Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Eltern als zentrale Gestalter des Übergangs an der ersten Schwelle. Wünsche und Vorstellungen von Eltern bezüglich aktiver Beteiligungsformate zur gendersensiblen Berufsorientierung

Von:
Brämer, Stefan; Lehrstuhl Technische Bidung und ihre Didaktik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
Vieback, Linda; Lehrstuhl Technische Bidung und ihre Didaktik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
Tegelbeckers, Hannes; Lehrstuhl Technische Bidung und ihre Didaktik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
Bünning, Frank; Lehrstuhl Technische Bidung und ihre Didaktik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland

Session: Papersession P1/5
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 11:00 - 12:30
Ort: Fachhochschule - Seminarraum LeitnerLeitner + Seminarraum OÖNachrichten im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: Gendersensible Berufsorientierung, Übergang erste Schwelle, MINT, Eltern, Elterneinfluss, interaktive Unterstützungs- und Beteiligungsformate

Die Berufswahl von Frauen ist geprägt von strukturellen und biographischen Faktoren, die lange vor der eigentlichen Berufswahl wirken und in dem individuelle Einflüsse und die sogenannten „Gate-Keeper“ (u.a. Eltern) eine entscheidende Rolle spielen (Nissen et al. 2003). Besonders das Elternhaus hat dabei einen bedeutenden Einfluss auf den Berufswahlprozess, da die Berufswahl, als Teil des Sozialisationsprozesses, in einem Zusammenhang mit der familiären Sozialisation steht (Steuer 2015; Brämer 2015). Durch Eltern findet eine „[...] an den Werten, Normen und Lebensmustern der Elterngeneration orientierte Primärsozialisation der Kinder statt“ (Baum/Wagner 2014: 189). Eltern haben die Pflicht „[...] ihren Kindern die Möglichkeiten zur Teilnahme an beruflichen Bildungsmaßnahmen zu verschaffen“ (Beinke 2012: 33). 87,0% der Eltern sehen sich in der Pflicht ihre Kinder aktiv zu unterstützen (Voigt 2010), was die Notwendigkeit stärkt, Eltern als Sozialisationsinstanz des Berufswahlprozesses noch stärker zu berücksichtigen und sie für diese Aufgabe vorzubereiten. Schule allein kann die Rolle als Hilfe zur Erfassung der Bedingungen in der Berufs- und Arbeitswelt nicht ausfüllen, weshalb es von großer Bedeutung ist, die Mitwirkung aller Einflussgrößen anzustreben. Eltern, als enge Bezugspersonen, fungieren als wichtigster Ratgeber, Förderer, Unterstützer und stellen gleichzeitig ein soziales Vorbild für ihre Kinder dar (Baum/Wagner 2014; Hurrelmann 2005). Von ihnen wird erwartet sich mit aktuellen Arbeitsmarkttrends auszukennen und ein umfangreiches Wissensrepertoire zu besitzen, was sich in der modernen Arbeitswelt mit ihrem stetigen Wandel der Berufsbilder, der Modernisierung von Ausbildungsberufen und Technologien sowie Innovationen und der Veränderungen im Arbeitsalltag und den damit einhergehenden Arbeitsaufgaben nur schwer verwirklichen lässt (Baum/Wagner 2014). „Deshalb benötigen nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch ihre Eltern ein Begleit- und Unterstützungssystem, welches ihnen Informationen und Orientierung bieten kann“ (Baum/Wagner 2014: 187). In vielen Untersuchungen wurden Schüler/innen in den Fokus gestellt, sodass eine Vielzahl bedeutender Erkenntnissen über und aus Sicht von Schüler/innen zu der Übergangsthematik vorhanden sind (Puhlmann 2005), jedoch existieren bisher wenige Ansätze, welche die Zielgruppe Eltern als Einflussfaktor auf den Berufsorientierungsprozess der Töchter in den Fokus rückt. Es gibt zwar Projekte, welche die aktive Elternarbeit in den Mittelpunkt stellen oder zumindest berücksichtigen, aber es existieren deutlich weniger Berufsorientierungsangebote, die auf Familien- und Elternarbeit abzielen, obwohl bekannt ist, dass die Interaktion mit Eltern zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden kann (Kayser 2013). Die individuellen Vorstellungen der Eltern werden in den meisten Vorhaben jedoch nicht berücksichtigt, weshalb bislang wenige Erkenntnisse zu den Wünschen und Vorstellungen dieser Zielgruppe vorhanden sind.

Hier setzt u.a. das BMBF-Projekt „InvestMINT – Familiärer Einfluss auf das MINT-Interesse von Töchtern und Konzeption aktiver Beteiligungsformate zur gendersensiblen Studien- und Berufsorientierung“ an. Eine zentrale Forschungsfrage des Vorhabens lautet: „Welche interaktiven Beteiligungs- und Unterstützungsformate wünschen sich Eltern, um ihre Töchter im Berufsorientierungsprozess im MINT-Bereich adäquat unterstützen zu können?“

Das Forschungsanliegen wird mittels eines Mixed-Method-Ansatzes verfolgt. Ausgehend von einer Sekundäranalyse erfolgt in einem ersten Schritt die Datenerhebung qualitativ mit Hilfe der Methode Fokusgruppen-Diskussion (N≥7), als eine Form der qualitativen Befragung (Bohnsack et al. 2010; Krueger/Casey 2008). Eine Fokusgruppe besteht aus fünf bis sieben Eltern, welche anhand eines Diskussionsleitfadens über Wünsche und Rahmenbedingungen interaktiver Unterstützungsformate diskutieren. Die transkribierten Interviews werden mit der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring 2015) ausgewertet, um Hypothesen zu generieren und ein Kategoriensystem von Wünschen und Vorstellungen zu rekonstruieren. Die Ergebnisse fließen in eine zweite quantitative Befragung (N≥500) ein, welche bundesweit mittels Fragebogen durchgeführt wird. Hier werden, die durch die Fokusgruppen-Diskussion entstandenen (Hypo-) Thesen sowie das eruierte Kategoriensystem überprüft. Die Ergebnisse fließen in die Konzeption interaktiver Beteiligungs- und Unterstützungsformate ein.

Im Zentrum des vorgeschlagenen Beitrags steht die Darstellung der ersten Ergebnisse der empirischen Untersuchung zu den Wünschen und Vorstellungen von Eltern bzgl. interaktiver Beteiligungs- und Unterstützungsformate für den gendersensiblen Berufsorientierungsprozess speziell für den MINT-Bereich.



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