Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Die Lehrlingsausbildung in Österreich und Deutschland – eine vergleichende Analyse zu Grundkompetenzen und Arbeitsmarktsituation in beiden Ländern

Von:
Stöger, Eduard; Statistik Austria, Österreich
Peterbauer, Jakob; Statistik Austria, Österreich

Session: Papersession P2/3
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 16:00 - 17:00
Ort: Museum Arbeitswelt - Kleiner Saal
Typ: Paper
Stichworte: Lehrlingsausbildung, Grundkompetenzen, PIAAC, Arbeitsmarkt, Lesekompetenz

Forschungsgegenstand

Die OECD untersucht mit dem „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“ (PIAAC) in mehr als 30 Ländern Schlüsselkompetenzen der erwachsenen Bevölkerung (16- bis 65-jährige Personen). Bei diesen Kompetenzen handelt es sich um jene Fähigkeiten (Lesen, Alltagsmathematik, Problemlösen im Kontext neuer Technologien), welche einerseits für eine Teilhabe an der Gesellschaft im 21. Jahrhundert notwendig sind als auch die Grundlage für den Erwerb weiterer berufsspezifischer bzw. berufsübergreifender Kompetenzen darstellen (vgl. OECD, 2016)

Rezente Analysen der PIAAC-Daten weisen auf die besondere Relevanz des formalen Ausbildungssystems für den Aufbau der Grundkompetenzen hin (vgl. Statistik Austria, 2013; Stöger & Peterbauer, 2014). Der Zusammenhang zwischen formaler Ausbildung und den PIAAC-Schlüsselkompetenzen wurde bei internationalen Vergleichsstudien zum überwiegenden Teil anhand zentraler ISCED-Abschlusskategorien analysiert und nicht im Hinblick auf einzelne Ausbildungsformen. Der vorliegende Beitrag versucht diese Forschungslücke zu schließen und legt den Fokus auf eine spezielle Ausbildungsform: die Lehrlingsausbildung.

Bei aller Ähnlichkeit dieser Ausbildungsform in beiden Ländern gibt es aber auch nationale Unterschiede (vgl. hierzu: IBW, 2016; Statisches Bundesamt, 2013). Als relevanteste - weil für die Forschungsfragen bedeutsame - Unterschiede sei hier auf das Einstiegsalter und die Einstiegsqualifikation in den beiden Ländern verwiesen:

1) Das Durchschnittsalter der Lehrlinge in Österreich betrug laut Dornmayr & Nowak (2017) im 1. Lehrjahr 2016 rund 17 Jahre, während in Deutschland 2015 das Durchschnittsalter der Auszubildenden bei rund 20 Jahren lag.

2) Lediglich 2,2% der NeueinsteigerInnen an den österreichischen Berufsschulen verfügten (Sonderauswertung der Statistik Austria im Auftrag des ibw) im Schuljahr 2014/15 über eine Matura. Dieser Anteil liegt in Deutschland wesentlich höher, nämlich bei 27,7 % (BIBB, 2017).

In Österreich wird besonders die Lehrlingsausbildung immer wieder als positives Beispiel für eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit (vgl. Lassnigg, 2012), einer kurzen Arbeitsplatzsuche nach dem Bildungsabschluss (vgl. Wanek-Zajic & Klapfer, 2015) und dem Erlernen hoher Fachkompetenz (Erfolge bei internationalen Berufsmeisterschaften: vgl. hierzu: Henseler, 2014) genannt.

Andererseits weisen neueste Studien (vgl. Horvath & Mahringer, 2014; Bock-Schappelwein & Huemer, 2017) auf die Relevanz ausreichender Grundkompetenzen hin, welche im Zeitalter einer zunehmenden Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft bzw. digitalisierten Arbeitswelt für die Beschäftigungsfähigkeit (Stichwort „employability“) immer wichtiger werden. Die Chancen bzw. Risiken für AbsolventInnen von Ausbildungsgängen mit einem stark fachlich-berufsorientierten Fokus werden von der Bildungsforschung (vgl. Hampf & Woessmann, 2016; Van der Velden, Buisman, & Levels, 2017) vermehrt mit der Bezeichnung „Trade-off“ charakterisiert und von Hanushek et al. (2017, S. 49) folgendermaßen zusammengefasst:

“(…) tradeoff between short-term and long-term costs and benefits for both individuals and the entire society: The skills generated by vocational education may facilitate the transition into the labor market but may become obsolete at a faster rate.”

Forschungsfragen

In Anbetracht der gestiegenen Bedeutung von Grundkompetenzen für eine langfristig stabile Erwerbskarriere geht dieser Beitrag folgenden Forschungsfragen nach:

1. Welche soziodemographischen und arbeitsplatzbezogenen Unterschiede lassen sich zwischen Personen mit einem Lehrabschluss in Deutschland und Österreich feststellen (deskriptive Analyse)?

2. Welche Kompetenzverteilung weisen die Personen mit einem Lehrabschluss in Österreich bzw. in Deutschland auf und unterscheiden sich die jeweiligen Anteile signifikant voneinander (bivariate Analyse)?

3. Wie gestaltet sich die Arbeitsmarktsituation von den Personen mit einem Lehrabschluss in Österreich und Deutschland, und welche Rolle spielen die Schlüsselkompetenzen (bivariate und multivariate Analyse)?

Erwartete Ergebnisse

In einer vertiefenden Analyse der österreichischen Ausbildungsformen auf der mittleren Berufsbildungsebene (BMS und Lehrlingsausbildung) konnte nachgewiesen werden (vgl. Stöger et al., 2017), dass der Kompetenzstand und die Weiterbildungsteilnahmequoten von Personen mit einem Lehrabschluss vergleichsweise gering ausgeprägt sind, was sich auch in einem vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeitsrisiko bzw. einer nachteiligen Erwerbsintegration niederschlägt. In Anbetracht des niedrigeren Einstiegsalters bzw. der niedrigeren Einstiegsqualifikation von Personen mit einem Lehrabschluss in Österreich erwarten wir für diese Personengruppe einen geringeren Kompetenzstand als die entsprechende Vergleichsgruppe in Deutschland.



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