Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Poster

Sprachsensibler Fachunterricht mit digitalen Medien – Erfahrungen aus dem Projekt eVideoTransfer

Von:
Schulz, Björn; ARBEIT UND LEBEN - DGB/VHS Berlin-Brandenburg, Deutschland

Session: Postersession
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 13:00 - 14:00
Typ: Poster
Stichworte: e-learning, blended-learning, duale ausbildung, berufsschule, fachsprache

Lernen geschieht sprachlich vermittelt und reflektiert. Sprachliches und fachliches Lernen sowie Lernprozesse zu kommunizieren, sind untrennbar miteinander verbunden. Die berufliche Bildung mit ihrem ausgeprägten Fachvokabular und komplexen Texten steht hier vor großen Herausforderungen. Die Lehrkräfte benötigen Materialien, die eine Verzahnung von Sprache und Fachunterricht ermöglichen. Das Poster stellt dafür ein Lernangebot auf Basis digitaler Medien vor.

Seit 2012 entwickelt der Verein ARBEIT UND LEBEN DGB/VHS Berlin-Brandenburg unter dem Titel eVideo und gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ein Web Based Training (WBT) für die arbeitsplatzbezogene Verbesserung von Sprach- und anderen Basiskompetenzen. Hintergrund der Förderung ist die Tatsache, dass nach der leo. Level-One Studie der Universität Hamburg (2011) ca. 7,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Fast 20 Prozent der 18- bis 19-Jährigen sind sogenannte „funktionale Analphabeten“. Für Österreich liegen dahingehend zwar keine Daten vor, jedoch zeigt die OECD-Studie PIAAC, dass ca. 970.000 Erwachsene in Österreich eine „sehr geringe Lesekompetenz“ haben (1). Im Zuge der Projektarbeit wurde von Unternehmen, aber auch Lehrkräften, die Zielgruppe der Auszubildenden in den Fokus gerückt. Dies gilt insbesondere für Berufsbilder mit in der Regel niedrigen formalen Einstiegsvoraussetzungen wie zum Beispiel Gebäudereinigung oder Fachlagerist. Die Ausgangskompetenzen der Auszubildenden sind häufig entsprechend niedrig. Ohne eine stärkere Verzahnung von Fach- und Sprachunterricht in der Berufsbildung werden viele der heute in Ausbildung befindlichen Jugendlichen große Schwierigkeiten haben, die geforderten Berufsqualifikationen zu erlangen.

Das WBT eVideo bietet einen niedrigschwelligen und motivierenden Einstieg in das arbeitsplatzbezogene Lernen für Menschen mit niedrigen Grundkompetenzen und wenig positiver Lernerfahrung. Die Lerninhalte des WBT wurden u.a. gemeinsam mit Unternehmen und Lehrenden an Berufsschulen erarbeitet. Arbeitsprozesse und Ausbildungsgegenstände wurden auf ihre schriftsprachlichen Aspekte hin untersucht, ausgewählt und für das digitale Lernformat aufbereitet. Video- und Dialogsequenzen mit virtuellen Kolleginnen und Kollegen führen die einzelnen Übungen zu spezifischen Grundkompetenzen ein, die ihrerseits in arbeitsbezogene Handlungen, Kommunikationssituationen und Textsorten eingebettet sind. An verschiedenen Stellen ermöglicht das WBT einen interaktiven, selbstgesteuerten und individualisierbaren Lernprozess im eigenen Lerntempo. Das WBT nutzt außerdem gezielt Elemente aus dem Game Based Learning, um eine positive Identifikation mit dem Spielgeschehen zu erreichen und die Motivation der Lernenden zu erhalten. Jedem eVideo liegt u.a. ein handlungsleitendes Rätsel mit Bezug zur Arbeitswelt zugrunde, das von den Lernenden gelöst werden muss. Nicht zuletzt soll das Angebot auch auf mobilen Endgeräten vollständig nutzbar gemacht werden und damit an die Mediennutzung junger Menschen andocken.

Im Rahmen der Postersession werden anhand der Projekterfahrungen folgende Fragen beleuchtet:

Welche Herausforderungen gibt es bei der fachbezogenen Vermittlung von Schriftsprache und Leseverstehen?

Das Poster beschreibt Rückmeldungen an das Projekt aus der Berufsschulpraxis. Dabei wird auf das Anforderungsniveau der beruflichen Fachsprache im Vergleich zum klassischen Grundbildungslernen eingegangen.

Wie muss ein digitales Lernangebot konzipiert sein, um den Herausforderungen und Anforderungen des sprachsensiblen Fachunterrichts gerecht werden? Wie lässt es sich didaktisch-methodisch sinnvoll in Lehr-/Lernsituationen einbinden?

Bei der Konzeption berufsbezogener digitaler Lernangebote ist die Komplexität der Arbeitswelt zu reduzieren, ohne dabei zu stark zu vereinfachen. Der Ansatz E-Learning entfaltet seine Stärke in der Kombination mit Präsenzlernen.

Wie ändern sich die Anforderungen an Berufsschullehrkräfte?

Der Einsatz digitaler Medien verlangt auch auf Seiten der Berufsschullehrkräfte eine umfassende Medienkompetenz. Der Lernort Berufsschule trägt sowohl durch seine Ausstattung, als auch durch die Lehre dazu bei, dass die jungen Fachkräfte am Ende ihrer Ausbildung den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gewachsen sind.(2)

Welche Anwendungserfahrungen gibt es?

Es werden Anwendungsbeispiele aus Berliner Berufsschulen, anderen Einrichtungen der beruflichen Bildung und Betrieben sowie bezogen auf verschiedene Zielgruppen der Ausbildung präsentiert.

(1) vgl. Bösch/Jellasitz/Schweighofer 2014, Die OECD-PIAAC-Ergebnisse: Ein unerhörter Weckruf für Österreich! In: Wirtschaft und Gesellschaft, Jg. 40, H. 1, S. 83-120

(2) vgl. DIHK Ausbildungsumfrage 2017



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