BBFK 2020

WIE wollen
wir ARBEITEN?

Berufliches Lernen 
zwischen Tradition
und Transformation

7. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 9.-10.7.2018, Klagenfurt

Paper

Ausbildung und Mitbestimmung im Unternehmen: Leisten Betriebsräte einen Beitrag zur Ausbildungsqualität?

Von:
Eberhardt, Christiane; Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB, Deutschland
Berger, Klaus; Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB, Deutschland

Session: Papersession P3a/3
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 10:45 - 11:45
Ort: Museum Arbeitswelt - Kleiner Saal
Typ: Paper
Stichworte: betriebliche Ausbildung, Mitbestimmung, Qualität, Betriebsräte

Für die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wirtschaftssystems sind die Beschäftigten des mittleren Qualifikationssegments nach wie vor von entscheidender Bedeutung. Etwa 60% einer jeden Kohorte entscheidet sich für eine Berufsausbildung im dualen System (Bundesinstitut für Berufsbildung 2015), darunter auch ein beachtlicher Anteil an Schulabgängern/Schuabgängerinnen mit Studienberechtigung. Die Zahlen belegen, dass das Interesse am dualen Ausbildungssystem seitens der jungen Erwachsenen hoch bleibt. Ein Grund hierfür ist eine in der Regel hohe Ausbildungsqualität, die auch im Ausland immer wieder als beispielhaft hervorgehoben wird- Doch was sind die Bestimmungsgründe für eine hohe Ausbildungsqualität? Da Auszubildende häufiger ihre Zufriedenheit mit der Ausbildung, wenn es eine betriebliche Interessenvertretung gibt (HANNACK 2013, 46f), gehen wir der Frage nach, welche Beitrag die betriebliche Mitbestimmung hier leistet.

Mit dieser Frage beschäftigt sich das Bundesinstitut für Berufsbildung in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftspädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Finanziert von der Hans-Böckler-Stiftung werden im Zeitraum von November 2016 bis Oktober 2018 die Bestimmungsfaktoren sowie der Beitrag, den die betriebliche Mitbestimmung zur Ausbildungsqualität leistet, in einem quantitativ-qualitativen Forschungsdesign ermittelt. Hierbei interessiert uns besonders, worauf Betriebe bei der Ausbildung Wert legen und wie sie - häufig auch unter schwierigen wirtschaftlich Rahmenbedingungen - sicherstellen, dass die Ausbildungsziele erreicht werden.

Theoretisch angelehnt an den Exit-Voice-Ansatz (Hirschman 1970), als auch an die Strukturationstheorie wird von einem positiven Effekt der Mitbestimmung auf die Ausbildungsqualität ausgegangen. Dies wird auf der Grundlage von Experteninterviews und betrieblichen Fallstudien überprüft. Gegenstand der empirischen Untersuchung ist insofern die betriebliche Ausbildungsqualität, die durch die Indikatoren Input (z.B. Ausbildungsordnung, Ausbildungsplan, Eignung des Ausbildungspersonals), Throughput (methodische, didaktische Durchführung), Output (Prüfungserfolg), Transfer (Übertragung des Gelernten in die Berufspraxis) und Outcome (nachhaltige Verwertbarkeit erworbener Kompetenzen) operationalisiert wird. Der Zugang zum Untersuchungsfeld erfolgt über einen sequenziellen Mixed-Methods-Ansatz (Yin 2006), bei dem in einem ersten Arbeitsschritt Experteninterviews zur Schärfung von Hypothesen durchgeführt (Modul 1), die in einem quantitativen Teil (Modul 2) überprüft und schließlich in vier Fallstudien vertieft werden (Modul 3). Die Fallstudien sind methodisch vom Ansatz industriesoziologischer Fallstudienforschung (Pongratz, Pflüger, Trinczek 2010) beeinflusst und zielen darauf ab, Ausbildungs- und Qualitätsverständnisse sowie die sozialen Prozesse im Betrieb und deren Bedingungen zu rekonstruieren, die zur Sicherung der betrieblichen Ausbildungsqualität von Bedeutung sind. Hierbei folgen wir einem „most-diverse“-Ansatz im Hinblick auf Branchen (Automobilzulieferer vs. Dienstleistungen), Interviewpartner (Ausbildungsleitung, Betriebsrat, Auszubildende) und Regionen (industrielle Ballungszentren vs. landwirtschaftliche Flächenbezirke).

Hintergrundgespräche und Experteninterviews, die im Laufe des vergangenen Jahres mit den Ausbildungsleitungen, Betriebsräten und mit einzelnen, die Betriebsräte betreuenden, Gewerkschaftssekretären geführt wurden, führten zu folgenden vorläufigen Arbeitshypothesen:

(1) Zum Qualitätsverständnis: „Qualität“ wird unterstellt, wenn die Ausbildung erfolgreich von den Auszubildenden abgeschlossen wird (Output, Outcome). Sie wird insofern mit dem Prüfungserfolg gleichgesetzt. Hierbei umfasst „Ausbildungsqualität“ die Kategorien Fachlichkeit und „Haltung“, i.S.v. (individueller) Passung.

(2) „Gute Ausbildung“ bezeichnet den Weg zum Ausbildungserfolg (Input/Organisation). Ihr Ziel ist output- (ausgerichtet auf die erfolgreiche Abschlussprüfung) und outcomeorientiert (Betriebspassung). „Gute Ausbildung“ umschreibt eine Ausbildungsorganisation, die beide Kategorien erfolgreich vor dem Hintergrund der spezifischen Betriebsbedarfe herstellen kann.

(3) Betriebsrat/JAV übernehmen eine aktive Rolle bei der Einstellung (Zugang/Input) und bei Fragen der Übernahme (bei vorliegendem Output/Outcome) von Auszubildenden. Es wird vermutet, dass die Ausbildung betreffende Regelungsbedarfe und mitbestimmungspflichtige Tatbestände aufgrund der Marktlage von den anderen Ausbildungsakteuren mit aufgefangen werden.

(4) Die betrieblichen Akteure stützen ihr Verständnis von „guter Ausbildung“ auf ihre eigenen Erfahrungen in der Ausbildung (Berufsbiographischer Zugang), ihre Erfahrung mit anderen Ausbildungsmodellen (vollzeitschulisch, hochschulisch), Narrative über „schlechte Ausbildung“ und in der Konkurrenz zu anderen/andersartigen Betrieben.

Es wird sich zeigen, ob diese ersten Einschätzungen von den betrieblichen Fallstudien, die im Zeitraum Februar bis April 2018 durchgeführt werden, bestätigt werden.



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