Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Service-Learning zwischen beruflicher Bildung und gesellschaftlichem Bildungsauftrag

Von:
Fernandez, Karina; Pädagogische Hochschule Steiermark, Österreich
Slepcevic-Zach, Peter; Universität Graz

Session: Papersession P2/2
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 16:00 - 17:00
Ort: Museum Arbeitswelt - Mittlerer Saal
Typ: Paper
Stichworte: Service Learning, Design Based Research, gesellschaftliches Engagement, fachliche Weiterentwicklung

Unter Service Learning wird ein Veranstaltungsformat verstanden, in dem curriculare Inhalte mit gemeinnützigem Engagement verbunden werden. Ziel dieses Formats ist, neben einer fachlich-methodischen Kompetenzentwicklung der Lernenden auch einen Beitrag zu deren Persönlichkeitsentwicklung zu leisten (vgl. Gerholz & Slepcevic-Zach 2015). Lernende sollen für verantwortliches Handeln in gesellschaftlichen wie beruflichen Situationen sensibilisiert werden, was auch ein zentrales Ziel beruflicher Bildungsprozesse widerspiegelt. Zu diesem Zweck werden Inhalte des Studiums mit gemeinnützigem Engagement der Studierenden verbunden, wobei mit Elementen des erfahrungs-, problem- bzw. handlungsorientierten Lernens gearbeitet wird (Deeley 2010; Schlicht & Slepcevic-Zach 2016). Dennoch findet Service Learning in der klassischen beruflichen Bildung nur wenig Beachtung (vgl. dazu Gerholz et al. 2015).

Im Bereich der wissenschaftlichen Berufsvorbildung schwingt in der Diskussion um die Einführung von Service-Learning Formaten immer die Frage mit, ob und inwieweit (Sensibilisierung für) gesellschaftliches Engagement neben Forschung und Lehre eine dritte universitäre Aufgabe sein kann. Häufig wird in diesem Zusammenhang auf Dewey verwiesen, der ein Ziel von Bildungsprozessen darin ausmacht, die Lernenden zu verantwortlich agierenden Bürger/inne/n zu entwickeln (Dewey 1915). Dies deckt sich mit der von Klafki formulierten zentralen Aufgabe der Universität, die Studierenden auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen bzw. diese zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben generell zu befähigen, sowie der Auffassung von Bildung „als Selbstbestimmungs- und Mitbestimmungsfähigkeit des Einzelnen und als Solidaritätsfähigkeit“ (Klafki 1985, S. 17).

Im Vortrag werden die Ergebnisse einer Design-Based-Research Studie präsentiert, die die Einführung einer Service-Learning Veranstaltung über vier Semester im Masterstudium Wirtschaftspädagogik begleitete. Ziel war es, Erkenntnisse zur didaktischen Modellierung zu gewinnen, um damit die Qualität der Lehrveranstaltung weiterzuentwickeln Darüber hinaus sollte die Wirksamkeit des Formats geprüft werden. Die Studierenden (N=82) wurden dabei über vier Semester mit Hilfe einer quantitativen Pre-Post-Fragebogenerhebung (inklusive einer Kontrollgruppe aus dem Master Betriebswirtschaft, N=105) sowie unterschiedlichen qualitativen Erhebungsformaten befragt. Die didaktische Modellierung wurde parallel auf Basis der erzielten Forschungsergebnisse laufend überarbeitet. Ein Jahr nach Abschluss des letzten Semesters wurden die beteiligten Organisationen aus dem Sozialbereich zu den Langzeitwirkungen der durchgeführten studentischen Projekte befragt.

In der Studie konnte die Wirksamkeit des Service-Learning-Formats, beispielsweise hinsichtlich einer Steigerung der Selbstwirksamkeitserwartung sowie der Engagementbereitschaft, belegt werden. Weiters konnten für die didaktische Modellierung fünf Designvariablen identifiziert werden. Es zeigt sich u.a., dass für die Wirksamkeit eine offene Problemstellung, welche die Lernenden in einer Situation der Unsicherheit belässt, sowie die Lernenden in Kontakt mit den KlientInnen der sozialen Organisationen bringt, zentral ist.

Aus einer wirtschaftspädagogischen Perspektive ist Service-Learning ein Format, welches die Umsetzung erworbener Kompetenzen mit einem sozialen Engagement verbindet und damit die (Weiter-)Entwicklung einer wissenschaftlichen und beruflichen Handlungskompetenz bei den Lernenden unterstützt.

Deeley, Susan, J. (2010): Service-Learning: Thinking outside the box. Active Learning in higher Education, 11(1), 43–53.

Dewey, John (1915): The school and society. Chicago: University of Chicago Press.

Gerholz, K.-H./Liszt, V./Klingsieck, K. B. (2015): Didaktische Gestaltung von Service Learning. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, Ausgabe 28, 1-23. Online: http://www.bwpat.de/ausgabe28/gerholz_etal_bwpat28.pdf [05.01.2016].

Klafki, Wolfgang (1985): Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. Weinheim: Beltz.

Schlicht, Juliana & Slepcevic-Zach, Peter (2016): Research-Based Learning und Service-Learning als Varianten problembasierten Lernens, ZFHE, 11 (3), 85–105.

Gerholz, Karl-Heinz & Slepcevic-Zach, Peter (2015): Service-Learning in business education: What perceptions and expectations do undergraduate and graduate students have of service-learning courses? International Journal for Business Education, 155, 47–59.



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