Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Ermittlung von Intrapreneurship-Kompetenzen bei Auszubildenden unter Nutzung kognitiver Diagnosemodelle

Von:
Bley, Sandra; Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland
George, Ann Cathrice; Bundesinstitut für Innovation und Entwicklung des Österreichischen Schulwesens, Salzburg

Session: Papersession P5
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: MAW-MIS
Typ: Paper
Stichworte: Kompetenzdiagnose, Kompetenzentwicklung

Theoretischer Hintergrund

Intrapreneurship im Sinne von unternehmerischem Denken und Handeln im Unternehmen ist eine im Rahmen der beruflichen Erstausbildung erlernbare Kompetenz. Neben berufsfachlichem Wissen umfasst die Intrapreneurship-Kompetenz anwendungsorientierte Skills wie das selbständige Wahrnehmen, Entwickeln, Planen und das Verkaufen von beruflich relevanten Projektideen. Bisher liegen kaum empirische Ergebnisse vor, welche dieser Skills Auszubildende beherrschen oder in welcher Reihenfolge sie erworben werden (Weber et al. 2015).

Fragestellung

Welche Intrapreneurship-Skills beherrschen Auszubildende und in welcher Kombination?

Methode

Das statistische Deterministic-Input Noisy And Gate Modell (DINA; Haertel, 1989), ein spezifisches Modell in der Klasse der Kognitiven Diagnosemodelle (CDMs) basiert auf der Annahme, dass kompetentes Verhalten nur dann gezeigt werden kann, wenn eine Person alle für diese Situation notwendigen Skills beherrscht.

Im vorliegenden Beitrag wird angenommen, dass Auszubildende eine vollständige Intrapreneurship-Kompetenz besitzen, sobald sie die folgenden 7 Skills beherrschen:

WAHR – wahrnehmen von Problemen/Chancen

ANALY – analysieren von Situationen/Informationen

IDEE – generieren von Ideen

SEQU – sequenzieren von Aspekten

INFO – verarbeiten von Fachbegriffen/Routinen/Informationen

TOOL – anwenden kaufmännischer Tools

VERK – treffen/verkaufen begründeter Entscheidungen

Für die Ermittlung von Intrapreneurship-Kompetenzen wurden jeder Aufgabe eines Tests die zu ihrer Lösung notwendigen Skills zugewiesen (Q-Matrix). Die Test- und Q-Matrixentwicklung (Bley, under review) erfolgte nach dem Grundsatz des evidenzbasierten Schlussfolgerns (Pellegrino et al. 2001) in Anlehnung an den Evidence-Centered-Design Ansatz (Mislevy & Risconscente 2006).

Basierend auf der Q-Matrix und den Antworten der Auszubilden in dem Test erfolgte die Schätzung der beherrschten IP-Skills und deren Kombinationen auf Grundlage eines DINA Modells (Software: R Paket CDM, George et al., in press)

Daten

Die Daten entstammen der Hauptstudie des ASCOT-Projekts (Weber et al. 2016), die als One-Shot-Design durchgeführt wurde. Dabei bearbeiteten deutschlandweit N=919 Auszubildende 22 technologiebasierte Testaufgaben.

Ausgewählte Ergebnisse:

Das Modell zeigt Analysen einen akkuraten globalen Modelfit (SRMSR=0,0464) und zufriedenstellende Itemfits. Auszubildende beherrschen die folgenden Kombinationen von IP-Skills besonders häufig:

1. Alle Skills (48,59%)

2. Keinen Skill (6,98%)

3. SEQU/INFO/TOOL (6,92%)

4. WAHR/ANALY/IDEE/SEQU/INFO/TOOL (5,46%)

5. WAHR/ANALY/IDEE/SEQU (4,22%)

6. WAHR/ANALY/SEQU/INFO/TOOL (4,08%)

Da der Test am Ende der Ausbildung durchgeführt wurde, besitzen ca. 48% der Lernenden bereits alle IP-Skills. Auszubildende, die der dritthäufigsten Gruppe zuzuordnen sind, können als jene verstanden werden, die eine risiko- und störungsfreie Projektumsetzung durchführen können. Gruppe 6 kann darüber hinaus auch Risiken/Störungen oder Chancen wahrnehmen und diese analysieren; Gruppe 4 verfügt zusätzlich über Kreativität.

Diskussion:

Obwohl die Daten aus einer Querschnittsstudie stammen, können aus den häufig gemeinsam beherrschten Kombinationen der IP-Skills Vermutungen über den Erwerb der Skills getroffen werden. Es wurden Lernpfade abgeleitet, die auf Basis vorliegender fachdidaktischer Ergebnisse plausibel erscheinen (Weber et al. 2015).

Literatur:

Bley, S. (under review). Cognitive processes in use when solving intrapreneurship activities – A formative assessment perspective

George, A.C., Robitzsch, A., Kiefer, T., Groß, J. & Ünlü, A. (in press). The R Package CDM for cognitive diagnosis modeling. Journal of Statistical Software.

Haertel, E. H. (1989). Using restricted latent class models to map the skill structure of achievement items. Journal of Educational Measurement, 26, 301–323.

Mislevy, R. J. & Risconscente, M. M. (2006). Evidenced-centered assessment design: Layers, concepts and terminology. In S. M. Downing & T. M. Haladyna (Eds.), Handbook of test development (S. 61-90). Mahwah, NJ: Erlbaum

Pellegrino, J. W., Chudowsky, N. & Glaser, R. (2001). Knowing what students know: The science and design of educational assessment. Washington, DC: National Academy Press.

Weber, S. Wiethe-Körprich, M., Bley, S., Weiß, C. & Achtenhagen, F. (2015) Intrapreneurship-Verhalten an kaufmännischen Arbeitsplätzen – Analysen von Projektberichten. Empirische Pädagogik, 29(1), 84-105.

Weber, S., Wiethe-Körprich, M., Bley, S., Weiß, C., Draxler, C. & Gürer, C. (2016). Large Scale-Assessments in der kaufmännischen Berufsbildung – Intrapreneurship (CoBALIT). Beck, K., Landenberger, M. & Oser, F. (Hrsg.), Technologiebasierte Kompetenzmessung in der beruflichen Bildung – Resultate aus dem Forschungsprogramm ASCOT. (S. 75-92) Bielefeld: Bertelsmann.



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