Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Inklusion und Schulentwicklung – Strategien und Maßnahmen beruflicher Schulen zur Entwicklung einer inklusiven pädagogischen Praxis

Von:
Wagner-Herrbach, Cornelia; Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland
Rückmann, Jana; Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

Session: Papersession P2/4
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 16:00 - 17:00
Ort: Fachhochschule - Seminarraum Bene im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: berufliche Bildung, Inklusion, qualifative Forschung, pädagogische Praxis, Schulentwicklung

Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vom 13. Dezember 2006 (VN-Behindertenrechtskonvention – VN-BRK) ist durch die Ratifizierung der Bundesrepublik Deutschland seit dem 26. März 2009 verbindlich. In der Folge „[…] haben Kinder und Jugendliche mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf einen Rechtsanspruch darauf, gemeinsam mit Kindern ohne Förderbedarf unterrichtet zu werden.“ (Bertelsmann Stiftung 2010, 8). Mit dem Inkrafttreten der VN-BRK findet das Thema der schulischen Inklusion besondere Berücksichtigung: So sind alle deutschen Bundesländer dazu verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem zu schaffen und Inklusion flächendeckend umzusetzen, sowohl im allgemeinbildenden als auch im berufsbildenden Bereich (vgl. Bertelsmann Stiftung 2014, 6).

Für die beruflichen Schulen und Oberstufenzentren stellen sich Aufgaben einer inklusiven pädagogischen Praxis in besonderem Maße, nicht nur aufgrund der Vielzahl der unter dem Dach einer Schule oftmals angebotenen Bildungsgänge sowie der Unterschiedlichkeit in den Zugangsvoraussetzungen und Bildungsbiografien ihrer Lernenden. Sie haben darüber hinaus unterschiedliche Anforderungen der individuellen Förderung jedes einzelnen Lernenden einerseits sowie der mit der Erreichung von Ausbildungs- und Berufsreife einhergehenden zu vermittelnden beruflichen Standards andererseits zu balancieren. Im Bundesland Berlin hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) im Jahr 2013 das Pilotprojekt „Inklusion an Berliner beruflichen Schulen“ beschlossen, welches eine vierjährige Qualifizierungsmaßnahme für Lehrkräfte an 13 Berliner beruflichen Schulen und Oberstufenzentren umfasst. Das Qualifizierungskonzept richtet sich an zwei bis drei Lehrkräfte dieser Schulen, die zu Inklusionskoordinator*innen fortgebildet werden.

Im Rahmen des eingereichten Beitrags sollen die folgenden Fragestellungen untersucht werden:

(1) Welche Gelingensbedingungen für die Umsetzung einer inklusiven pädagogischen Praxis lassen sich an beruflichen Schulen identifizieren?

(2) Inwieweit erfolgt eine Verknüpfung auf der strategischen und operativen Ebene zwischen den Aufgabenfeldern Schulentwicklung und Inklusion?

(3) Welche subjektiven Überzeugungen und Motivation der mit dem Aufgabenschwerpunkt Inklusion an beruflichen Schulen betrauten Akteure lassen sich identifizieren? Wie wirken sich diese auf die Entwicklung der inklusiven pädagogischen Praxis am Standort aus.

In diesem Rahmen wurden insgesamt fünf leitfadengestützte Gruppeninterviews durchgeführt, die die einzelschulischen Akteure (Inklusionskoordinator*innen, Leitungspersonal, Qualitätsbeauftragte, Sozialarbeiter*innen) und deren institutionelles Handeln im Rahmen schulischer Inklusion in den Mittelpunkt stellen. Kontext der Studie ist das Pilotprojekt "Inklusion an Berliner beruflichen Schulen", in dessen Rahmen die vierjährige Qualifizierungsmaßnahme zur Fortbildung von Inklusionskoordinator*innen mit Lehrkräften aus 13 Berliner beruflichen Schulen und Oberstufenzentren durchgeführt wird. Die Fragestellungen der Forschung richten sich u. a. auf Rückmeldungen zur Qualifizierungsmaßnahme, Reflexionen zu Schulentwicklungsprozessen im Kontext von Inklusion sowie wahrgenommenen Unterstützungsbedarfe seitens der schulischen Akteure. Im Rahmen der beiden Teilstudien wurden zum einen Gruppendiskussionen mit Teilnehmenden der Qualifizierungsmaßnahme geführt (N=12) und zum anderen Gruppendiskussionen an einer beruflichen Schule mit sonderpädagogischer Aufgabe sowie einem Oberstufenzentrum (OSZ).

Zum Einreichungszeitpunkt liegen erste ausgewertete Befunde vor. Die Schulen beschreiben Inklusion als aktuelles gesellschaftliches und bildungspolitisches Thema, welches als Herausforderung auf das Schulsystem zukommt. Auch sehen sie sich verstärkt mit einer Klientele von Lernenden konfrontiert, für deren Lernprozesse eine stärker individuell-situative Beratung, Betreuung und Unterstützung erforderlich sei. Zentraler Leitgedanke ist der Ausgleich von Benachteiligungen. Aktuell arbeiten Sie insbesondere in den Bereichen Bedarfsanalyse und Sensibilisierung, punktuell werden Maßnahmen umgesetzt. Die Vernetzung mit der Schulentwicklung wird angestrebt. Vor allem wünschen sich die Befragten mehr Ressourcen (Zeit) und stabile Strukturen, um die vielen Ideen und Projekte, die an den Schulen angelaufen sind, zu erproben, zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Sie erwarten, dass in diesen Prozessen immer wieder Qualifizierungsbedarfe sichtbar werden, insbesondere in der Reaktion auf aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen (z. B. Sprachbildung). Weiterhin wünschen sich die Befragten die Verstetigung schulübergreifender Netzwerke und Kooperationen.



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