Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Professionsspezifische Subkulturen und Soziale Welten in Arenen – ein Konzeptvorschlag zur gesellschaftlichen Verortung von ErwachsenenbildnerInnen als Profession

Von:
Steiner, Petra H.; Petra H. Steiner, selbstständige Erwachsenenbildungsforschung, Österreich

Session: Papersession P3b/2
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 12:00 - 13:00
Ort: Fachhochschule - Hörsaal ZKW im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: ErwachsenenbildnerInnen, Soziale Welten, Subkulturen, Verortung, Profession

Ausgangspunkt ist die noch immer unbefriedigend geführte Diskussion darüber, ob ErwachsenenbildnerInnen eine Profession bilden. Ein Hindernis für Professionalisierung liegt – den Ergebnissen der Erwachsenenbildungsforschung folgend – in der „Heterogenität“ der beruflichen Gruppe. Die vorliegende Einreichung ist Teilergebnis einer Dissertation an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (Steiner 2014 und 2016), welche die Forschungsfrage ins Zentrum stellt: Wie sieht ein sozialwissenschaftliches Modell aus, welches sowohl die bestehende Diversität innerhalb der beruflichen Gruppe der ErwachsenenbildnerInnen als auch bestehende Homogenität und Kohäsion sichtbar macht. Ein solches Modell böte konzeptiv Ansatzpunkte für Professionalisierung unter Bedingungen der Gegenwartsgesellschaft.

Der Forschungsstand zu beruflichen Kulturelementen der Erwachsenenbildung zeigt einen breiten Grundstock mit Beschreibungen und Erfassungen (z.B. Gieseke 1989, Hartig, 2008, vgl. dazu Steiner 2016:130ff), ist jedoch noch nicht ausreichend aufeinander aufbauend und in seinem Systematisierungsgrad ausbaubedürftig. Aus theoretisch-konzeptiver Sicht sind die Arbeiten von Nittel und Schütz zentral (Nittel 2000, Nittel&Schütz 2012 und 2014). Nittel leistete den „Theorieimport“ der Sozialen-Welten-Theorie in die Professionalisierungsforschung der Erwachsenenbildungsforschung und spricht erstmals von einer „Berufskultur“ der Erwachsenenbildung (ebd. 2000:145).

Das erarbeitete Ergebnis der Theoriearbeit, die vom interpretativen Paradigma, dem Grounded-Theory-Ansatz sowie von kulturtheoretischen Zugängen inspiriert ist, liegt im Vorschlag einer zweiteiligen Erfassungsmöglichkeit der diversen Erscheinungsformen von ErwachsenenbildnerInnen: 1. als Professionsspezifische Subkulturen und 2. als Soziale Welten in Arenen. Professionsspezifische Subkulturen werden mit Hofstede (2001:9f) und Trice (1993:82ff) systematisiert. Als Zweites wird basierend auf Clarke (2012), die eine postmodern und kritisch gewendete Grounded-Theory-Methodologie vertritt, vorgeschlagen, ErwachsenenbildnerInnen als Soziale Welten in Arenen zu erfassen. Entgegen der von Nittel vertretenen Position, es könne sich um eine Soziale Welt von ErwachsenenbildnerInnen handeln, wird in meiner Arbeit eher davon ausgegangen, dass es sich um mehrere Soziale Welten, also um mehrere Kommunikations-, Orientierungs-, Arbeitszusammenhänge von sich diesbezüglich engagierenden AkteurInnen (Schütze 2016:75), handelt. Eine plurale Konzeption bietet mehr Offenheit und ermöglicht, den Anschluss der ErwachsenenbildnerInnen an gesellschaftliche permanent in neuer Erscheinungsform auftretende „Problembetroffenheiten und Erleidensprobleme“ (Schütze 2016:76) im Blick zu behalten. Soziale Welten zeichnen sich dadurch aus, dass sie fluide sind, sich permanent neu ausrichten und quer zu herkömmlichen Institutionen und Organisationen liegen, und sie sind in gesellschaftlichen Arenen verortet. So kann hypothetisch eine Karte der Erwachsenenbildung mit Sozialen Welten in verschiedenen Arenen (etwa jene, die sich mit Fragen der Migration und Integration beschäftigt oder jene der Arbeitsmarktverwaltung) gezeichnet werden.

Methodologisch zu diskutieren ist Ertrag und Legitimität der Vorgehensweise. Die konzeptiv und theoretisch erarbeitete Perspektive ohne empirische Erhebung bietet bereits neue Perspektiven auf die Fassung von Professionen und damit auch auf ein „Konstrukt des Berufs“. Die Notwendigkeit Berufe und Professionen mit offenen und flexiblen Elementen zu konzipieren (vgl. dazu Teil I der Dissertation) bedingt eine neue, komplexere, stärker auf Aushandlungsprozesse zwischen Beteiligten ausgerichtete Zugangsweise in der Gestaltung von Berufen und Professionen. In diesen geht es unter anderem um die permanente Neuausrichtung professioneller AkteurInnen, um Abstimmungsprozesse über Disziplin- und Professionsgrenzen hinweg. Die erarbeiteten Konzepte erlauben auch den stockenden gesellschaftlichen Prozess zur Neuplatzierung des Lebenslangen Lernens für einen sozialwissenschaftlichen Forschungsprozess zu öffnen. Exemplarisch für diese Prozesse stehen in diesem Fall Erwachsenenbildner/innen als Profession.

Angegebene Literatur siehe: Steiner, Petra H. (2016): Subkulturen und Soziale Welten der Erwachsenenbildung. Eine professionstheoretische Verortung. Dissertation, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Online im Internet: http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/2016_dissertation-klg_petra_steiner.pdf. sowie Schütze, Fritz (2016): Das Konzept der Sozialen Welt Teil 1: Definition und historische Wurzeln & Das Konzept der Sozialen Welt Teil 2: Theoretische Ausformung und Weiterentwicklung. In: Dick, Michael, Marotzki, Winfried, Mieg, Harald (Hg.): Handbuch Professionsentwicklung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt. 74-87 & 88-105.



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