Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Poster

Entwicklung einer europäischen Referenzqualifikation für Meister/innen am Beispiel der Veranstaltungstechnik

Von:
Seyer-Weiss, Silvia; ibw-Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft, Österreich

Session: Postersession
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 13:00 - 14:00
Typ: Poster
Stichworte: ECVET, EQF, höhere Berufsbildung, kompetenzorientiert, Meisterqualifikation

Seit geraumer Zeit ist es Ziel der Europäischen Union, die Transparenz von Ausbildungen zwischen ihren Mitgliedsländern zu erhöhen. Die Umsetzung wird durch verschiedene Instrumente, wie z. B. den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), das European Credit Transfer System (ECTS) und das Europäische Leistungspunktesystem für die Berufsbildung (ECVET), unterstützt. Letzteres ist in Europa noch nicht umfassend etabliert, sodass eine Anrechnung von (nicht-hochschulischen) beruflichen Ausbildungen zumeist noch bilateral stattfindet.

Eine der höchsten nicht-hochschulischen, beruflichen Ausbildungen im EQF ist die Meisterqualifikation. In Deutschland ist sie auf Level sechs eingestuft und damit dem Bachelor der Hochschulbildung gleichwertig. Auch in Österreich wird diskutiert, die Meisterqualifikation dieser Stufe zuzuordnen.

Im Projekt „ECVAET 3 – Die europäische Meisterausbildung in der Veranstaltungstechnik“ wurde der Versuch unternommen, eine höhere berufliche Ausbildung im Kontext von ECVET abzubilden. Dazu wurde eine „Europäische Meisterqualifikation“ als „Referenzqualifikation“ entwickelt, auf die sich entsprechende nationale Ausbildungen beziehen können. Sie kann auch als eigenständige Qualifikation vermittelt werden.

Für die kompetenzorientierte Beschreibung dieser Referenzqualifikation wurde der Ansatz des „Vocational Qualification Transfer System–VQTS“ – Modells gewählt. Dieses zielt auf die Darstellung von Qualifikationen in Form von Lernergebnissen und der Möglichkeit zur Unterteilung in Ausbildungsschritte ab.

Die Erhebungsphase bedurfte jedoch eines eigenen Forschungsdesigns: Um die gemeinsamen Kompetenzen zu erarbeiten, wurden relevante Ausbildungen aller Partnerländer recherchiert, Kompetenzen und Ausbildungsfelder extrahiert sowie ihre Bedeutung mittels qualitativer Experteninterviews eingestuft. Um die Relevanz der in den qualitativen Interviews erhobenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen für den Berufsbereich zu vertiefen, wurde in einem zweiten Schritt aus den Interviewergebnissen eine Online-Befragung erstellt. Diese basierte auf einem geschlossenen Fragebogen, der an ein Fachpublikum in deutschsprachigen Ländern versendet wurde. Für die Überleitung der qualitativen Ergebnisse zu quantifizierbaren Fragestellungen empfahl sich die „Grounded Theory Methodology - GMT“ mit einer Codierung der Ergebnisse der qualitativen Interviews.

Um die Praxisnähe der Qualifikation abzubilden, wurden die auf diese Weise erarbeiteten Kompetenzen in Kompetenzbereiche, die praktische Tätigkeitsfelder umfassen, aufgeteilt.

Methodisch zeigte sich, dass sich das Erhebungsdesign sehr gut für die Auslotung von gemeinsamen, länderübergreifenden Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen eignet. Diese konnten – unter Anleitung von Fachexperten/Fachexpertinnen – in die VQTS-Matrix eingepflegt werden.

In Bezug auf die Inhalte der entwickelten „Europäische Meisterqualifikation“ wurde deutlich, dass bei dieser Qualifikation handwerkliche Fähigkeiten zugunsten allgemeiner Managementkompetenzen zurücktreten. Darüber hinaus bedarf es eines hohen Ausmaßes an beruflicher Erfahrung, aber auch allgemeiner, persönlicher Kompetenzen, wie z. B. Führungsstärke und Durchsetzungskraft. Somit laufen bei dieser Qualifikation berufliche und allgemeinbildende Kompetenzen ineinander und ergänzen sich gegenseitig.

Diese „Europäische Meisterqualifikation“ kann als Benchmark für Anforderungen an Leitungspersonen in der Veranstaltungstechnik dienen sowie die Mobilität von Meistern und Meisterinnen unterstützen. Das entwickelte Erhebungsdesign lässt sich auch auf andere Berufsfelder und Bildungslevel im europäischen Kontext anwenden.

Das Poster wird sowohl das Erhebungsdesign sowie die erstellten Produkte veranschaulichen.

Quellen:

Tritscher-Archan, S. et al. (2014): Berufsbildung in Europa. Länderbericht Österreich, Bericht im Rahmen von ReferNet Austria, im Auftrag von Cedefop. Wien

Mey, G./Mruck, K. (Hrsg.) (2011): Grounded Theory Reader. Wiesbaden

Tritscher-Archan, S. (2008): NQR in der Praxis. Am Beispiel des Baubereichs. ibw-Schriftenreihe Nr. 141. Wien

Luomi-Messerer, K./Tritscher-Archan, S. (2012): ECVET - Let's go Europe. Leitfaden zur Anwendung von ECVET im Rahmen von Mobilitäten in der beruflichen Bildung. Herausgegeben vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Wien

Luomi-Meserer, K./Markowitsch, J. (2006): VQTS-model. A proposal for a structured description of work-related competences and their acquisiton. Wien.

www.ecvaet.eu

www.ecvaet2.eu

www.ecvaet3.eu



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