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7. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 8.-9.7.2021, Klagenfurt

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Paper

Vertikale Durchlässigkeit im System beruflicher Grund- und Weiterbildung – Effekte auf soziale Disparitäten und den Fachkräftemangel

Von:
Kost, Jakob; Universität Fribourg, Schweiz

Paper Session: 2
Zeit: Donnerstag, 03.07.2014, 17:15 - 19:15
Ort: MAW Mittlerer Saal
Typ: Paper



Im Zuge Bildungspolitischer Diskussionen wird seit einigen Jahren die Förderung der Durchlässigkeit in Bildungssystemen als Möglichkeit thematisiert, um 1. den Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg zu minimieren (z.B. Frommberger, 2009), und 2. den durch die demographische Entwicklung drohende Fachkräftemangel zu mildern. Dieser Diskurs und sein Argumentarium lässt sich sowohl in Österreich, wie auch in Deutschland und der Schweiz nachzeichnen. Bisher hält sich die Diskussion insbesondere im Bereich der Berufsbildung aber hartnäckig auf einer programmatischen Ebene (z.B. Freitag et al, 2011), empirische Analysen zu Effekten der Durchlässigkeitsförderung liegen jedoch nur vereinzelt vor (vgl. Archan & Schlögel, 2007; Barabasch & Deitmer, 2011; Bellenberg et al, 2004; Kost, 2013).

Dieser Beitrag schliesst einen kleinen Teil dieser Erkenntnislücke, wobei er spezifisch auf vertikale Durchlässigkeit fokussiert diese am Beispiel des Schweizer Berufsbildungssystem illustriert. Auf Basis von Daten des Bundesamtes für Statistik und solchen des Schweizer PISA-TREE Panels werden Wege von Jugendlichen aus der beruflichen Grundbildung, via Berufsmatura, an Fachhochschulen analysiert und (sensu Mare, 1980) danach gefragt, welche Merkmale diese Transitionsprozesse beeinflussen. Daran gekoppelt sind die Fragen, 1. ob sozioökonomisch wenig privilegierte Jugendliche von der Durchlässigkeit profitieren und ihr damit eine kompensatorische Wirkung zugesprochen werden kann und 2. ob diese Form der Weiterbildung tatsächlich Effekte auf den aktuellen, branchenspezifischen Fachkräftemangel haben kann.

Durchlässigkeit im Schweizer Berufsbildungssystem

Im wissenschaftlichen Diskurs werden aktuell zwei Facetten von Durchlässigkeit diskutiert(vgl. Archan & Schlögel, 2007): Während mit horizontaler Durchlässigkeit Schultypwechsel innerhalb derselben Schulstufe (z.B. innerhalb der Sekundarstufe 1) gemeint sind, bezieht sich vertikale Durchlässigkeit auf die Möglichkeit zwischen Schulstufen Ausbildungstypen zu wechseln (z.B. aus der Berufsbildung an Hochschulen).

Die Berufsmatura kann in der Schweiz entweder parallel zur Ausbildung oder im Anschluss an die Lehre besucht werden und ermöglicht den freien Zutritt zu Fachhochschulen für AbsolventInnen der Berufsbildung. Somit kann die Berufsmatura als Eintrittsticket in die (tertiär A) Schweizer Hochschullandschaft angeschaut werden kann.

Analysen auf Basis der Schweizer Berufsmatura lassen sich gut, zumindest mit etwas Abstraktion, auf das Österreichische Konzept der "Lehre mit Matura" oder auch die deutschen beruflichen Gymnasien anwenden.

Empirischer Kontext

Untersuchungen zu Wechselbewegungen innerhalb eines Schultyps (horizontal) (z.B. Hillmert & Jacob, 2008) geben kaum Hoffnung zur Annahme, dass die Förderung der Durchlässigkeit zu einer Kompensation herkunftsbedingter Disparitäten in Schul- und Ausbildungslaufbahnen führen würde. Beiträge zu nachgeholten Bildungsabschlüssen (vertikal) (z.B. Henz, 1997) reihen sich aber mit Blick auf den Einfluss der Herkunft in die bereits referierten Befunde ein.

Analysen zu brachenspezifischen Fachkräftemangel zeigen zudem, dass bildungspolitische Initiativen oft massiv verzögert wirksam werden.

Forschungsfragen, Daten und Methoden

Vor diesem Hintergrund ergeben sich einige Forschungsfragen.

1. Wie kann das Erreichen einer Berufsmatura vorhergesagt werden, als einen ersten Schritt zur Realisierung der Durchlässigkeit und 2. Wie kann der Start eines Fachhochschulstudiums vorhergesagt werden? In beiden Fragen liegt ein besonderer Fokus auf den Effekten von Geschlecht, sozioökonomischem Hintergrund, Bildungsaspirationen, (PISA) Testleistung und dem besuchten Sekunderschule 1 Schultyp.

Um diese beiden Fragen zu beantworten werden zwei Datenquellen herangezogen. Mit hoch aggregierten Daten des Bundesamtes für Statistik werden deskriptive Analysen zur Zusammensetzung und regionalen Unterschieden bei BerufsmaturandInnen und FH-StudentInnen durchgeführt. Mit den TREE-Panel Daten können längsschnittliche Effekte (Pfadanalysen) auf das Erreichen einer Berufsmatura resp. den Eintritt in eine FH modelliert werden.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Pfadanalysen zeigen, dass sowohl das Erlangen einer Berufsmaturität (Fachhochschulberechtigung) als auch der tatsächliche Eintritt in eine Fachhochschule auf mannigfache Weise vom sozialen, kulturellen und ökonomischen Hintergrund der Jugendlichen (unter Kontrolle von Testleitungen) beeinflusst wird. Erwartungskonform (Breen & Jonsson, 2005) sinkt bei späteren Bildungsentscheidungen der Einfluss des besuchten Sek I Schultyps, auch wenn primäre und sekundäre Herkunftseffekte nahezu ungebrochen stark bleiben. Insbesondere die deutliche Ablenkung von Frauen nach dem Erreichen der Berufsmatura stellt eine Bildungs- und Sozialpolitische Herausforderung dar. Die bildungspolitische Euphorie am Durchlässigkeitsgedanken wird vor diesem Hintergrund kritisch diskutiert.



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