BBFK 2021

WIE wollen
wir ARBEITEN?

Berufliches Lernen 
zwischen Tradition
und Transformation

7. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 8.-9.7.2021, Klagenfurt

Poster

Kompetenzerhalt für Nicht-Routine-Tätigkeiten in digitalen Arbeitsumgebungen (KONDITION) Studien anhand der Berufe Chemikant/in und Pharmakant/in

Von:
Conein, Stephanie; Bundesinstitut für Berufsbildung, Deutschland
Felkl, Thomas; Bundesinstitut für Berufsbildung, Deutschland

Session: Postersession
Zeit:
Typ: Poster
Stichworte: Digitalisierung, Automatisierung, chemische Industrie, Kompetenzerhalt, Nicht-Routine

Problemaufriss und Forschungsfrage

Industrie 4.0 als Zusammenführung der industriellen Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik verändert Produktion und verändert die Rolle des Menschen im Produktionsprozess. Diese Rolle wird zunehmend darin gesehen, im Regelfall einen Produktionsplan vorzugeben und dessen Umsetzung in den (weitgehend selbstgesteuerten) Produktionsprozessen zu überwachen. Dies führt dazu, dass die betreffenden Mitarbeiter/innen (Operatoren) Tätigkeiten ausüben, für die eine deutlich geringere Qualifikation und weniger Kompetenzen benötigt werden, als sie durch ihre Ausbildung in der Regel erlangt haben. Ganz anders hingegen in den sogenannten Nicht-Routine-Situationen (Störungen, Neueinrichtungen), die auch in einem hochautomatisierten Produktionssystem immer wieder auftreten. In diesen Situationen müssen die Operatoren ad hoc eine Fülle an Wissen und Können mobilisieren, um schnell und kompetent Entscheidungen zu treffen und Handlungsschritte einzuleiten. Die Problematik liegt nun darin, dass eben dieses im Nicht-Routine-Fall benötigte Wissen und Können durch die automatisierten Prozesse immer wieder für mehr oder weniger lange Perioden nicht benötigt wird und darum, wie alles Wissen und Können der Gefahr ausgesetzt ist, vergessen zu werden, bzw. nicht mehr (schnell genug) aktiviert werden zu können.

Diese Problematik eines automatisierungsbedingten Kompetenzverlustes ist schon früh für Operatoren in den Bereichen Luftfahrt, Militär, Polizei und kritische Infrastruktur (z.B. Kernkraftwerke) im englischsprachigen Raum unter dem Begriff „Skill-decay“ beschrieben worden.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und Vernetzung und dem zunehmend stattfindenden Übergang zu Echtzeitsystemen wird diese Problematik auch in der Produktion immer mehr wahrgenommen, entsprechende auf die Thematik fokussierte Untersuchungen gibt es jedoch bisher noch nicht. Diese Lücke möchte das vorliegende Forschungsvorhaben schließen und für die beiden Berufe Chemikant/in und Pharmakant/in zunächst umfassend qualitativ und quantitativ beschreiben, an welchen Arbeitsplätzen, bei welchen Arbeitsaufgaben und bezogen auf welche Kompetenzen „Skill-Decay“ auftritt. Im Anschluss sollen dann auf Grundlage bestehender Maßnahmen Lösungsmöglichkeiten identifiziert und einer ersten Praxistestung unterzogen werden.

Die forschungsleitenden Fragestellungen sind:

1. In welcher Weise (qualitativ und quantitativ) ist die Problematik des automatisierungsbedingten Kompetenzverlustes bei den beruflichen Tätigkeiten und Arbeitsaufgaben von Chemikant/innen und Pharmakant/innen anzutreffen und welche Folgen lassen sich erkennen?

2. Welche Maßnahmen eignen sich an den Arbeitsplätzen der beiden Berufe zur Verhinderung des automatisierungsbedingten Kompetenzverlustes bei den als problematisch identifizierten Arbeitsaufgaben?

3. Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Ergebnissen des Projektes für die Aus- und Fortbildung in den betreffenden Berufen?

Methodik

Das Projekt ist methodisch in vier Schritte unterteilt. Der erste Schritt beinhaltet eine qualitative Beschreibung der Problematik. Das Ziel dieses qualitativen Schrittes ist es, eine umfassende Deskription möglicher Arbeitssituationen, Arbeitsaufgaben und –tätigkeiten, der relevanten Kompetenzen, welche von der Problematik des automatisierungsbedingten Kompetenzverlustes betroffen sind und der Folgen dieser Problematik zu verfassen. Erhebungsmethoden dieser ersten Phase sind Arbeitsprozessstudien, bestehend aus Arbeitsbeobachtung und handlungsorientierten Fachinterviews.

Im zweiten Schritt wird mit einer Online-Befragung von Fachkräften beider Berufe die zunächst qualitativ beschriebene Problematik quantifiziert.

Der dritte Schritt des Projektes im Rahmen wird in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum realisiert. Dabei sollen mit einer Dokumentenanalyse zunächst bestehende Ansätze für auffrischende Interventionen gesichtet und auf ihre Eignung zum Einsatz an Produktionsarbeitsplätzen hin geprüft werden.

Zudem sollen mehrere ausgewählter Interventionen (Practice Refresher, Digitaler Assistent oder Microlearning Einheiten) auf ihre Eignung für den Kompetenzerhalt bei den Chemikanten und Pharmakanten in Experimenten geprüft werden.

Im vierten Schritt soll im Rahmen eines Expertenworkshops, analysiert werden, welche möglichen Konsequenzen die Projektergebnisse für die berufliche Aus- und Fortbildung in den beiden untersuchten Berufen haben.

Das Projekt ist am 1. Januar 2020 gestartet. Corona bedingt werden seit seit Ende 2020 zunächst qualitative Interviews mit Fachkräften, Qualitätsbeauftragen und Beschäftigten aus dem Bereich Aus- und Weiterbildung durchgeführt. Allererste Analysen zeigen die Relevanz der Thematik in den untersuchten Berufen, die Diversität derzeitiger Lösungsansätze (z.B. Schichtzusammensetzung) und die Relevanz des Kompetenzbestandteils Haltung („attitude“) bei der erfolgreichen Bewältigung der Nicht-Routine-Situationen.



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