Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Wirtschaft und ich? Eine qualitative Studie zu Schüler/innen/vorstellungen von Wirtschaft und Wirtschaftsunterricht

Von:
Szoncsitz, Julia; Wirtschaftsuniversität Wien, Österreich

Session: Papersession P3b/5
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 12:00 - 13:00
Ort: Museum Arbeitswelt - Mittlerer Saal
Typ: Paper
Stichworte: Ökonomische Bildung, Wirtschaft, Wirtschaftsunterricht, Vorstellungen, Schüler/innen/sicht

Trotz allen Fortschritts in der Entwicklung von Konzepten ökonomischer Bildung werden viele davon dafür kritisiert, dass sie das reale wirtschaftliche Leben der Lernenden und ihre ökonomische Sozialisation nicht in ausreichendem Maße berücksichtigen. Zwar sind es üblicherweise Expert/inn/en des jeweiligen Fachgebietes, die über Fragen der Zielsetzung, Inhalts- oder Methodenwahl diskutieren, doch könnte sich unter Berücksichtigung vorliegender Kritik eine bedeutsame Chance in der Beteiligung der Lernenden bieten. Die Vorstellungen von Lernenden sind von lerntheoretischer und fachdidaktischer Relevanz, denn bereits Ausubel et al. (1980, S. 5) betonten, dass der wichtigste Faktor, der das Lernen beeinflusst, das ist, was Lernende bereits wissen.

Die Untersuchung von Vorstellungen hat daher bereits eine lange Tradition (vgl. Duit 1995, S. 906f). Bislang vorliegende Ergebnisse sind jedoch vorwiegend auf die Forschung der naturwissenschaftlichen Fachdidaktiken zurückzuführen (vgl. Duit 2009). Obgleich Untersuchungen zu Vorstellungen von Schüler/inne/n in den sozialwissenschaftlichen Didaktiken in weitaus geringerem Umfang vorliegen (vgl. Aprea 2013, S. 100; Kirchner 2015, S. 63), gibt es auch innerhalb der ökonomischen Bildung Untersuchungen dazu. Was vorliegende Untersuchungen im Wesentlichen eint, ist, dass Vorstellungen zu ausgewählten, meist komplexen ökonomischen Phänomenen untersucht wurden.

Nach Aprea (2013, S. 101) ist zu vermuten, dass die Vorstellungsforschung einen Beitrag dazu leisten kann, auf welches Verständnis bzw. welche Verständnisprobleme die Ergebnisse niedriger Performanz der Bevölkerung bei Leistungstests ökonomischer Allgemeinbildung zurückzuführen sind. Betrachtet man bisherige Ergebnisse zu Wirtschaftswissen (vgl. z. B. Greimel-Fuhrmann 2013; Greimel-Fuhrmann et al. 2014; Greimel-Fuhrmann et al. 2016) ist jedoch zu erkennen, dass bereits in vielen grundlegenden Bereichen nur mangelhaftes Wissen vorhanden ist. Sind es aber schon die grundlegenden Bereiche, die Schwierigkeiten bereiten, sollten es dann nicht auch die grundlegenden Vorstellungen sein, die es näher zu erkunden gilt? Ziel der Untersuchung war es daher, diese Forschungslücke zu adressieren. Das Erkenntnisinteresse wurde in den folgenden Fragen ausdifferenziert:

1. Welche grundlegenden Vorstellungen von Wirtschaft äußern Schüler/innen?

2. Wie wird der gegenwärtige Ist-Zustand des Wirtschaftsunterrichts von Schüler/innen wahrgenommen?

3. Wie wäre der anzustrebende Soll-Zustand des Wirtschaftsunterrichts aus der Schüler/innen/perspektive auszugestalten?

Um mehr über die Sicht der heranwachsenden Generation zu erfahren, wurde eine explorativ ausgerichtete, qualitative Untersuchung am Bespiel der gymnasialen Oberstufe durchgeführt. Die Vorstellungen, Wahrnehmungen sowie Erwartungen der Schüler/innen wurden über problemzentrierte Interviews (n = 12) erhoben und mittels Feinstruktur- und Themenanalyse (vgl. Lueger 2010) ausgewertet. Die Ergebnisse geben einen ersten Einblick in die subjektiven Vorstellungen der Lernenden und zeigen, dass die zentrale Herausforderung darin besteht, ökonomische Inhalte für Schüler/innen anschlussfähiger auszugestalten und konkreter werden zu lassen.

Literatur

Aprea, C. (2013): Alltagsvorstellungen von Jugendlichen zu komplexen ökonomischen Phänomenen. Eine explorative Untersuchung am Beispiel der Wirtschafts- und Finanzkrise. In: Thomas Retzmann (Hg.): Ökonomische Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II. Konzepte, Analysen und empirische Befunde. Schwalbach/Ts.: Wochenschau, S. 100–112.

Ausubel, D. P.; Novak, J. D.; Hanesian, H. (1980): Psychologie des Unterrichts. 2. deutsche Auflage: Weinheim und Basel: Beltz Verlag (1).

Duit, R. (1995): Zur Rolle der konstruktivistischen Sichtweise in der naturwissenschaftsdidaktischen Lehr-und Lernforschung. In: Zeitschrift für Pädagogik 41 (6), S. 905–923.

Duit, R. (2009): Bibliography-STCSE: Students’ and teachers’ conceptions and Science Education. Online verfügbar unter http://www.if.ufrj.br/~marta/aprendizagememfisica/fv09.pdf, zuletzt geprüft am 01.02.2018.

Greimel-Fuhrmann, B. (2013): "Don't Know Much about Economics and Business." Economic und Financial Literacy als wesentliche, jedoch vernachlässigte Bildungsziele. In: WissenPlus 32 (4), S. I–VIII.

Greimel-Fuhrmann, B.; Bonomo, A.; Rosner, E. (2014): Was Schüler/innen berufsbildender Schulen über Wirtschaft wissen. In: WissenPlus 33 (3), S. V–VIII.

Greimel-Fuhrmann, B.; Kronberger, R.; Rumpold, H. (2016): Befunde und Desiderata zur Wirtschaftsbildung österreichischer Mittelschüler/innen. In: Wirtschaftspolitische Blätter 63 (1), S. 249–263.

Kirchner, V. (2015): Wirtschaftsunterricht aus der Sicht von Lehrpersonen. Dissertation.

Lueger, M. (2010): Interpretative Sozialforschung. Die Methoden. Wien: Facultas.



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