Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Herausforderungen und Chancen einer polyvalenten wissenschaftlichen Berufsvorbildung

Von:
Slepcevic-Zach, Peter; Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich
Stock, Michaela; Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich
Riebenbauer, Elisabeth; Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich

Session: Papersession P3a/6
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 10:45 - 11:45
Ort: Museum Arbeitswelt - Großer Saal
Typ: Paper
Stichworte: Berufsvorbildung, berufsbildende Schulen, Polyvalentz, AbsolventInnenbefragung

Die berufsbildenden Vollzeitschulen stellen in Österreich mit einem Anteil von 50,32% aller Schüler/innen zwischen 14 und 19 Jahren (Statistik Austria 2017, S. 131–134) einen zentralen Bereich des Schulwesens dar. Die wirtschaftlichen Inhalte werden dabei fast ausschließlich von Absolvent/inn/en der Wirtschaftspädagogik unterrichtet. Das Studium der Wirtschaftspädagogik ist in Österreich polyvalent ausgerichtet (Aff 2008, S. 13) und es gehen (je nach Standort) etwa 60% der Absolvent/inn/en auch langfristig nicht in den Schuldienst (vgl. dazu Stock et al. 2008; Hauer/Stock 2007). Die polyvalente Ausrichtung ergibt die Situation, dass eine wissenschaftliche Berufsvorbildung angeboten wird, welche sich im Zusammenspiel zwischen allgemeiner Bildung für alle Bereiche der Wirtschaft, der Verwaltung und der Forschung sowie der (Aus-)Bildung für den Lehrberuf positioniert.

Bei den verfügbaren Stellen im gesamten Schulbereich in Österreich zeigen sich – auf der Angebots- wie auch der Nachfrageseite – Schwankungen, welche beispielsweise auf veränderte Arbeitsbedingungen oder den demographischen Wandel zurückgeführt werden können. Dieser Umstand bewirkt hinsichtlich der personellen Sicherung an den wirtschaftlichen Vollzeitschulen eine gewisse Unsicherheit (da es für die Schulverwaltung beispielsweise schwerer einzuschätzen ist, wie viele der aktuellen Studierenden in naher Zukunft als Lehrpersonen zur Verfügung stehen werden), ermöglicht umgekehrt aber größere Flexibilität bei einer schwankenden Stellensituation.

Vor diesem Hintergrund können folgende drei Fragestellungen formuliert werden: Erstens, welche Karriereverläufe sind bei den Absolvent/inn/en der Wirtschaftspädagogik zu finden bzw. welche Berufswahl wird getroffen? Zweitens, damit verknüpft die Frage nach der Bedeutung der Polyvalenz für die Studierenden in diesem Studium. Drittens die Frage nach den Karrierevorstellungen und -erwartungen der Absolvent/inn/en bzw. welche beruflichen Ziele und Vorstellungen sie mit den einzelnen Berufsfeldern verknüpfen. Um die Ergebnisse der vorliegenden empirischen Studie und ihre Bedeutung bzw. ihren Nutzen verorten zu können, wird im Vortrag zuerst die Bedeutung der beruflichen Vollzeitschulen in Österreich aufgezeigt. Weiters wird die Lehrer/innenbildung in Österreich, welche gerade einen Reformprozess durchläuft, vorgestellt, um die wissenschaftliche Berufsvorbildung der Wirtschaftspädagog/inn/en darin einordnen zu können.

Den zentralen Teil des Beitrages stellen die Ergebnisse einer Befragung aller Personen dar, die das Studium der Wirtschaftspädagogik an der Karl-Franzens-Universität Graz abgeschlossen haben. Durch diese Erhebung (N=452, entspricht einer Rücklaufquote von 55%) können Veränderungen im Zeitverlauf (zwischen 1985 und 2015) hinsichtlich der Karriereverläufe wie auch der Erwartungen der Absolvent/inn/en an die Berufsfelder zwischen Schule und Wirtschaft/Verwaltung gezeigt werden. Dabei spiegelt sich auch die Bedeutung der Polyvalenz wider, da 59% der Befragten in Wirtschaft und Verwaltung, 31% an der Schule und 10% im Bereich Hochschule und Erwachsenenbildung tätig sind (Zehetner/Stock/Slepcevic-Zach 2016). Abschließend werden die Ergebnisse hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Berufsbildung, insbesondere der berufsbildenden mittleren und höheren Vollzeitschulen in Österreich diskutiert.

Mit den theoretischen Vorüberlegungen und den Ergebnissen der Absolvent/inn/enstudie kann gezeigt werden, welche Rolle die polyvalente Ausrichtung des Studiums der Wirtschaftspädagogik in Österreich hinsichtlich der Bildungs- und Karriereverläufe spielt und welche Anforderungen die Absolvent/inn/en an die Institution Schule stellen, damit diese als attraktive Arbeitgeberin wahrgenommen wird bzw. welche Gründe für einen Wechsel des Berufsfeldes bestehen.

Literatur

Aff, J. (2008): Pädagogik oder Wirtschaftspädagogik? Anmerkungen zum Selbstverständnis der Disziplin. bwpat, Österreich Spezial, Spezial 3, 1–16.

Hauer, E. & Stock, M. (2007): Qualifizierung von Berufs- und Wirtschaftspädagogen zwischen Professionalisierung und Polyvalenz. Bwpat, 12, 1–17.

Statistik Austria (2017): Bildung in Zahlen 2015/16 – Tabellenband. Wien: Verlag Österreich GmbH.

Stock, M., Fernandez, K., Schelch, E. & Riedl, V. (2008): Karriereverläufe der Absolventinnen und Absolenten der Wirtschaftspädagogik am Standort Graz. Eine empirische Untersuchung. Graz: unipress.

Zehetner, E., Stock, M. & Slepcevic-Zach, P. (2016): Wipäd – und dann? Ergebnisse aus der aktuellen Abso-Befragung am Standort Graz. wissenplus wissenschaft, 1-16/17, 30–33.



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