Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Reziproke Effekte zwischen Lehrerverhalten, Leistungsselbstkonzept und dem Lernerfolg im Fach Rechnungswesen

Von:
Krumpholz, Maria; Universität Bamberg, Deutschland
Helm, Christoph; Johannes Kepler Universität Linz, Österreich

Session: Papersession P4
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: FH-SNP
Typ: Paper
Stichworte: Selbstkonzept, Kompetenzen, Unterrichtsforschung

Die Identifikation relevanter Prädiktoren von Schülerkompetenzen ist eine der bedeutsamsten Fragen der Lehr-Lern-Forschung. Auf Seite der Lernenden zählen die Facetten des Selbstkonzepts zu den „wichtigsten individuellen Voraussetzungen erfolgreichen Lernens“ (Hasselhorn, Schneider & Marx, 2003). Andererseits ist das Leistungsselbstkonzept, das sich infolge individueller Erfahrungen mit der Umwelt entwickelt, ebenfalls durch multiple Faktoren bedingt. Zu den zentralen Determinanten zählt neben der aktuellen, individuellen Schülerleistung, vor allem die Bewertung durch signifikant Andere, z.B. Lehrpersonen (Shavelson, 1976).

Studien zur Beziehung zwischen Selbstkonzept und Leistung wurden fast ausschließlich in allgemeinbildenden Domänen (v.a. Mathematik) durchgeführt (z.B. Helmke & van Aken 1995). Aber auch in berufsbildenden Domänen existieren erste Studien: Greiml-Fuhrmann (2011) konnte für den österreichischen Rechnungswesenunterricht belegen, dass Lernende Prüfungsleistungen primär auf ihre eigene Anstrengung zurückführen. Dies ist von Bedeutung, da das Leistungsselbstkonzept zu einem nicht unerheblichen Teil auf Kausalattributionen basiert (Möller & Trautwein, 2015). Des Weiteren zeigte sich bei kaufmännischen Auszubildenden in Deutschland ein mittelstarker Zusammenhang zwischen der BWL-Note und der Fähigkeitsselbsteinschätzung (Metz-Göckel, 2001).

Im Zentrum des vorliegenden Beitrags steht die Überprüfung der beiden Theoriemodelle des Self-Enhancement und des Skill-Development-Ansatzes (Helmke 1992) im Fach Rechnungswesen. Der Self-Enhancement-Ansatz geht davon aus, dass Schüler/innen mit hohem akademischem Selbstkonzept bessere Leistungen erzielen, weil sie aufgrund ihrer zuversichtlicheren Selbstbewertung u.a. ein höheres Lernengagement zeigen. Schüler/innen mit niedrigem Leistungsselbstkonzept tendieren dagegen zur Vermeidung kritischer Lernsituationen. Der Skill-Development-Ansatz dagegen postuliert, dass das akademische Selbstkonzept u.a. auf „konkreten Leistungsrückmeldungen mit anschließenden sozialen Vergleichen und Kausalattributionen“ (Möller & Trautwein, 2015) basiert und daher primär eine Konsequenz der Leistung darstellt. Empirische Befunde deuten darauf hin, dass beide Ansätze gleichermaßen bedeutsam sind (Trautwein et al., 2006). Dies lässt auf einen positiven reziproken Zusammenhang zwischen dem Selbstkonzept und der Leistung schließen. Neben der Prüfung von Wechselwirkungseffekten zwischen Selbstkonzept und Fachleistung, soll die vorliegende Studie auch den Einfluss des Lehrerverhaltens analysieren. Darüber hinaus besteht die begründete Annahme, dass umgekehrt das Verhalten von Lehrpersonen durch das Selbstkonzept der zu unterrichtenden Schüler/innen sowie ihrer Leistungen beeinflusst ist (Pekrun & Helmke, 1991).

Um die dargestellten Annahmen empirisch zu prüfen wurden Schüler/innen von 24 BMHS-Klassen mit Papier-Bleistift-Tests zum Rechnungswesencurriculum (Helm in Druck) sowie mittels Onlinefragebogen zum Lehrerverhalten (DaQS o.J.) und zum Selbstkonzept (Eder 1995/2007) getestet bzw. befragt (Nt1 = 648). Die zweistündigen Erhebungen wurden zu Beginn der 9. sowie jeweils am Ende der 10. und 11. Schulstufe durchgeführt. Auf Basis der im Längsschnitt erhobenen Daten wird folgendes Mediationsmodell geprüft: Das aus Schülersicht wahrgenommene Lehrerverhalten wirkt positiv auf das im selben Jahr sowie im Folgejahr erfasste Leistungsselbstkonzept der Schüler/innen, wobei für das jeweilige Selbstkonzept aus dem Vorjahr kontrolliert wird. Gleichzeitig beeinflusst das Schülerselbstkonzept die im selben Schuljahr sowie im Folgejahr erfasste Schülerkompetenz, wobei für die jeweilige Fachleistung aus dem Vorjahr kontrolliert wird. Derselben Systematik folgend werden der Einfluss der Fachleistung auf die Entwicklung des Selbstkonzepts sowie der Einfluss des Selbstkonzepts auf die Veränderung im Lehrerverhalten geprüft. Vor dem Hintergrund der methodisch bedingten Limitationen der Studie sowie der Unterrichtspraxis im Fach Rechnungswesen erfolgt eine Diskussion der Ergebnisse.

DaQS (o. J.). Datenbank zur Qualität von Schule. http://daqs.fachportal-paedagogik.de.

Eder, F. (1995/2007). Das Befinden von Kindern und Jugendlichen in der Schule. Innsbruck: StudienVerlag.

Helm, C. (in Druck). Berufsbildungsstandards und Kompetenzmodellierung im Fach Rechnungswesen. In: BIBB (Hrsg.), Bildungsstandards und Kompetenzorientierung.

Helmke, A. & van Aken, M. (1995). The Causal Ordering of Academic Achievement and Self-Concept of Ability During Elementary School: A Longitudinal Study. Journal of Educational Psychology, 87 (4), 624–637.

Möller, J. & Trautwein, U. (2015). Selbstkonzept. In E. Wild & J. Möller (Hrsg.), Pädagogische Psychologie (177–199). Heidelberg: Springer.

Shavelson, R., Huber, J. & Stanton, G. (1976). Self-Concept: Validation of Construct Interpretations. Review of Educational Research, 46(3), 407–441.



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