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BBFK 2026

Quo vadis Arbeitswelt?

Berufliche Praxis und berufliche Bildung auf dem Prüfstand
9. österreichische Berufsbildungsforschungskonferenz am 3.-5.07.2024 in Innsbruck

Keynotes 2026

Portrait Nicole Naeve-StoßNicole Naeve-Stoß  

Universität St. Gallen
Assoziierte Professorin für Wirtschaftspädagogik

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Keynote: Donnerstag 2.7.2024, 09:15 Uhr
Zukunft des Lernens -Lernen für die Zukunft: Herausforderungen, Potenziale und notwendige Transformationen zur Gestaltung von Lernen in der beruflichen Bildung

Die berufliche Bildung steht vor der Herausforderung, auf tiefgreifende und sich überlagernde Transformationsprozesse zu reagieren – von der digitalen Transformation über ökologische Umbrüche bis hin zu Veränderungen von Arbeits- und Qualifikationsstrukturen. Gleichzeitig besteht ein hoher Erwartungsdruck, Lernende auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten, obwohl diese ungewiss und von Unsicherheit geprägt sind (u. a. Dengler, K., & Matthes, B., 2019; Pfeiffer, S. et al., 2023). In diesem Spannungsfeld hat sich der Diskurs um sogenannte „Zukunftskompetenzen“ als zentraler Referenzpunkt etabliert. Kompetenzen wie analytisches und kritisches Denken, Problemlösen, Kreativität, Kollaboration, Selbstbestimmtheit oder auch AI Literacy gelten als Schlüssel, um mit Unsicherheit, Dynamik und Komplexität umgehen zu können.

Die Idee ist dabei nicht neu: Unter Bezeichnungen wie Schlüsselkompetenzen, „21st Century Skills“, „future skills“ „4K“ oder „transversale Kompetenzen“ werden seit Jahren entsprechende Kompetenzbündel diskutiert. Trotz dieser Entwicklungsgeschichte bleiben viele Ansätze unscharf, theoretisch unterbestimmt und auf einem hohen Abstraktionsniveau (Ehlers, 2020; Katz, 2023). Für die berufliche Bildung ergeben sich daraus zentrale Herausforderungen: beispielsweise die Vielfalt der Modelle, fehlende Schwerpunktsetzungen sowie ein verkürztes Verständnis des Verhältnisses von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen.

Angesichts tiefgreifender und sich überlagernder Transformationsprozesse plädiert der Vortrag für eine stärkere Orientierung an der Persönlichkeitsentwicklung als zentralem Bezugspunkt beruflicher Bildung (Reetz, 1984). Im Mittelpunkt steht ein normatives Leitbild des Menschlichen, das den Menschen als verantwortliches, kritisch-reflexives und sozial eingebundenes Subjekt versteht. Bildung zielt in dieser Perspektive auf die Befähigung, in grundlegenden Spannungsfeldern verantwortungsvoll zu handeln und eine offene Zukunft mitzugestalten (u. a. Fischer, 2023; Kremer et al., 2024; Tafner, 2025).

Daraus ergeben sich zentrale Fragen: Wie lassen sich Zukunftskompetenzen präzisieren und theoretisch fundieren? Wie kann ihre Entwicklung über Bildungsgänge hinweg konzeptionell gefasst und gestaltet werden? Welche Formen der curricularen Verankerung und welche Lehr-Lernsettings sind geeignet? Und welche Rolle spielen Prüfungen als zentrales Steuerungsinstrument für die Förderung dieser Kompetenzen?

Literatur:

Dengler, K., & Matthes, B. (2019). Digitalisierung in Deutschland: Substituierbarkeitspotenziale von Berufen und die möglichen Folgen für die Beschäftigung. In: Dobischat R., et al. (Hrsg.). Bildung 2.1. für Arbeit 4.0? Wiesbaden: Springer, S.49-62

Ehlers, U.-D. (2020). Future Skills: Lernen der Zukunft – Hochschule der Zukunft. Wiesbaden: Springer VS.

Fischer, M. (2023). Gestaltungsorientierte Berufsbildung im Wandel der Arbeitswelt. In: bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, Ausgabe 45, S. 1-25. Online: https://www.bwpat.de/ausgabe45/fischer_bwpat45.pdf

Katz, M. (2023). Zurück in die Zukunft. Eine literaturbasierte Kritik der Zukunftskompetenzen. Online: https://edarxiv.org/qbaze/

Kremer, H.-H., Naeve-Stoß, N., & Tafner, G. (2024). Keynote: Humane Ökonomie – Wirtschaftspädagogische Perspektiven. In: Berichte zur Beruflichen Bildung AG BFN.

Pfeiffer, S. et al. (2023). AQ 2030 – Arbeit und Qualifizierung 2030 – Essentials. Eine Momentaufnahme aus dem Maschinenraum der dualen Tranformation von Digitalisierung und Elektromobilität: Transformationserleben – Transformationsressoucen – Transformationsbereitschaft bei Volkswagen. Nürnberg. Verfügbar unter: https://www.labouratory.de/files/downloads/AQ2030-Studie-Essentials.pdf

Reetz, L. (1984). Wirtschaftsdidaktik. Eine Einführung in Theorie und Praxis wirtschaftsberuflicher Curriculumentwicklung und Unterrichtsgestaltung. Bad Heilbrunn, Obb.: Klinkhardt.

Tafner, G. (2025). Ökonomische Bildung im Sinne einer reflexiven Wirtschaftspädagogik. In: M. Stock; P. Slepcevic-Zach; G. Tafner & E. Riebenbauer (Hrsg.) (2025): Wirtschaftspädagogik. Ein Lehrbuch. 3., aktualisierte und überarbeite Auflage. Graz: Unipress (Open Access). S. 31–57. DOI: https://doi.org/10.70638/TCGL9871.kap-a2

 

Ralph HippeRalph Hippe

Cedefop
Expert | Skills and workplaces | Department for VET and Skills

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Keynote: Freitag, 3.7.2026, 11:30 Uhr
KI, digitale Kompetenzen und Berufsbildung in Europa

Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz verändert die Arbeitswelt in Europa tiefgreifend und verschiebt die Anforderungen an berufliche Qualifikationen und Kompetenzen. Cedefops aktuelle Erhebungen zeigen, dass KI in europäischen Arbeitskontexten bereits sichtbar angekommen ist, ihre Nutzung jedoch zwischen Ländern, Branchen und Beschäftigtengruppen deutlich variiert. Zugleich wird erkennbar, dass sich mit der Ausbreitung von KI nicht nur neue Möglichkeiten für Produktivität, Aufgabenveränderung und Unterstützung im Arbeitsprozess verbinden, sondern auch neue Ungleichheiten. Viele Beschäftigte gehen davon aus, zusätzliche Kompetenzen für den Umgang mit KI entwickeln zu müssen; zugleich zeigt sich, dass entsprechende Weiterbildungsangebote keineswegs flächendeckend verfügbar sind. Besonders relevant ist darüber hinaus der Befund, dass die Nutzung von KI häufig mit wahrgenommenen KI-Kompetenzlücken einhergeht. Damit rücken Fragen der digitalen Teilhabe, der Weiterbildungsbeteiligung und der sozial ungleichen Kompetenzentwicklung in den Mittelpunkt aktueller Debatten über Arbeit und Berufsbildung.

Vor diesem Hintergrund kommt der Berufsbildung für die Gestaltung der digitalen Transformation eine zentrale Bedeutung zu. Cedefops Studien zur Digitalisierung beruflicher Bildung zeigen, dass Absolventinnen und Absolventen beruflicher Bildung zwar häufig gute Übergänge in Beschäftigung erreichen und ihre Qualifikationen vielfach gut zu den ausgeübten Tätigkeiten passen. Gleichzeitig arbeiten sie jedoch überdurchschnittlich häufig in weniger digitalintensiven Tätigkeitsfeldern und nehmen seltener an digitaler Weiterbildung teil. Die enge Verbindung von Ausbildung und Beschäftigung kann damit einerseits den Arbeitsmarkteinstieg erleichtern, andererseits aber auch dazu beitragen, dass weiterführende digitale Lernprozesse seltener angestoßen werden. Dadurch sind die Möglichkeiten beruflich Qualifizierter begrenzt, digitale und KI-bezogene Kompetenzen im Erwerbsverlauf kontinuierlich auszubauen.

Der Vortrag greift dieses Spannungsverhältnis auf und diskutiert, welche Herausforderungen sich aus den aktuellen KI-Befunden für eine zukunftsfähige Berufsbildung und den Arbeitsmarkt in Europa ergeben. Er zeigt damit, dass die digitale Transformation nicht allein als technologische Modernisierung zu verstehen ist, sondern als bildungs- und gesellschaftspolitische Gestaltungsaufgabe.

Quellen:

Cedefop. (2025). Skills empower workers in the AI revolution first findings from Cedefop’s AI skills survey. Publication Office of the European Union. Policy brief. DOI: 10.2801/6372704. https://www.cedefop.europa.eu/en/publications/9201

Cedefop. (2025). VET needs to go digital: upgrading the backbone of Europe’s twin transition. Publication Office of the European Union. Policy brief. DOI: 10.2801/2388199. https://www.cedefop.europa.eu/en/publications/9200