Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Instrumente der Anerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen gering qualifizierter Personen – Good Practice-Beispiele aus ausgewählten europäischen Ländern

Von:
Müller-Riedlhuber, Heidemarie; WIAB (Wiener Institut für Arbeitsmarkt und Bildungsforschung), Österreich
Ziegler, Petra; WIAB (Wiener Institut für Arbeitsmarkt und Bildungsforschung), Österreich

Session: Papersession P1/1
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 11:00 - 12:30
Ort: Museum Arbeitswelt - Mittlerer Saal
Typ: Paper
Stichworte: Anerkennung, Validierung, non-formal und informell erworbene Kompetenzen, gering Qualifizierte

Im Rahmen von mehreren 2016–2018 durchgeführten Studien wurden Beispiele guter Praxis für die Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen v.a. von gering qualifizierten Personen in ausgewählten europäischen Ländern analysiert. Die Grundlage des Beitrags bilden u.a. die Ergebnisse einer Benchmark-Studie zur Vorbereitung des Rollouts der Certified Professional-Zertifikate von Climate-KIC (https://certifiedprofessional.eu/), eine Machbarkeitsstudie für das Erasmus+-Projekt TRACK (http://eurocarers.org/track) sowie eine in Abschluss befindliche Studie im Auftrag des AMS Österreich mit einem Fokus auf gering Qualifizierte.

Ziel der Studien war es, einerseits einen Überblick über die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, zentralen Institutionen und AkteurInnen, die verwendeten Instrumente sowie Finanzierungs- und Unterstützungsmöglichkeiten hinsichtlich der Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen zu geben. Andererseits wurde der Frage nachgegangen, welche Instrumente speziell zur Anerkennung der Kompetenzen gering Qualifizierter mit Blick auf arbeitsmarktpolitische Verwertbarkeit entwickelt wurden und als Beispiele guter Praxis gelten können. Unterschiede in Bezug auf die entwickelten Anerkennungsverfahren ergaben sich dabei insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher beruflicher Bildungssysteme sowie gesetzlicher Rahmenbedingungen und institutioneller Verantwortlichkeiten. In Frankreich ist z.B. ein kompetenzorientierter Ansatz, der auf eigenen Verfahren mit vorab definierten Kompetenzstandards basiert, vorzufinden, während Österreich und Deutschland einen systemimmanenten Ansatz verfolgen, der stärker auf bereits bestehende Prüfungsverfahren setzt.

In einem ersten Schritt wurden mittels Desktop-Recherche aktuelle Studien, europäische Positionspapiere, Projekte und Maßnahmen analysiert (u.a. BMB, BMWFW 2017, Bertelsmann 2015, Cedefop 2017) und die verwendeten Begriffe „gering qualifizierte Personen“, „non-formal und informell erworbene Kompetenzen“, „Validierung“ bzw. „Anerkennung von Kompetenzen“ usw. definiert. Basierend auf vorab festgelegten Good Practice-Kriterien und ersten Recherche-Ergebnissen wurden Beispiele für weitere Detailanalysen ausgewählt. Zusätzlich wurden in Interviews mit nationalen und internationalen ExpertInnen weitere Hintergrundinformationen zu Arbeitsmarktrelevanz, Kompetenzanerkennungsmethoden, Qualifizierungsmaßnahmen, politischen Strategien usw. im Bereich Anerkennung gesammelt.

Der Beitrag gibt zunächst einen Überblick über die Rahmenbedingungen und den aktuellen Stand der Validierung in ausgewählten Ländern (AT, DE, FR, CH, NO), wobei v.a. auf bereits etablierte Instrumente eingegangen wird. Dabei wird das jeweilige nationale Validierungssystem bzw. der Kontext, in dem die Instrumente entwickelt wurden, kurz dargestellt und verglichen. Weiters wird für jedes Land ein Beispiel guter Praxis für die Anerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen gering qualifizierter Personen vorgestellt und hinsichtlich Zielgruppenspezifik und Arbeitsmarktrelevanz analysiert. Obwohl die Validierung non-formalen und informellen Lernens für gering Qualifizierte grundsätzlich als geeignetes Instrument zur Höherqualifizierung erscheint, zeigt sich in der Praxis, dass viele Anerkennungsverfahren einen hohen Grad an schriftlicher und sprachlicher Ausdrucksfähigkeit sowie Selbstreflexion erfordern; dies fällt gerade gering qualifizierten Personen oft schwer. Für diese Zielgruppe werden daher häufig Kompetenzbilanzierungsverfahren angeboten, die die Wahrnehmung der eigenen Kompetenzen stärken und zu Weiterbildung oder weiteren Schritten im Bereich der Kompetenzfeststellung und -anerkennung motivieren sollen. Hier zeigen sich zwischen den Ländern unter anderem Unterschiede hinsichtlich der Berücksichtigung von Kompetenzbilanzierungen im Rahmen formaler Anerkennungsverfahren, auf die im Beitrag näher eingegangen wird.

Literatur:

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.; 2015): Kompetenzen anerkennen. Was Deutschland von anderen Ländern lernen kann.

BMB, BMWFW (2017): Strategie zur Validierung nicht-formalen und informellen Lernens in Österreich.

Cedefop, European Commission, ICF (2017): European inventory on validation of non-formal and informal learning – 2016 update. Synthesis report. Luxembourg: Publications Office.

Cedefop (2015): European guidelines for validating non-formal and informal learning. Luxembourg: Publications Office. Cedefop reference series.

Eichbauer, Christian (2017): Berufserfahrung anerkennen! Die österreichische Validierungsstrategie zur Kompetenzanerkennung. In: WISO 40. Jg. (2017), Nr. 3, S. 87-98.

Müller-Riedlhuber, Heidemarie; Ziegler, Petra (2017): TRACK Project. TRAining and recognition of informal Career sKills. Feasibility Study.

Ziegler, Petra (2016): Zur Situation von Geringqualifizierten in Österreich und ausgewählte internationale Fallbeispiele zur Anerkennung von Kompetenzen und Höherqualifizierung, AMS info, No. 357/358.

Ziegler, Petra; Müller-Riedlhuber, Heidemarie (2018): Zur Anerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen. Good-Practice-Beispiele für gering Qualifizierte aus ausgewählten europäischen Ländern (erscheint im Juni 2018).



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