Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

skills4industry4.0

Von:
Schmid, Kurt; ibw, Österreich

Session: Papersession P1/3
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 11:00 - 12:30
Ort: Museum Arbeitswelt - Großer Saal
Typ: Paper
Stichworte: Industrie 4.0, Megatrends, Qualifizierung, Kompetenzen

Seit geraumer Zeit gibt es Anzeichen radikaler Änderungen betrieblicher Abläufe (bspw. bei den Wertschöpfungsketten, den B2B- sowie den B2C-Beziehungen) aufgrund verstärkter IT-Diffusion. Dieser verstärkte und neuartige Einsatz der Informationstechnologien in der breiten Palette von Unternehmensfeldern wird auch mit dem Schlagwort Industrie 4.0 bezeichnet.

Die meisten Studien gehen davon aus, dass diese stark technologiegetriebenen Veränderungen deutliche Auswirkungen auf Tätigkeitsanforderungen der Beschäftigten, die Zuschnitte dieser Tätigkeitsanforderungen in Berufen sowie die dafür erforderlichen Skills und Kompetenzen (und somit ggf. auch der erforderlichen formalen Qualifikationen) haben werden (bspw. Roland Berger 2015, Fell 2014, UKCES 2013). Auffallend an entsprechenden „Qualifikations“-Studien der ersten Phase war deren geringe empirische Fundierung und hohe normative Geladenheit der Aussagen insbesondere bezüglich des Qualifizierungsbedarfs (bspw. SPATH et al. 2013, ACATECH 2015, BMWi 2014). Entweder wurde ein Bild gezeichnet, dass die Einführung von Industrie 4.0 evolutionär sein wird und somit auch die Auswirkungen auf die Qualifizierung entsprechend kontinuierlich vonstatten gehen werden – oder aber der Impact wurde als gewaltig angenommen, mit entsprechend „revolutionären“ Konsequenzen für die Qualifizierung und die (beruflichen) Bildungssysteme.

Mittlerweile gibt es erste empirische Studien zu Auswirkungen auf die Qualifizierung – insbesondere den Qualifikationsbedarf (für Österreich bspw. jüngst Schmid et al. 2016). Im Kern wird eine Bedeutungszunahme höherqualifizierter Tätigkeiten erwartet: breitere und komplexere Aufgabenspektren, verstärkte Umsetzung in Teamwork-/Projektarbeit-Arrangements (und infolgedessen eine steigende Bedeutung von Soft Skills) sowie umfassenderes Know-how über betriebliche Prozesse. Die Effekte sind (zumindest mittelfristig) als „zwar herausfordernd, jedoch bewältigbar“ einzustufen. Der Konnex zum Leitthema der Konferenz ist ebenfalls dadurch adressiert, als „Höher“qualifizierung im Sinn breiterer und komplexerer Anforderungen neben vertieften berufsfachlichen Kenntnissen auch breiteres Wissen über (globale) Zusammenhänge sowie umfassendere Kompetenzen (Stichwort Projekt-, Teamarbeit, interkulturelle Handlungskompetenzen etc.) und somit eine stärker allgemeinbildend-konnotierte Dimension umfasst.

In der Studie von Schmid et al. (1016) zeigt sich auch, dass Industrie 4.0 nicht isoliert von anderen Megatrends wie Globalisierung und Demografie (Alterung, Migration) zu sehen ist, als sie „gemeinsam“ anhaltende Quellen sich verändernder Anforderungen an Tätigkeiten und infolge auch Kompetenzen von MitarbeiterInnen sind. Anhand einer Sonderauswertung des dieser Studie zugrundeliegenden Unternehmens-Datensatzes wird der Konnex zwischen der Qualifikationsstruktur der Belegschaft, der Stoßrichtung und dem Ausmaß der geplanten zukünftigen Effizienz-/Produktivitätssteigerungsanstrengungen der Firmen sowie den zukünftig seitens der Firmen erwarteten Veränderungen an die Tätigkeits- und infolgedessen Kompetenzanforderungen der Beschäftigten näher analysiert. Konkret werden folgende Aspekte betrachtet werden:

• Gibt es Unterschiede in den Effizienz-/Produktivitätssteigerungszielen zwischen Unternehmen mit divergierenden formalen Qualifikationsstrukturen ihrer Belegschaften?

• Wie hängen Qualifikationsstruktur der Belegschaft, Effizienz-/Produktivitätssteigerungsziele und erwartete Kompetenzanforderungen zusammen?

• Lassen sich einzelne Megatrends (Digitalisierung [Industrie 4.0], Globalisierung etc.) überhaupt als separat/separierbare Einflüsse auffassen bzw. gehen von kumulierten Effekten aus Globalisierung „plus“ Digitalisierung/Industrie 4.0 auch stärkere Impacts auf die veränderten Kompetenzanforderungen aus?

Literatur:

Smart Service Welt Working Group / acatech (eds, 2015): Smart Service Welt – Recommen¬dations for the Strategic Initiative Web-based Services for Businesses. Final report, Berlin.

BMWi (2014): Zukunft der Arbeit in Industrie 4.0. Berlin.

Roland Berger (2015): Die digitale Transformation der Industrie. Studie der Roland Berger Strategy Consultants im Auftrag des BDI.

Fell, Mark (2014): The Emerging “Internet of Things” Carré & Strauss, London.

Schmid, Kurt; Winkler, Birgit; Gruber, Benjamin (2016): Skills for the Future. Zukünftiger Qualifizierungsbedarf aufgrund erwarteter Megatrends. ibw-Forschungsbericht Nr. 187.

Spath, Dieter (Hrsg. 2013): Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0. Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart.

UKCES (2013): Technology and skills in the Digital Industries. Evidence report 73 of the UK Commission for Employment and Skills (UKCES).



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