Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Förderung der Integration von Geflüchteten in die duale Ausbildung – Transferpotenziale aus dem Modellversuchsschwerpunkt „Neue Wege/Heterogenität“

Von:
Scheiermann, Gero; Universität Duisburg-Essen, Deutschland
Vogel, Christian; Bundesinstitut für Berufsbildung, Deutschland

Session: Papersession P3b/4
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 12:00 - 13:00
Ort: Fachhochschule - Seminarraum LeitnerLeitner + Seminarraum OÖNachrichten im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: Integration, Flüchtlinge, Transfer, Ausbildung, Vielfalt

Der Flüchtlingszustrom der letzten Jahre hat die Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft der europäischen Länder – und hier auch insbesondere Deutschland – vor große Herausforderungen gestellt. Nach den humanitären Sofortmaßnahmen soll nun den Geflüchteten eine dauerhafte berufliche und damit gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden. Die Integration Geflüchteter in Bildung, Ausbildung und qualifizierte Erwerbsarbeit zählt damit aktuell zu den zentralen gesellschaftspolitischen Aufgaben in Deutschland. Die Unternehmen als gatekeeper des Arbeits- und Ausbildungsmarktes nehmen hierbei eine entscheidende Rolle ein und sind daher entsprechend in ihren Integrationsvorhaben zu unterstützen. (vgl. Cedefop 2017; Robert-Bosch-Stiftung 2016: 16; Braun/Lex 2016: 6)

Die Unternehmen haben in Bezug auf die Integration von Jugendlichen in die duale Ausbildung bzw. sozialversicherungspflichtige Beschäftigung differente Anforderungen an Unterstützungsmaßnahmen. (vgl. Geis u. a. 2016; Flake u. a. 2017; Eilers u. a. 2016; NUIF 2017; DIHK 2017; Werner 2016; Baic u. a. 2017; Ebbinghaus/Gei 2017; Ebbinghaus 2017; Garnitz/Wohlrabe 2016; Gürtzgen 2017) Dabei werden eine Reihe von betrieblichen Unterstützungsmaßnahmen/Gelingensbedingungen genannt (Kompetenzfeststellungsverfahren/Potenzialanalysen, berufsorientierte Sprachförderung, berufs- und ausbildungsvorbereitende sowie Begleitmaßnahmen nach dem Mentorenprinzip, externes Ausbildungsmanagement wie asA oder abH, berufsfachliche Nachhilfe, interkulturelles Training, Informationsbereitstellung oder Betreuung), die bereits in früheren Forschungs-, Pilot- und Entwicklungsprojekten sowie Modellversuchen erprobt wurden. In Bezug auf das Matching von Jugendlichen, die bspw. aufgrund interagierender (bildungs-)biografischer Faktoren (z. B. Migrationshintergrund) Schwierigkeiten haben, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu finden und Unternehmen, die auf eine Unterstützung bei der betrieblichen Ausbildung dieser Jugendlichen angewiesen sind, kann die Berufsbildung auf eine Reihe von Erfahrungen zurückgreifen. Mit dem Modellversuchsschwerpunkt „Neue Wege in die duale Ausbildung – Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung“ (Neue Wege/Heterogenität) wurden so vor dem Hintergrund der zunehmenden Heterogenität der Jugendlichen im Zeitraum von 2011 bis 2014 in 17 Projekten Instrumente, Konzepte und Methoden gefördert, die Unternehmen und Jugendliche bei der betrieblichen Ausbildung unterstützen können. (vgl. Westhoff/Ernst 2016)

Das aktuelle Forschungsprojekt hat vor dem Hintergrund potenzieller Transfermöglichkeiten die folgenden Fragestellungen bearbeitet:
- Welche Konzepte, Methoden und Instrumente aus dem Modellversuch „Neue Wege/Heterogenität) lassen sich in Bezug auf die Verbesserung der Integration von Geflüchteten in die duale Ausbildung übertragen?
- Welche Unterstützungsbedarfe und Voraussetzungen sehen Unternehmen für eine betriebliche Ausbildung Geflüchteter?
- Welche Erfahrungen in der betrieblichen Ausbildung Geflüchteter haben Unternehmen bisher gesammelt?

Das Forschungsdesign sah zunächst eine Dokumentenanalyse der vorhandenen Konzepte, Methoden und Instrumente des Modellversuchs „Neue Wege/Heterogenität“ vor. Eine daran anschließende SWOT-Analyse hatte das Aufzeigen von möglichen Strategien bezogen auf eine/n Transfer/Modifikation/Weiterentwicklung der vorhandenen Maßnahmen/Instrumente der Modellversuche in Bezug auf die Gruppe der Geflüchteten fokussiert. Dabei wurden individuelle Stärken und Schwächen ausgewählter Projekte des Modellversuchsschwerpunkts mit den betrieblichen Anforderungen in Bezug auf die Integration Geflüchteter in die duale Ausbildung gegenübergestellt. Zur Validierung der Ergebnisse wurden fünf problemzentrierte Interviews mit Projektträgern aus dem Modellversuchsschwerpunkt geführt.

Die Erfahrungen, Voraussetzungen und Unterstützungsbedarfe von Unternehmen in Bezug auf die Integration Geflüchteter in die duale Ausbildung wurden exemplarisch durch fünf problemzentrierte Interviews mit Experten aus Großunternehmen erfasst. Die Interviews wurden jeweils inhalts-analytisch nach Mayring computergestützt ausgewertet.

Darüber hinaus wurden im Rahmen einer Zukunftswerkstatt mit 20 Akteuren aus Unternehmen, Sozialpartnern, Flüchtlingsnetzwerken, Berufsbildungsforschung und -politik Fragestellungen der Integration Geflüchteter in die duale Ausbildung diskutiert Die Ergebnisse wurden ebenfalls eingehend analysiert und ausgewertet.

Für den Sommer 2018 ist eine praxisorientierte Publikation der Analyseergebnisse vorgesehen. Im Vortrag sollen die essentiellen Ergebnisse des Projekts vorgestellt werden, um darauf aufbauend unternehmerische Unterstützungsbedarfe und Handlungsempfehlungen zur Integration von Geflüchteten in die duale Ausbildung zu diskutieren.



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