Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Additive Fertigung: Zu den Auswirkungen einer Technologie auf die Beruflichen Bildung

Von:
Saniter, Andreas; Uni Bremen, Deutschland

Session: Papersession P1/3
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 11:00 - 12:30
Ort: Museum Arbeitswelt - Großer Saal
Typ: Paper
Stichworte: Industrie 4.0, Additive Fertigung, Facharbeit, Berufsbilder

Hintergrund/Fragestellungen

In den letzten Jahren ist die Anzahl an Publikationen, die „disruptive“ Konsequenzen von „Industrie 4.0“ auf die Welt der Arbeit prognostizieren und sich mit Superlativen überbieten, kaum mehr zu überblicken (vgl. z. B. Mc Kinsey 2013). Hierbei werden jedoch häufig viele aktuelle Entwicklungen, die ggf. ganz unterschiedliche Auswirkungen nach sich ziehen, unter dem Label 4.0 subsumiert. Um diesem komplexen und interessengeleiteten Diskurs eine partielle empirische Basis zu liefern, haben wir uns für das Projekt metals auf eine der vier von Pfeiffer (2015) vorgeschlagenen Dimensionen der Industrie 4.0 beschränkt, die „nächste Generation der Produktionsweisen“ und hier auf die Technologie der additiven Fertigung. Ferner haben wir uns auf den Sektor des Werkzeugmaschinenbaus in den drei Ländern Italien, Spanien und Deutschland reduziert.

Mit der Studie wollen wir für diesen Sektor drei Forschungsfragen beantworten:

1.)Welche Auswirkungen hat die additive Fertigung auf etablierte Technologien?

2.)Vor welche zusätzlichen Herausforderungen werden Facharbeiter gestellt?

3.)Welche Folgen sollte die Technologie für die Berufsbilder haben?

Methoden

Die in dem Projekt angewendeten Forschungsmethoden waren klassische; so wurden die aktuellen Handlungsfelder im Sektor mittels dreier Experten-Facharbeiter Workshops (EFW, vgl. z. B. Reinhold & Howe 2009). Neue Herausforderungen wurden auf der einen Seite ebenfalls in den EFW erhoben; ferner erhielten wir Antworten auf einen standardisierten Fragebogen von 50 Unternehmen. Für die Technologie der additiven Fertigung wurden zusätzlich eine Reihe von Einzelinterviews und Lernstationsanalysen (LSA, vgl. z. B. Saniter et al. 2016) durchgeführt.

Ausgewählte Ergebnisse und Thesen

Aufgrund der überschaubaren Datenlage möchten wir unsere Ergebnisse nicht als repräsentativ, jedoch als indikativ bezeichnen: Nur eines der 14 Handlungsfelder (mehr auf der Projekthomepage http://www.metalsalliance.eu/products/), die additive Fertigung, kann unter dem Label „Industrie 4.0“ subsumiert werden.

1 konventionelle spanende Maschinenfertigung

2 spanende CNC-Fertigung (Metall)

3 nicht-spanende CNC Fertigung

4 spanende CNC-Fertigung (Kunststoff)

5 Anpassfertigung

6 Programmieren

7 Schweißen

8 Einrichterei

9 Wartung und Instandhaltung

10 Qualitätssicherung

11 Montage

12 Marketing (Messe und Verkauf)

13 Produktionsplanung / Arbeitsvorbereitung

14 Additive Fertigung

Tabelle 1: Handlungsfelder im Werkzeugmaschinenbau

Wir interpretieren diese Befunde als Beleg der Hypothese 1:

H1: Bei der additiven Fertigung handelt es sich um eine ergänzende, nicht um eine ersetzende Technologie.

Bezüglich der zukünftigen Entwicklungen waren sich alle Befragten einig, dass die additive Fertigung schneller, billiger und genauer werden wird sowie eine andere Arbeitsteilung (z. B. Druck von Ersatzteilen vor Ort) ermöglichen wird. Bei den weitergehenden Analysen durch die Interviews und die LSA bezüglich des Feldes „Additive Fertigung“ sind oberflächlich drei Unterschiede zur traditionellen spanenden Produktion offensichtlich:

• Neue Konstruktionsoptionen (amorphe Formen)

• Additive anstelle subtraktiver Fertigung

• Werkstoffe werden in Form von Pulver geliefert.

Wird jedoch der Arbeitsprozess betrachtet, überwiegen die Parallelen zur herkömmlichen Fertigung:

• Planung,

• Entwicklung,

• Ausrüsten,

• Produktion,

• Nacharbeit.

Wir interpretieren diese Befunde als Stützung der Hypothese 2:

H2: Neue Verfahren stellen zusätzliche Herausforderungen an die Facharbeit dar. Die additive Fertigung beinhaltet aber, sowohl nach unserer als auch nach Selbsteinschätzung der befragten Facharbeiter, keine Anforderungen, die nicht durch erfahrene Kollegen zu bewältigen wären.

Und folgern direkt Hypothese 3:

Es braucht kein eigenes Berufsbild „additiver Fertiger“; die Inhalte lassen sich in bestehende Berufsbilder integrieren.

Referenzen (Internet-Quellen am 12.01.2018 besucht)

Projekt homepage: www.metalsalliance.eu

Mc Kinsey (2013). http://www.mckinsey.com/business-functions/digital-mckinsey/our-insights/disruptive-technologies

Pfeiffer (2015). Effects of Industry 4.0 on vocational education and training.

http://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-manuscript/ita_15_04.pdf

Reinhold, M.; Howe, F. (2009). Experten-Workshops: Ein berufswissenschaftliches Instrument zur Validierung Beruflicher Handlungsfelder. In: M. Becker; M. Fischer; G. Spöttl (Hrsg.): Von der Arbeitsanalyse zur Diagnose beruflicher Kompetenzen. Frankfurt/M.: Peter Lang, S. 66–89.

Saniter et al. (2016). Guidelines on how to find, analyse, and use the learning potentials of work places. http://www.dualtrain.eu/assets/O2%20Learning%20Station%20Analysis%20[EN].pdf



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