Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Digitale Medien als Motor für Innovationen in der dualen Berufsausbildung – Ergebnisse der formativen Evaluation über Strategien der Lehr-Lernprozesssteuerung im Projekt KOLA (BMBF)

Von:
Hellriegel, Jan; Technische Universität Kaiserslautern, Deutschland
Osranek, Regina; Institut für Technologie und Arbeit Kaiserslautern, Deutschland
Prescher, Thomas; Technische Universität Kaiserslautern, Deutschland

Session: Papersession P10
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: FH-SNP
Typ: Paper
Stichworte: Duale Berufsausbildung, Lernortkooperation, Evaluation, Digitale Medien

Ausgangslage

Um die Handlungsfähigkeit der Auszubildenden zu stärken, ist die duale Berufsausbildung auf eine Lernortkooperation angewiesen. Aufgrund der unterschiedlichen Lehr-/Lernkulturen und der räumlichen Distanz der Lernorte wird dies jedoch zur Herausforderung (vgl. Arnold; Gonon 2006, S. 103f.). Zwar wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte viele Ansätze erprobt, um Lernen und Ausbildung durch digitale Medien zu fördern, allerdings gibt es bislang im Feld der dualen Berufsausbildung noch keine klar explizierte Lösung, wie eine Kooperation zwischen den Lernorten gewährleistet werden kann.

Ziel des Forschungsprojektes KOLA: „Kompetenzorientiertes Lernen im Arbeitsprozess mit digitalen Medien“ ist es daher, einen innovativen Ansatz zu erproben, der eine Lernortkooperation durch den Einsatz digitaler Medien befördern soll. Das Projekt fokussiert dabei das Elektrohandwerk im Saarland. Im Rahmen der dreijährigen Laufzeit wird das Projekt in zwei Iterationen umgesetzt. In der ersten Iteration, die im Frühjahr 2016 abgeschlossen sein wird, sind 13 Auszubildende aus zehn verschiedenen Betrieben beteiligt, die zusammen eine Berufsschulklasse bilden.

Forschungsfrage

Aufbauend auf der dargestellten Ausgangslage lautet die zentrale Fragestellung im Beitrag, welche Verbesserungspotenziale und Herausforderungen sich für einen Einsatz digitaler Medien zur Beförderung einer Lernortkooperation im Kontext der beruflichen Bildung ergeben. Diese Potenziale und Hürden, welche im Rahmen einer formativen Evaluation der ersten Iteration identifiziert werden und zum Zeitpunkt der Tagung vorliegen werden, stellen eine wichtige Ausgangslage zur Formulierung didaktischer Konsequenzen und Handlungsmöglichkeiten für den Einsatz digitaler Medien dar.

Forschungsdesign

Ziel der formativen Evaluation ist es, die Praxistauglichkeit und Nützlichkeit der bereits entwickelten und erprobten Konzepte zu untersuchen. Ausgehend von einer praxistauglichen, effizienten Methodik werden alle beteiligten Nutzer (Ausbilder, Auszubildende und Lehrer) zu zentralen Qualitätsindikatoren in Leitfadeninterviews mündlich befragt. Anhand operationalisierter Qualitätsindikatoren wird der Projektfortschritt in Richtung der in Aussicht gestellten Zielkriterien des Projektes abgelesen. Dabei spielen die Qualitätskriterien Gebrauchstauglichkeit (hier: Effektivität, Effizienz und Akzeptanz aus Sicht aller wesentlichen Stakeholder) und Praxistauglichkeit (insb. im Hinblick auf den Einsatz im handwerklichen Kontext auf Baustellen) sowie ausgewählte pädagogisch-didaktische Qualitätskriterien nachhaltigen und lebendigen Lernens (vgl. Arnold 2012, S. 79 f.) eine wesentliche Rolle. Zusätzlich zu den Leitfadeninterviews soll eine heuristische Evaluation in Form eines Expertenreviews (vgl. Nielsen 1994) Aufschluss über potenzielle Usability-Probleme geben, die spätere reale Nutzer haben könnten und die im Kontext weiterer Entwicklungsarbeiten zu berücksichtigen sind. Die Bewertung wird von fünf Evaluatoren (Experten) vorgenommen.

Zudem sollen im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring 2010, S.11) die im System erstellten Beiträge durch die Akteure analysiert werden, um daraus Nutzertypen ableiten zu können. Diese können Aufschluss darüber geben, wie die Systemgestaltung für die zweite Iteration verbessert werden kann und welche Möglichkeiten sich für die Weiterverwendung und Anschlusskommunikation der Systembeiträge in institutionalisierten Lehr-/Lernprozessen ergeben.

Zu erwartende Ergebnisse

Aufgrund der Neuartigkeit des Ansatzes im Handwerk zeichnet sich dieser schon jetzt als Innovation ab. Grundsätzlich ist zu erwarten, dass durch die Anwendung des KOLA-Systems eine Verbesserung der Lernortkooperation wahrzunehmen ist. Der Beitrag und das Engagement der Auszubildenden und Lehrer wirken hierbei als fördernde und hemmende Faktoren zu gleich. Je nach Ausprägung werden im Beitrag Grenzen und Potentiale aufgezeigt, die die Auszubildenden entweder zur Anwendung des Systems motivieren oder diese dabei behindern. Das heißt, dass neben der reinen technischen Ausstattung nach wie vor persönliche Unterstützung durch Führungsverantwortliche und damit die generelle Lernkultur in einem Lernort eine Rolle spielen. Aspekte der lernortübergreifenden Lernkulturgestaltung als Ergebnis der Begleituntersuchung werden vorgestellt.

Literatur

Arnold, Rolf (2012): Wie man lehrt, ohne zu belehren. 29 Regeln für eine kluge Lehre. Das LENA-Modell. Heidelberg

Arnold, Rolf; Gonon, Philipp (2006): Einführung in die Berufspädagogik. Opladen und Bloomfield Hills

Mayring, Philipp (2010): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim und Basel

Nielsen, Jakob (1994): Usability Inspection Methods. New York



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