Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Poster

Qualitätsindikatoren beruflicher Erstausbildung für Menschen mit Fluchterfahrung – Das EU-Forschungsprojekt GoodVET

Von:
Hautz, Hannes; Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Österreich
Rabl, Simone; Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Österreich

Session: Postersession
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 13:00 - 14:00
Typ: Poster
Stichworte: Integration, Menschen mit Fluchterfahrung, Qualität, Qualitätsindikatoren, berufliche Erstausbildung

Die Berufsbildung spielt in der sozialen Eingliederung von Menschen mit Fluchterfahrung eine bedeutende Rolle, denn das Erlernen und die Ausübung eines Berufes erleichtern die Integration eines Individuums in ein soziales Geflecht (vgl. Euler & Severing 2017). Auf der operationalen Ebene der Praxisakteur*innen beruflicher Bildung existiert in einzelnen EU Ländern bereits eine Vielzahl von Integrationsmaßnahmen (vgl. European Commission 2015). Trotz der ähnlichen Herausforderungen und Umsetzungsprobleme agieren die Praxisakteur*innen häufig unabhängig voneinander. Ihnen fehlen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch mit anderen sowie Handlungsempfehlungen und ‚Good-Practice‘ Beispiele für den Umgang mit den Besonderheiten der Integration von Geflüchteten (vgl. ebd.). An dieser Stelle setzt das wirtschaftspädagogische Forschungsprojekt GoodVET – Indicators of Good VET practice for refugees – an.

Das durch das EU-Förderprogramm ‚Erasmus+‘ geförderte Projekt GoodVET (Laufzeit: 11/2017 – 10/2019) zielt darauf ab, Praxisakteur*innen im Umgang mit den Herausforderungen in der Integration von Geflüchteten durch Berufsbildung zu unterstützen und dadurch den Zugang zu und die Qualität von beruflichen Erstausbildungsaktivitäten für Menschen mit Fluchterfahrung zu verbessern. Zur Erreichung dieser Zielsetzung wird im Rahmen des Projektes eine anwendungsbezogene Handlungsempfehlung generiert, die Qualitätsindikatoren und ‚Good-Practice‘ Beispiele zur Konzeption und Gestaltung von Integrationsmaßnahmen der Berufsbildung aufzeigt. Die zu entwickelnden Indikatoren basieren auf einem weiten Verständnis von Qualität, um die Vielfalt der Maßnahmeneigenschaften zu berücksichtigen (vgl. Dubs 2003). Die Qualitätsindikatoren gehen über gängige Kriterien wie Vermittlungsrate in Beschäftigung oder Abbruchrate (vgl. z.B. Geigner et al. 2013; Jonach & Gramlinger 2015) hinaus. Sie beinhalten zusätzlich Faktoren wie etwa angemessene Lernorganisation, Akzeptanz, Zufriedenheit, Lernerfolg, kulturelles Verständnis von Ausbildungsberufen, Sprachvermittlung im Berufskontext. Die Indikatoren basieren auf bewährten Qualitätsmodellen der beruflichen Bildung und versuchen die spezifischen Anforderungen der Integration von Geflüchteten durch Berufsbildung einzubinden.

An GoodVET beteiligen sich Forschungsteams aus vier EU-Ländern (Österreich, Deutschland, Italien und Dänemark), die insgesamt 120 Berufsbildungsmaßnahmen zur Integration von Geflüchteten analysieren und daraus Qualitätsindikatoren ableiten sowie ‚Good-Practice‘ Beispiele ermitteln. Die Untersuchung zeichnet sich durch ein exploratives Vorgehen aus. Neben der Analyse veröffentlichter Dokumente von beruflichen Erstausbildungseinrichtungen (z.B. Curricula, Handreichungen, Websites) werden leitfadengestützte qualitative Interviews mit Praxisakteur*innen beruflicher Bildung geführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Eine kritische Überprüfung der Ergebnisse erfolgt schließlich gemeinsam mit Vertreter*innen der Praxisakteur*innen (in Österreich z.B. mit dem Ausbilderforum Tirol). Damit können auf der Praxisebene gewonnene Erfahrungen aus verschiedenen EU-Ländern für das Projekt genutzt werden sowie eine anwendungsbezogene und zielgruppenspezifische Gestaltung der Handreichung ermöglicht werden.

Die Zielgruppe dieses Projektes sind vor allem Praxisakteur*innen beruflicher Erstausbildungseinrichtungen. Anhand der Projektergebnisse wird es ihnen ermöglicht, professionell auf die spezifischen Anforderungen von Menschen mit Fluchterfahrung zu reagieren sowie diese bereits in der Planung bzw. Neukonzeption von Ausbildungsaktivitäten zu antizipieren. Dadurch kann die Qualität von Integrationsmaßnahmen durch berufliche Bildung gesteigert werden. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Teilnahme Geflüchteter an beruflicher Erstausbildung aus, sondern erhöht auch die Chance einer langfristigen und nachhaltigen Eingliederung der Menschen mit Fluchterfahrung in den Arbeitsmarkt und somit in die aufnehmende Gesellschaft.

Literatur:

Dubs, R. (2003): Qualitätsmanagement für Schulen. Studien und Berichte des IWP. Band 13. St. Gallen: Universität St. Gallen.

Euler, D. & Severing, E. (2017): Berufsausbildung in einer Einwanderungsgesellschaft. Praxis gestalten: Umsetzungsstrategien für die Berufsausbildung in einer Einwanderungsgesellschaft. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

European Commission (2015): Schools, VET and Adult education helping newly-arrived refugees in Europe. Challenges, ideas and inspiring practices. Brussels: European Commission.

Geigner, J. & Bär, O. & Uhlmann, M. & Kleeberg, K. (2013): Instrumentendatenbank zur Verbesserung der Qualität in der Berufsbildung. In: Berufsbildung – Zeitschrift für Theorie-Praxis-Dialog. S. 25-27.

Jonach, M. & Gramlinger, F. (2015): Qualitätssicherung und –entwicklung in der Beruflichen Bildung. In: Bohlinger, S. & Fischer, A. (Hrsg.): Lehrbuch europäische Berufsbildungspolitik. Grundlagen, Herausforderungen und Perspektiven. Bielefeld: wbv, S. 297-312.



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