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Abstracts 2012

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Abstract

Betriebliche Handlungsstrategien zur Kompetenzentwicklung in wachsenden Beschäfti-gungsfeldern

Von:
Dietzen, Agnes; Bundesinstitut für Berufsbildung, Deutschland
Höver, Anna Cristin; Bundesinstitut für Berufsbildung, Deutschland
Wünsche, Tom; Bundesinstitut für Berufsbildung, Deutschland

Session: 4
Zeit: Freitag, 06.7.2012, 14:30 - 16:30
Ort: FH Saal A
Typ: Paper
Downloads: Präsentation als PDF



Gegenstand des Beitrages ist das betriebliche Handeln zur Kompetenzentwicklung in Tätigkeitsfeldern mit wachsender Beschäftigung. Untersucht werden soll, ob sich unterschiedliche betriebliche Qualifikationsbedarfsdeckungsstrategien identifizieren lassen, mittels derer Betriebe Kompetenzentwicklung fördern oder nicht fördern. Dazu wird das Zusammenspiel von betrieblichen Handlungsfeldern der Ausbildung, der Fort-und Weiterbildung, der internen und externen Personaldeckung und der Gestaltung der Arbeits- und Unternehmensorganisation in Bezug auf lernförderliche Strukturen, untersucht. Darüber hinaus wird dem Einfluss ausgewählter Merkmale wie z.B. Betriebsalter, Betriebsgröße, vorhandene Personal- Qualifikationsstrukturen und Tätigkeitsfelder auf die Aktivitäten in diesen Handlungsfeldern nachgegangen. Das Ziel ist die Identifikation betrieblicher Muster zur Kompetenzentwicklung und zentraler Einflussfaktoren des betrieblichen Handelns.

*Theoretischer Bezug/Stand der Forschung*

Der Beitrag ordnet sich in eine sozialwissenschaftliche Qualifikationsforschung ein, die seit den 1970er Jahren dem inhaltlichen Wandel von Qualifikationsprofilen, der Veränderung von Qualifikationsstrukturen sowie deren Folgen für die Entwicklung betrieblicher Arbeitskräftestrategien und Berufsverlaufsmuster wichtiger Fachkräftetypen nachgeht.

Eine Grundannahme dieser Studien ist, dass die Veränderungen der Qualifikationsanforderungen nur eine von mehreren Faktoren sind, auf die die betriebliche Qualifizierungs- und Personalpolitik reagiert. Andere Orientierungspunkte für den Betrieb sind der Arbeitsmarkt, die Angebote aus dem Bildungssystem, gesellschaftlich definierte Qualifikationstypen, die Berufsverlaufsmuster wichtiger Fachkräftetypen sowie die betrieblichen Personalstrukturen (vgl. Drexel 1982).

Dieser Forschungsheuristik folgen neuere Studien zu den Qualifikationsentwicklungen und den Chancen des Berufsbildungssystems für die Wissens- und Dienstleistungsökonomie (vgl. u.a. Baethge-Kinsky u.a.2006) und zur Entwicklung von Beruflichkeit, Organisations-und Personalentwicklung im Spannungsfeld von Restrukturierung und Kompetenzsicherung (vgl. Voss-Dahm et. al. 2011).

Die betrieblichen Voraussetzungen für den Aufbau, Erhalt und Weiterentwicklung von beruflichem Arbeitsvermögen von Beschäftigten in Unternehmen ist auch Gegenstand einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung zu den Formen der Qualifikationsbedarfsdeckung im Fachkräftebereich wachsender Beschäftigungsfelder und den dafür zugrunde liegenden Entscheidungsprozessen von Unternehmen.

*Empirische Basis*

Die Analysen basieren erstens auf den Daten einer leitfadengestützten Expertenbefragung von zehn Branchensprechern und fünfzehn Vertretern kleiner, mittelständischer und großer Be-triebe aus elf Branchen, die in den Jahren 2003-2007 wachsende Beschäftigung aufwiesen.

Zweitens beziehen sich die Analysen auf eine, im Anschluss an die Expertenbefragung Anfang 2011 durchgeführte repräsentative Befragung von Betrieben in 11 wachsenden Beschäftigungsfeldern. Wachsende Beschäftigungsfelder sind definiert über den Zuwachs der sozial-versicherungspflichtigen Beschäftigten zwischen 2007 und 2009 in Vollzeitäquivalenten. Die Nettostichprobe umfasst 1214 Betriebe.

*Ergebnisse*

Strategien, die auf einer internen Bedarfsdeckung beruhen, haben eine sehr hohe Bedeutung besonders für die Führungskräfteebene.

Die eigene betriebliche Ausbildung ist für die Unternehmen als Instrument zur Deckung des eigenen Bedarfs aktuell und zukünftig sehr bedeutsam.

In Bezug auf die Weiterbildung zeigt sich eine hohe Beteiligung, die auch zukünftig beabsichtigt ist. Ihre Funktion beschränkt sich nicht auf eine kurzfristige Behebung von Qualifizierungsdefiziten, sondern dient auch der Förderung und Sicherung betriebsspezifischer Kompetenzprofile.

Vorhandene betriebliche Qualifikationssegmente zeigen sich zunächst als relativ stabil und lassen den Betrieben zufolge auch in naher Zukunft keine großen Strukturveränderungen erwarten.

*Literatur*

Baethge, M.; Baethge-Kinsky, V.; Holm, R.; Tullius, K. (2006): Dynamische Zeiten – langsamer Wandel: Betriebliche Kompetenzentwicklung von Fachkräften in zentralen Tätigkeitsfeldern der deutschen Wirtschaft. Schlussbericht FKZ: LK 600.03. Göttingen: Soziologisches Forschungsinstitut (SOFI).

Dahm, D; Mühge, G; Schmierl; K. Struck, O. u.a. (Hrsg.) (2010): Qualifizierte Facharbeit im Spannungsfeld von Flexibilität und Stabilität. Wiesbaden 2010, S. 187-2010

Drexel, Ingrid (1982): Belegschaftsstrukturen zwischen Veränderungsdruck und Beharrung. Frankfurt am Main, New York, Campus

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