Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Die Verbindung von theoretischem und praktischem Wissen im Kontext von Bildung und Arbeit. Eine konnektivitätstheoretische Perspektive auf die Lehramtsstudien in der Sekundarstufe Berufsbildung

Von:
Mathies, Regine; Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich
Welte, Heike; Universität Innsbruck, Österreich

Session: Papersession P3a/2
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 10:45 - 11:45
Ort: Fachhochschule - Hörsaal ZKW im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: Berufsbildung, Theoriewissen, Praxiswissen, Konnektivität, Evaluation

Dieses Forschungsprojekt beschäftigt sich mit möglichen Chancen und Herausforderungen, die sich durch die Einführung des Lehramts "Sekundarstufe Berufsbildung" in Österreich ergeben. Im Rahmen einer explorativen Evaluationsstudie mit zentralem Fokus auf die Perspektive der für die Ausbildung relevanten Stakeholder wird der Verbindung von theoretischem und praktischem Wissen im Kontext von Bildung und Arbeit nachgegangen. Hintergrund dafür bildet eine konnektivitätstheoretische Perspektive (z.B. Sappa/Aprea 2014; Tynjälä 2010; Griffiths/Guile 2003).

Der Prozess des Kompetenzerwerbs wird als individueller berufsbiografischer Entwicklungsprozess betrachtet, der über die gesamte berufliche Lebensspanne stattfindet und durch ein Zusammenwirken von unterschiedlichen Akteur/innen, institutionellen Kontexten und Wissensbeständen gekennzeichnet ist. Eine curriculare Gestaltung erfordert in diesem Verständnis ein Wechselspiel von Reflexion und (wissenschaftlicher) Systematisierung von Wissen mit entwicklungsförderlicher Sequenzierung und adäquaten Entwicklungsaufgaben (z.B. Tynjälä/Heikkinen 2011).

Zielsetzung der neuen Curricula für die Sekundarstufe Berufsbildung ist eine kompetenz-, diversitäts- und bildungsorientierte Lehrer/innenbildung, in der die Dualität von Wirtschaftsberuf und Lehrer/innenberuf – in einer wissenschaftlich fundierten Theorie-Praxis-Verknüpfung bearbeitet und reflektiert werden soll (vgl. u.a. Mathies 2012). Studierende der Berufsbildung verfügen dabei zu Studienbeginn nicht nur über eine bereits abgeschlossene Fachausbildung und berufliche Erfahrung, sondern sind während des Studiums auch als Lehrende in berufsbildenden Schulen tätig. Das macht diese Ausbildung so besonders, um die Verbindung von theoretischem und praktischem Wissen zu erforschen.

Das empirische Feld dieser die Implementierung der vierjährigen Bachelorstudien begleitenden Evaluationsstudie bilden die drei Studiengänge 'Ernährung', 'Information und Kommunikation' und 'Fachbereich Duale Berufsausbildung sowie Technik und Gewerbe' an der Pädagogischen Hochschule. Die Datensammlung erfolgt in Form von regelmäßigen Workshops mit Studiengangsleitungen, einer Dokumentenanalyse der Curricula, jährlichen Befragungen der Studierenden mittels Fragebogen und Fokusgruppen sowie problemorientierten Interviews mit Lehrenden der verschiedenen Ausbildungsbausteine, Vertreter/innen aus Schulen, Schulbehörden und Unternehmen. Die Auswertung erfolgt inhaltsanalytisch (Mayring 2008). Dabei werden die Kategorien der Auswertung vorwiegend anhand des erhobenen Materials interpretativ und kontextspezifisch mithilfe der alltagsweltlichen Interpretationen der Befragten entwickelt (z.B. Denzin/Lincoln 1994). Die Interpretation der Ergebnisse wird mit den zentralen Stakeholdern der Ausbildungsgänge diskutiert und soll in die Weiterentwicklung der Curricula einfließen.

Zentrale Themenfelder der Evaluierung sind u.a.:

• die Ausgestaltung hochschuldidaktischer Settings, die eine didaktische Theorie-Praxisverzahnung ermöglichen;

• der Balanceakt zwischen Wissenschafts- und Berufsfeldorientierung;

• das Zusammenwirken von Allgemein- und Berufsbildung, d.h. besondere Anforderungen an die allgemein pädagogische Ausbildung im Hinblick auf Berufsbildung;

• die Vernetzung der Ausbildung mit anderen Institutionen (z. B. Schulen, betriebliches Lernen);

• die Anforderungen in den Betrieben versus Anforderungen der Ausbildung im Hinblick auf die Zielgruppe der beruflich Auszubildenden.

Im Rahmen der Berufsbildungsforschungskonferenz werden erste Ergebnisse der Evaluation der ersten zwei Studienjahre präsentiert und zur Diskussion gestellt.

Literatur:

Denzin, N.K./Lincoln, Y.S. (1994): Introduction. Entering the Field of Qualitative Research. In: Denzin, N.K./Lincoln, Y.S. (Hg.): Handbook of Qualitative Research. Thousand Oaks et al., 1-17.

Griffiths, T./Guile, D. (2003): A connective model of learning: The implication for work process knowledge. In: European Education Research Journal, 2 (1), 56-73.

Mathies, R. (2012): Die Professionalisierung kaufmännischer BerufsschullehrerInnen in Österreich : ein kritisch-konzeptioneller Beitrag zur Hochschuldidaktik. Norderstedt: Books on Demand.

Mayring, P. (2008): Die Praxis der qualitativen Inhaltsanalyse. 2. Auflage. Weinheim et al.

Sappa, V./Aprea, C. (2014): Conceptions of Connectivity: How Swiss Teachers, Trainers and Apprentices Perceive Vocational Learning and Teaching Across Different Learning Sites. In: Vocational Learning, 7(3), 263–287.

Tynjälä, P. (2010): Connectivity and Transformation in Work-Related-Learning - Theoretical Foundations. In: Stenström, M.-L./Tynjälä, P. (Hg.): Towards Integration of Work and Learning. Strategies for Connectivity and Transformation, 11-37.

Tynjälä, P.,/Heikkinen, H. (2011): Beginning teachers' transition from pre-service education to working life. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 14(1), 11–33.



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