Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Karrierewege von AbsolventInnen der Berufsbildung: Analyse der Unterschiede und Gemeinsamkeiten nationaler Maßnahmen zur Nachverfolgung von AbsolventInnen der beruflichen Bildung in EU-Mitgliedsstaaten

Von:
Luomi-Messerer, Karin; 3s, Österreich
Bacher, Tanja; 3s, Österreich

Session: Papersession P2/5
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 16:00 - 17:00
Ort: Fachhochschule - Seminarraum LeitnerLeitner + Seminarraum OÖNachrichten im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: Berufsbildung, AbsolventInnen-Tracking, Karrierewege

Von der Berufsbildung wird erwartet, dass sie junge Menschen mit Fähigkeiten ausstattet, die es ihnen ermöglichen, eine aktive Rolle am Arbeitsmarkt einzunehmen und/oder Zugang zu weiteren Lernmöglichkeiten zu erhalten. Inwieweit dieses Ziel erreicht wird, ist ein entscheidender Indikator für die Qualität eines Berufsbildungssystems oder einzelner Berufsbildungsanbieter. Ein besseres Verständnis der Arbeitsmarktperformance von AbsolventInnen der beruflichen Bildung ist z.B. eine der wichtigsten Quellen für die Bewertung und Verbesserung der Arbeitsmarktrelevanz der beruflichen Bildung (Cedefop 2013).

Die Analyse der Karrierewege von AbsolventInnen der Berufsbildung (AbsolventInnen-Tracking) kann durch das Sammeln quantitativer und/oder qualitativer Daten Informationen über die Situation von AbsolventInnen liefern oder als Informationsquelle für die Berufsberatung dienen.

Auf europäischer Ebene wird dem Thema des AbsolventInnen-Tracking zunehmend Bedeutung beigemessen, was sich in mehreren Politikvorschlägen und -maßnahmen in der Berufsbildung widerspiegelt:
- Der „Europäische Bezugsrahmen für die Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung (EQAVET)“ (2009) hat zwei Indikatoren für die Nachverfolgung von AbsolventInnen in der Berufsbildung eingeführt;
- Die „Schlussfolgerungen von Riga“ (2015) umfassen u.a. die Einrichtung kontinuierlicher Informationen und Rückmeldungen an die Systeme der beruflichen Bildung im Einklang mit der EQAVET-Empfehlung;
- Die „Europäische Agenda für neue Kompetenzen“ (2016) fordert die Entwicklung von Systemen zur Nachverfolgung von AbsolventInnen der beruflichen Bildung in den Mitgliedsstaaten;
- 2017 wurde ein Vorschlag für eine Empfehlung des Rates zur Nachverfolgung des Werdegangs von AbsolventInnen (Berufsbildung und Hochschulbildung) vorgelegt.

Die meisten europäischen Länder haben Strukturen für die Erhebung von Daten über den beruflichen Werdegang von AbsolventInnen der Berufsbildung (z.B. aus Arbeitskräfteerhebungen oder Verwaltungsdaten) oder spezifischere Maßnahmen zur Verfolgung von AbsolventInnen der Berufsbildung geschaffen. Die konkrete Ausgestaltung solcher Maßnahmen wird implizit oder explizit durch die zugrundeliegende Idee des Bildungszwecks bestimmt (Hordosy 2014 unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen drei Perspektiven, nämlich dem soziologischen, dem humanistischen und dem ökonomischen - Humankapitaltheorie - Modell).

Allerdings fehlt ein Überblick über bestehende Maßnahmen des AbsolventInnen-Trackings in Europa, der sich mit spezifischen Merkmalen und/oder der Vergleichbarkeit von Maßnahmen befasst. Darüber hinaus konzentriert sich die Forschung im Bereich des AbsolventInnen-Trackings häufig auf die Hochschulbildung (z.B. Gaebel 2012) oder hat einen recht breiten Anwendungsbereich (z.B. Sekundar- und Tertiärbildung - Hordosy 2014).

Daher behandelt dieser Beitrag die folgenden Fragen:
- Welche europäischen Länder haben systematische Maßnahmen zur Nachverfolgung von AbsolventInnen in der beruflichen Bildung auf nationaler Ebene eingeführt und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten bestehen?
- Wie lässt sich der österreichische Ansatz des Trackings von BerufsbildungsabsolventInnen im Vergleich zu den Entwicklungen in den anderen Mitgliedstaaten einschätzen?

Für die Erfassung und Analyse von Maßnahmen zur Nachverfolgung von AbsolventInnen der Berufsbildung in den EU-Mitgliedstaaten wurde ein analytischer Rahmen entwickelt (u.a. auf der Grundlage von Gaebl 2012, Hordosy 2014, 2016), der u.a. folgende Indikatoren abdeckt:
- die Ebene der Datenerhebung (nationale, regionale, lokale und Anbieterebene);
- die Methodik der Datenerhebung, die verwendeten Instrumente (administrative Daten, qualitative oder qualitative Erhebungen) sowie die Messstrategie (eine oder mehrere Messzeitpunkte, Längsschnittstudien);
- die analysierte Grundgesamtheit, die Art der erhobenen Daten und Indikatoren;
- die Nutzung und Wirkung der erhobenen Daten (z.B. von wem, wie und zu welchem Zweck werden die Ergebnisse verwendet).

Die Daten wurden mittels Desk Research erhoben und für ausgewählte Tracking-Maßnahmen durch ExpertInneninterviews vertieft und analysiert.

Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die in den Mitgliedstaaten ermittelten Maßnahmen und diskutiert den österreichischen Ansatz vor dem Hintergrund von Maßnahmen in anderen Mitgliedsstaaten. Abschließend werden Schlussfolgerungen zu den Möglichkeiten gezogen, die Ergebnisse von Maßnahmen zur Nachverfolgung von BerufsbildungsabsolventInnen länderübergreifend besser vergleichbar zu machen.

Cedefop (2013). Renewing VET provision. Understanding feedback mechanisms between initial VET and the labour market. Luxembourg.

Gaebel, M. et al. (2012). Tracking Learners‘ and Graduates‘ Progression Paths. TRACKIT. EUA.

Hordosy, R. (2014). Who knows what school leavers and graduates are doing? Comparing information systems within Europe, Comparative Education, 50:4, 448-473.

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