Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

(Duale) Berufsbildung = (Duale) Berufsbildung? Beruf = Beruf? Eine empirische Untersuchung ausgewählter Lehrberufe in Österreich

Von:
Dornmayr, Helmut; ibw, Österreich

Session: Papersession P2/3
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 16:00 - 17:00
Ort: Museum Arbeitswelt - Kleiner Saal
Typ: Paper
Stichworte: Duale Berufsbildung, Lehrberufe, Eingangsvoraussetzungen, Ausbildungserfolg, Arbeitsmarkterfolg

Beim Vergleich unterschiedlichster Income-, Performance- und Outcome-Aspekte von Berufs- und Allgemeinbildung sowie von vollzeitschulischer und dualer Berufsausbildung im Bereich der Sekundarstufe II in Österreich (z.B. Stöger et al. 2017) wird sehr häufig außer Acht gelassen, dass auch innerhalb der verschiedenen Berufsausbildungswege und ganz besonders innerhalb der dualen Lehrberufe enorme Unterschiede bestehen, die in manchen Aspekten und zwischen vielen Berufen größer sind als jene zwischen Berufs- und Allgemeinbildung als Ganzes. Nur in wenigen Untersuchungen wurden bisher diese Unterschiede zwischen Ausbildungsfeldern (vgl. Wanek-Zajic & Klapfer et al. 2015) oder sogar einzelnen Berufen (vgl. Dornmayr et al. 2017) analysiert.

Angesichts der dabei bereits sichtbar gewordenen Unterschiede zwischen den einzelnen Berufen müsste eigentlich bei der Beschreibung von (dualer) Berufsbildung immer angegeben werden, auf welche Berufe sich bestimmte Aussagen in welchem Umfang beziehen. Aus praktischen (Datenverfügbarkeit, Ergebnisdarstellung) und quantitativen Gründen (bei aktuell rund 200 Lehrberufen in Österreich zuzüglich unterschiedlicher Module, Schwerpunkte und Doppellehrberufe) ist dies in der Regel nicht möglich.

Der vorliegende Beitrag versucht dies dennoch für einige ausgewählte Lehrberufe aus sehr unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen. Wichtigstes Auswahlkriterium (neben einer hohen Variabilität zu den anderen ausgewählten Lehrberufen) ist dabei die quantitative Bedeutung dieser Lehrberufe (Zahl der LehrabgängerInnen), welche Voraussetzung für ausreichend hohe Zellenbesetzungen bei stark differenzierten Datenauswertungen ist.

Datenbasis der Untersuchung bilden alle LehrabgängerInnen der Jahre 2008-2014 in Österreich, für welche die Daten aus der Lehrlings- und Lehrabschlussprüfungsstatistik (selbstverständlich in anonymisierter Form) mit den Daten aus der Arbeitsmarktdatenbank (AMDB) bis zum Nachbeobachtungszeitraum Mitte 2016 („ibw-LehrabsolventInnenmonitoring“) verknüpft wurden (vgl. Dornmayr 2016 bzw. Dornmayr et al. 2017). Diese Datenbasis aller LehrabgängerInnen der Jahre 2008-2014 in Österreich umfasst (inkl. Teilqualifizierung) N=303.147 LehrabgängerInnen, davon N=253.680 LehrabsolventInnen und N=49.467 LehrabbrecherInnen.

Nicht zuletzt um Schwierigkeiten bei einer Definition von Berufen zu vermeiden (vgl. Dostal 2005), wird bei der Anwendung des Berufsbegriffes auf den erlernten Beruf zurückgegriffen, welcher im Rahmen der jeweiligen Ausbildungsordnung gesetzlich geregelt ist.

Forschungsfragen/untersuchte Variablen (für die ausgewählten Berufe):

Income-Variablen Lehrlinge/LehrabgängerInnen: Geschlecht, Alter zu Lehrzeitbeginn, Vorbildung (Schultyp der zuletzt besuchten Schule), Nationalität, Migrationsstatus (gemäß AMDB-Definition), Bundesland (Wohnort), Lehrvertragsart (Standard, Lehrzeitverlängerung, Teilqualifizierung).

Income-Variablen Lehrbetriebe: Lehrbetriebsgröße (gemessen an der Zahl der Lehrlinge am Standort), Sparte des Lehrbetriebs (inkl. Überbetriebliche Lehrausbildung), Bundesland (Standort des Lehrbetriebs).

Performance-Variablen: Lehrabbruch, erfüllte Lehrzeit, Antritt zur Lehrabschlussprüfung (LAP), Ergebnis der LAP (nicht bestanden, bestanden, guter Erfolg, Auszeichnung).

Output-Variablen: Arbeitsmarktstatus (Beschäftigung, Lehre, Arbeitslosigkeit, Qualifizierung (AMS), Sonstiges, Erwerbsfern/Sonstiges, keine Daten), Wirtschaftsklasse/NACE (bei Beschäftigung), Dienstgebergrößenklassen (bei Beschäftigung) und Verbleib im Lehrbetrieb. Alle diese Daten liegen jeweils zu den Zeitpunkten 1 Jahr, 2 Jahre, 3 Jahre, 4 Jahre und 5 Jahre nach Lehrabschluss sowie zum 30.6.2016 vor.

Die Ergebnisse ermöglichen ein sehr differenziertes Bild über Eingangs-, Ausbildungs- und Arbeitsmarktbedingungen in unterschiedlichen Lehrberufen. Besonderes Augenmerk wird dabei auch auf die regionalen Unterschiede gelegt, die vor allem in Bezug auf den Arbeitsmarkterfolg enorm sind. Beispielsweise betrug unter allen LehrabsolventInnen 2008-2014 (ohne Teilqualifizierung), welche den Lehrberuf „Maurer/-in“ erlernt hatten (erfüllte Lehrzeit), die Arbeitslosenquote am 30.6.2016 mit Wohnort Wien 28,0%, mit Wohnort in Tirol aber lediglich 2,8% (Wohnort in Vorarlberg 3,9%, in Oberösterreich 4,5%).

Literatur:

Dornmayr, Helmut & Litschel, Veronika & Löffler, Roland (2017): Evaluierung der Lehrstellenförderung des AMS Österreich. Endbericht. Wien: ibw/öibf.

Dornmayr, Helmut (2016): Nach der Lehre: Ausbildungserfolg und Erwerbskarrieren der LehrabgängerInnen 2008 – 2013 in Österreich. Teilbericht (ibw) im Rahmen der ibw-öibf-Studie „Hintergrundanalyse zur Wirksamkeit der betrieblichen Lehrstellenförderung (gemäß § 19c BAG)“, Wien.

Dostal, Werner (2005): Facetten des Berufsbegriffs - Vielfalt der Berufsbezeichnungen erschwert die Orientierung, in: BWP 4/2005, Bonn.

Stöger, Eduard & Peterbauer, Jakob & Bönisch, Markus & Wanek-Zajic, Barbara (2017): Absolventinnen und Absolventen von Lehre und BMS, Wien.

Wanek-Zajic, Barbara & Klapfer, Karin u.a. (2015). Ergebnisse aus dem Bildungsbezogenen Erwerbskarrierenmonitoring (BibEr) im Auftrag von BMASK und AMS für die Schuljahre 2008/09 bis 2010/11. Wien: Statistik Austria.



Weitere Abstracts

Aktuell

  • Dokumentation mit Fotos, Videos und Präsentationen ist online

    21.07.2018

    Seit gestern sind mehr als 280 Fotos online- durchscrollen, anschauen, gerne weiter verwenden -> (c) BBFK/Kainrath. Zur...

    Weiterlesen...