Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Kooperative Gestaltungsansätze für eine verbesserte Verbindung der Lernorte Berufsschule und Lehrbetrieb anhand gemeinsam geplanter und umgesetzter Lernanlässe

Von:
Flotzinger, Christian W.; Pädagogische Hochschule OÖ, Österreich
Rechberger, Johanna; Pädagogische Hochschule OÖ, Österreich

Session: Papersession P3a/3
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 10:45 - 11:45
Ort: Museum Arbeitswelt - Kleiner Saal
Typ: Paper
Stichworte: Kooperation, Lernorte, Gestaltungsansätze, Lernanlässe, Konnektivität

Die Kooperation der Lernorte des dualen Systems stellt ein grundlegendes Qualitätsmerkmal der Lehrlingsausbildung dar. Der Fokus liegt eindeutig auf der betrieblichen Ausbildung im Lernort Lehrbetrieb (80% der Lehrzeit), also das Lernen in der Praxis bei produktiver Arbeit, vermittelt und unterstützt durch Ausbilder/-innen, bis hin zum Lehrabschluss. Der Berufsschule (20%) wiederum obliegt der Bildungsauftrag zur Vermittlung allgemeinbildender, facheinschlägiger und grundlegend theoretischer Unterrichtsinhalte sowie die Förderung der betrieblichen oder berufspraktischen Ausbildung.

Lernortkooperation bzw. allgemeiner formuliert die Verbindung der schulischen und betrieblichen “Welt” wird in der Fachliteratur mit dem Begriff Konnektivität umschrieben. Konkret handelt es sich dabei um die Verbindung unterschiedlicher Strukturen auf unterschiedlichen Ebenen. Ostendorf (2014, S.18) beschreibt in ihrem Beitrag zur Konnektivität im österreichischen Berufsbildungssystem verschiedene Modelle zur Umsetzung dieser. Das sog. traditionelle Modell, welches eine minimale Abstimmung zwischen den Lernorten beschreibt, findet sich laut Ostendorf auch in der dualen Ausbildung. „Betriebe und Berufsschulen stehen relativ für sich, außer in beiden Institutionen existiert eine Kultur der Zusammenarbeit“ (Ostendorf 2014, S.18). Zwar ist aus ihrer Sicht auf curricularer Mesoebene das duale System durchaus konnektiv, jedoch dringt es auf der Mikroebene des Lernens und Lehrens nicht so stark durch (vgl. Ostendorf 2014, S.18f). Die Ergebnisse der Befragung von Lehrlingen durch Lachmayr/Mayerl 2015 (S. 34) untermauern die Aussagen von Ostendorf. So lässt sich anhand der empirischen Daten zum Thema Austausch zwischen Berufsschule und Lehrbetrieb feststellen, dass die Koopertationstätigkeit der beiden Lernorte erhöht bzw. verbessert werden sollte. Dies betrifft laut Studie insbesondere die Planung und Abwicklung gemeinsamer Projekte beider Lernorte. Die besondere Herausforderung liegt in der sinnvollen Kombination Lernort-spezifischer Abläufe wie der Unterrichtsplanung und -gestaltung sowie der betrieblichen Produktionsorganisation bzw. den betrieblichen Prozessen (z.B. Bindung an reale Arbeitsabläufe). Die Ergebnisse von Dornmayr/Winkler 2016 (S. 20) zur Abstimmung der beiden Lernorte zeichnen ein ähnliches Bild wie Lachmayr/Mayerl.

Auf Basis von qualitativen Interviews (Experteninterviews mit Personen aus verschiedenen relevanten Bereichen und den Lernorten) soll ermittelt werden, wie gemeinsame Projekte bzw. allgemein formuliert Lernanlässe strukturell gestaltet und im Zuge der Ausbildung operativ von den Ausbildungsverantwortlichen umgesetzt werden können. Folgende Fragestellungen sollen im Rahmen dieser Erhebung beispielhaft an einem Lehrberuf skizziert werden:

1. Wie und unter welchen Voraussetzungen sind kooperative Lernanlässe realisierbar?

1.1 Welchen organisatorischen Rahmen und welche Lernumgebung benötigen kooperative Lernanlässe?

1.2 Welche Qualitätskriterien sind von den Lernorten bei der Planung, Umsetzung und Bewertung kooperativer Lernanlässe zu berücksichtigen?

1.3 Welche didaktisch-methodischen Ansätze können im Hinblick auf kooperative Lernanlässe einen Beitrag leisten und sind von beiden Lernorten realisierbar?

2. Welche positiven Effekte bzw. bestehende Problemlagen können durch die kooperativen Lernanlässe generiert bzw. verbessert werden? (z.B. Transfer der Lerninhalte, kooperative Lehrabschlussprüfungs-Vorbereitung, Rahmenbedingungen für die betriebliche Ausbildung, Ausbildungszufriedenheit, Verbleib im Lehrbetrieb und -beruf, kompetenzförderndes Lernumfeld)

Die Ergebnisse der Analyse bilden die Grundlage für das Aufzeigen von Entwicklungsperspektiven und die Ableitung von Gestaltungsansätzen für die Realisierung einer verbesserten Kooperation der Lernorte Berufsschule und Lehrbetrieb anhand von Lernanlässen. Dieser Paper-Beitrag ordnet sich vor allem in die Themenstellung "das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation" sowie im weiteren Sinn in "die Übergangsforschung" (z.B. bessere Bewältigung der 2. Schwelle) ein.

Literatur

Bliem, W., Schmid, K., & Petanovitsch, A. (2014). Erfolgsfaktoren der dualen Ausbildung. ibw

Dornmayr, H., & Nowak, S. (2017). Lehrlingsausbildung im Überblick 2017. ibw

Dornmayr, H., & Wieser, R. (2010). Bericht zur Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in Österreich 2008-2009. ibw-öibf Bericht

Dornmayr, H., & Winkler, B. (2016). Befragung österreichischer LehrabsolventInnen zwei Jahre nach Lehrabschluss. ibw

Lachmayr, N., & Mayerl, M. (2015). 1. Österreichischer Lehrlingsmonitor. öibf

Ostendorf, A. (5. Januar 2014). Konnektivität im österreichischen Berufsbildungssystem. Wissenplus. Österreichische Zeitschrift für Berufsbildung Sonderausgabe Wissenschaft, S. 18-22.

Euler, D. (2005). Qualitätsentwicklung in der Berufsausbildung. Heft 127. Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung - BLK.



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