Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Vorstellungen im Rechnungswesen - Österreich und Deutschland im Vergleich

Von:
Berding, Florian; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Deutschland
Slepcevic-Zach, Peter; Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich
Riebenbauer, Elisabeth; Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich

Session: Papersession P3b/6
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 12:00 - 13:00
Ort: Museum Arbeitswelt - Großer Saal
Typ: Paper
Stichworte: Rechnungswesen, Grundvorstellungen, Motivation, Lernstrategien

Das Rechnungswesen repräsentiert ein Kernelement kaufmännischer beruflicher Bildung, denn „erst die Verfahren und Begriffe des Rechnungswesens erlauben es (…), die beobachtbaren Vorgänge im Unternehmen in ihrem ökonomischen Sinngehalt zu interpretieren und sie letztlich auf die Zielebene wirtschaftlichen Handelns zu beziehen [kursiv im Original]“ (Preiß & Tramm 1996, S. 229). Für Dubs (2008, S. 26 f.) dient der Unterricht im Rechnungswesen aber nicht nur der beruflichen Qualifizierung, sondern auch der Bildung eines allgemeinen Gesellschafts- und Wirtschaftsverständnisses. Dieses Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge ist notwendig, um als Staatsbürger/-innen, Konsument(inn)en und Beschäftigte aktiv an Entscheidungen partizipieren zu können. Kenntnisse im Rechnungswesen können folglich der allgemeinen als auch der beruflichen Bildung dienen. Hierzu ist es allerdings erforderlich, dass die Lernenden angemessene Vorstellungen von den zu Grunde liegenden Prozessen entwickeln, d. h. eine tragfähige inhaltliche Vorstellung aufbauen.

Entsprechend dem Modell der didaktischen Rekonstruktion von Kattmann et al. (1997) sollte die Entwicklung vorteilhafter Vorstellungen von Begriffen und Verfahren des Rechnungswesens im Unterricht an den Vorstellungen der Lernenden anknüpfen. Zwar wird aktuell vehement über die „korrekte“ Vorstellung von Rechnungswesenbegriffen diskutiert (z. B. Plinke 2014; Preiß 2011) und der Rechnungswesenunterricht empirisch erforscht, empirische Studien über die Vorstellungen der Lernenden fehlen jedoch. Vor diesem Hintergrund wird auf der Grundlage des mathematikdidaktischen Modells von vom Hofe (1992) ein Modell der Grundvorstellungen im Rechnungswesen entwickelt. Konzeptionell bilden die Vorstellungen ein Scharnier zwischen den ökonomischen Phänomenen in der Realität einerseits und den abstrakten Begriffen des Rechnungswesens andererseits. Tragfähige Grundvorstellungen helfen bei der „Übersetzung“ der ökonomischen Realität in das Rechnungswesen und bei der inhaltlichen Re-Interpretation der Begriffe. Die Studie zielt auf die empirische Ausarbeitung dieses Modells ab und bearbeitet die folgenden Fragestellungen:

1. Welche inhaltlichen Vorstellungen besitzen angehende Wirtschaftspädagog(inn)en über den Begriff Aufwand?

2. In welchen Zusammenhang stehen diese Vorstellungen zu Lernprozessen im Rechnungswesen (konkret Motivation zum Erlernen von Rechnungswesen, Einsatz von Lernstrategien)?

3. Welche Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland sind dabei feststellbar?

Für die Beantwortung dieser Fragestellungen bearbeiteten angehende Wirtschaftspädagog(inn)en aus Österreich (N = 33) und aus Deutschland (N =57) u. a. zwei verschiedene Diagnoseaufgaben zum Begriff „Aufwand“, der eine wesentliche Informationsgrundlage für wirtschaftliche Entscheidungen bereitstellt (z. B. Annahme zusätzlicher Aufträge, Optimierung der Prozesse). Mittels eines induktiv gebildeten Kategoriensystems für die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2016) werden die Grundvorstellungen der Lernenden systematisch erarbeitet und Zusammenhänge mit Motivation und Lernstrategien geprüft.

Die im Beitrag präsentierten Ergebnisse der Studien lassen Erkenntnisse darüber erwarten, welche Vorstellungen Lernende besitzen und als Ausgangspunkt für die Gestaltung von Unterricht betrachtet werden können. Sie geben sowohl Impulse für die didaktische Aufbereitung von Inhalten als auch für die Diskussion, welche der Vorstellungen ggf. als Ziele allgemeinbildenden oder beruflichen Unterrichts verfolgt werden können.

Literatur

Dubs, R. (2008). Der Unterricht im Fach Rechnungswesen. In C. Rudolphi (Hrsg.), Max Boemle: Festschrift zum 80. Geburtstag (S. 21–37). Zürich: SKV.

Kattmann, U. Reinders, D.; Gropengießer, H. & Komorek, M. (1997). Das Modell der Didaktischen Rekonstruktion – Ein Rahmen für naturwissenschaftsdidaktische Forschung und Entwicklung. Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, 3(3), 3–18.

Kuckartz, U. (2016). Qualitative Inhaltsanalyse (3. Aufl.) Weinheim: Juventa.

Plinke, W. (2014). Essay zur Kakophonie in der (wirtschaftsinstrumentellen) Rechnungswesendidaktik, der die langersehnte Euphorie nicht gelingen will. Wirtschaft und Erziehung, 66(8), 306–311.

Preiß, P. & Tramm, T. (1996). Die Göttinger Unterrichtskonzeption des wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesens. In P. Preiß & T. Tramm (Hrsg.), Rechnungswesenunterricht und ökonomisches Denken (S. 222–323). Wiesbaden: Gabler.

Preiß, P. (2011). Symmetrie von Wert und Gegenwert als Grundlage der Doppik – Eine Entgegnung zu den Aufsätzen von W. Plinke in WuE 6/2010 und 1-2/2011 – Teil 1. Wirtschaft und Erziehung, 9, 284–291.

vom Hofe, R. (1992). Grundvorstellungen mathematischer Inhalte als didaktisches Modell. Journal für Mathematik-Didaktik, 13(4), 345–364.



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