Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Peer Review, Open Access und Leistungsmessung: Welchen Einfluss haben diese Faktoren auf wissenschaftliches Publizieren in der Berufsbildungscommunity?

Von:
Linten, Markus; Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Deutschland

Session: Papersession P1/1
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 11:00 - 12:30
Ort: Museum Arbeitswelt - Mittlerer Saal
Typ: Paper
Stichworte: Berufsbildungsforschung, Fachcommunity, Publikationsverhalten, Open Access, Qualitätssicherung

Forschungsgegenstand

Forschungsgegenstand sind Publikationen als Konstruktion des Wissensfortschritts und primärer Form der Verbreitung gewonnener Erkenntnisse in der Fachcommunity sowie der gesamte Publikationsprozess.

Wissenschaftliches Publizieren – ob im Gegenstandsbereich der Berufsbildung, in seinen Bezugswissenschaften oder in weiter entfernten Disziplinen wie den Life Sciences – ist immer einem stetigen Wandel ausgesetzt gewesen und für sich genommen schon von dynamischer Prägung, der durch maßgebliche Rahmenbedingungen wie Verlags-/ und Urheberrecht, Open Access, Dissemination, Rezeption und Reputation von Werken noch an weiterer Dynamik gewinnt.

Gegenstand informationswissenschaftlicher Forschung sind die Auswirkungen von Open Access, Qualitätssicherungskonzepten und die (quantitative) Messung von Publikationsleistungen inkl. neuer (massen-)medialer Betrachtung. Beleuchtet werden deren Implikationen auf den Publikationsprozess als Ganzes und Vice versa.

Stand der Forschung

Qualitätssicherung

Zentrales Instrument zur Qualitätssicherung von Zeitschriften (u. U. auch Sammelbänden) ist das „Peer-Review“ genannte Begutachtungsverfahren.

Veröffentlichungen, die dieses Verfahren erfolgreich durchlaufen, gelten als Beleg wissenschaftlicher Qualität von Forschungsergebnissen. Es wird bei Evaluationen von Institutionen oder Berufungs-/Stellenbesetzungsverfahren als wichtiges Beurteilungskriterium herangezogen – „Review“ als anonyme Begutachtung durch Experten („peers“) des jeweiligen Fachgebietes. Der Peer-Review-Prozess selbst ist nicht standardisiert und daher sehr unterschiedlich.

Open Access

Anders als im aktuellen Diskurs zu „Industrie 4.0“ ist die Bezeichnung „Digitalisierung“ im informationswissenschaftlichen Kontext semantisch einzuordnen (Umwandlung eines Bilds in einen retrievalfähigen Zeichensatz). Die (Retro-)Digitalisierung von Schriftwerken sukzessive direkter Bereitstellung im Web („Goldener Weg“) führt schon seit vielen Jahren zum einem Wandel der Publikationslandschaft in der Berufsbildung, die heute als Open Access (OA) bezeichnet wird.

Viele Institutionen haben sich eine sogenannte Open-Access-Policy auferlegt. Hierbei geht es nicht nur um den kostenlosen Zugriff auf veröffentlichte Forschungsergebnisse, sondern auch um höhere Verbreitungsgrade/Zugriffszahlen.

Leistungsmessung

Die Bewertung von Forschungsleistungen im Rahmen von Evaluationen ist inzwischen im Wissenschaftssystem verankert.

Mithilfe bibliometrischer Analysen lassen sich entsprechende Kennzahlen und Daten gewinnen.

Eine international bekannte Analyseform stellt dabei der Journal Impact Factor (JIF) dar, mit dem Zitationen einer Fachzeitschrift innerhalb von zwei Jahren gemessen werden. Alternativ hierzu haben sich alternative Metriken (Altmetrics) entwickelt, die die Rezeption wissenschaftlicher Publikationen unter Rückgriff auf nutzergenerierte Daten im Social Web mit der Zählung von Views, Downloads, Clicks, Tweets, o.ä. ergänzen. Altmetrics erweitern das Resonanzspektrum von wissenschaftlichen auf nichtwissenschaftliche Quellen.

Forschungsmethode

Um festzustellen, welche Implikationen Peer Review und Open Access auf Publikationen der Berufsbildung und somit auf deren Community als Ganzes haben, wird eine Kollektion mit über 13 000 Fachbeiträgen zur Berufsbildung aus den Jahren 2008 bis 2017 einer Analyse unterzogen und zu eruieren versucht, wie sich die Anteile an referierten und OA-Publikationen einerseits in den letzten 10 Jahren entwickelt haben und ob andererseits die eine Publikationsform eine Determinante für die andere darstellen könnte oder zumindest in Korrelation zu ihr steht.

Als Bezugsgröße fungiert die Literaturdatenbank Berufliche Bildung (LDBB) als einzige Referenzdatenbank zur Berufsbildungsforschung und -praxis in Deutschland. Entsprechend der Sprachkreiskonzeption gehören auch Schweiz und Österreich zum Auswertungsscope.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen/Desiderate

Im Hinblick auf den Einfluss von Open Access (OA) ist zu konstatieren, dass der OA-Trend und eine Konvergenz verschiedener Publikationswege-/arten im Gegenstandsbereich der Berufsbildung weiter zunimmt.

Trotz dieses allgemeinen Trends ist evident, dass sich zumindest der Zeitschriftenmarkt zum jetzigen Zeitpunkt (Ende 2017) mit Ausnahme weniger Journals wie die bwp@ noch überwiegend printlastig darstellt.

Peer Review hat den Publikationsprozess in der Berufsbildung nicht nachhaltig verändert. Möglich, dass Vorteile von Open Access in punkto Schnelligkeit, Aktualität, Kosten und Verfügbarkeit ein vergleichsweise aufwendige Review-Verfahren konterkarieren. Hier stellt sich die Frage, inwiefern ein Peer Review in der jetzigen Form noch zeitgemäß bzw. praktikabel ist.

Abschließend soll verifiziert werden, ob es erste Ansätze alternativer Messung von Publikationsoutputs gibt, die wiederum zu entscheidenden Leitfragen führen: Wie aussagekräftig können Altmetrics in der Berufsbildung sein? Werden diese neuen Metriken die Probleme anderer Analysen zur Resonanzmessung lösen können?



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