungsmethoden angewendet, welche in Bezug zu Befunden aus bestehender Literatur gesetzt wurden. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, wurde eine multiperspektivische Betrachtung gewählt, indem Interviews mit AbsolventInnen und ExpertInnen aus den Bereichen Personalwesen, Bildung, Arbeitsmarkt und Schulsystem geführt wurden.

Ergebnisse

Die Ergebnisse aus ExpertInnen-Interviews verdeutlichen, dass sich demografische Veränderungen (Geburtenrückgang), der Trend zu Höherqualifizierung und ein damit einhergehender steigender Verdrängungswettbewerb auf die Entwicklung der Anzahl und die Zusammensetzung von SchülerInnen berufsbildender mittleren Schulen auswirkt. Dies betrifft in Oberösterreich v.a. die kaufmännischen und wirtschaftsberuflichen BMS, welche sich laut ExpertInnen in den letzten Jahren zunehmend zu „Restschulen“ entwickelt haben, die häufig als Schule „2.Wahl“ eine wichtige Auffangfunktion für bildungsferne und leistungsschwächere SchülerInnen bietet. Entsprechend schlecht gestalten sich die Arbeitsmarktchancen: 18 Monate nach Schulabschluss sind 75% der AbsolventInnen einer wirtschaftsberuflichen BMS erneut in einer Ausbildung und nur 14% erwerbstätig. Bei den Handelsschulen schließt jede dritte Person eine weitere Ausbildung an und gut ein Fünftel ist weder in Beschäftigung noch in Ausbildung. Aus Sicht der AbsolventInnen wird die Ausbildung am Arbeitsmarkt zumeist nicht als vollwertig anerkannt, als Alternative bleibt oftmals eine angelernte bzw. Hilfstätigkeit in den Ausweichbranchen Handel und Gastronomie oder der Beginn einer weiteren Ausbildung, etwa in Form einer Lehre, BHS sowie Gesundheits- und Krankenpflege-Ausbildung. Angesichts dieser kurz skizzierten Befunde und dem Umstand, dass sich die Berufschancen zwischen den verschiedenen Fachrichtungen zum Teil erheblich unterscheiden, stellt sich die Frage, welche Rolle und Funktion (Vorbereitung auf eine weitere Ausbildung vs. Vorbereitung auf Berufseinstieg) die BMS im Ausbildungssystem einnehmen sollen und können.

Literatur:

Niederberger, K./ Hiesmair, M./ Lankmayer, T. (2017). Berufschancen nach Abschluss einer kaufmännischen/ wirtschaftsberuflichen BMS/ BHS (Nicht veröffentlichte Studie). Linz: IBE.

Stöger, E./ Peterbauer, Jakob/ B., Markus/ Wanek-Zajic, B. (2017). Absolventinnen und Absolventen von Lehre und BMS: Zwei Ausbildungswege im Vergleich. Wien: Statistik Austria.



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