Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Berufsvorbereitende Bildungsgänge für junge Flüchtlinge an beruflichen Schulen in der Bundesrepublik Deutschland

Von:
Lex, Tilly; Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI), Deutschland
Braun, Frank; Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI), Deutschland

Session: Papersession P8
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: MAW-KLS
Typ: Paper
Stichworte: Flüchtlinge, Berufsvorbereitende Bildungsgänge, Berufsschulpflicht, pädagogische Konzepte

Es gibt einen breiten fachlichen Konsens in Deutschland, dass für die Integration junger Flüchtlinge der Erwerb der deutschen Sprache, schulische Bildung und berufliche Qualifizierung zentrale Voraussetzungen für das Gelingen der Integration darstellen (Fendel & Romiti 2016).

Hinsichtlich der Reaktion der Bundesländer auf die neuen Anforderungen konstatieren Brüggemann & Nikolai ein „Comeback“ der „Vorbereitungsklassen“ für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche, in denen diese separiert vom Regelsystem auf den Übergang in dieses vorbereitet werden (Brüggemann & Nikolai 2016). Zu Fragen der Berufsvorbereitung und zur beruflichen Qualifizierung von jungen Flüchtlingen gibt es in Deutschland nur wenig empirische Forschung. Die bayerischen Modelle der berufsschulischen Berufsvorbereitung für junge Flüchtlinge werden von Anderson in eine kleine Studie beschrieben (Anderson 2016). Das IAB hat die Rahmenbedingungen der betrieblichen Ausbildung von geduldeten Flüchtlingen untersucht. Befragt wurden dazu Expertinnen und Experten in Ausländerbehörden und Arbeitsagenturen (Schreyer, Bauer & Kohn 2015). Eine mit Unterstützung durch die Robert Bosch Stiftung durchgeführte Studie untersucht die Hürden, vor denen Jugendliche und junge Erwachsene in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen während ihres Bildungs- und Ausbildungsweges stehen und die Determinanten, die diese Hürden bestimmen. Dazu wurden in Fallstudien in fünf Kommunen (Frankfurt/M, Essen, Bremen, Hannover und Erfurt) Fallstudien insgesamt 70 lokale Akteure in Experteninterviews und insgesamt 40 Jugendliche und junge Erwachsene in themenzentrierten narrativen Interviews befragt (Müller, Nägele & Petermann 2014: 12-17).

Für die unter den Flüchtlingen stark vertretene Altersgruppe der 16- bis 25-jährigen können berufsvorbereitende Bildungsgänge an beruflichen Schulen die Funktion haben, das Lernen der deutschen Sprache zu fördern, den Erwerb eines allgemein bildenden Schulabschlusses zu ermöglichen und auf die Anforderungen einer Berufsausbildung vorzubereiten. Weil Informationen über den Ausbau und die Ausgestaltung dieser Bildungsgänge fehlen, hat das Deutsche Jugendinstitut (DJI) Ende September 2015 die zuständigen Landesministerien zu bereits eingerichteten oder geplanten Bildungsgängen befragt. Auf die Umfrage (und eine im Abstand von sechs Wochen versandte schriftliche Erinnerung haben 12 der 16 Bundesländer geantwortet. Die Ergebnisse der Umfrage, ergänzend zum Fragebogen von den Kultusministerien zugänglich gemachte Informationen und Dokumente und eigene weitere Recherchen bilden die Grundlagen für das vorgeschlagene Paper.

Ein erstes Fazit aus dem Überblick über Regelungen und Praxis in den sechzehn Ländern lautet, dass es eine große Vielfalt gibt: Diese Vielfalt beginnt bei den Bezeichnungen der Bildungsgänge und setzt sich fort bei den Förderkonzepten (getrennte Förderung vs. Inklusion), dem Grad der Präzisierung von Vorgaben zur Ausgestaltung, der Unterscheidung von Zielgruppen nach Aufenthaltsstatus oder Bleibeperspektive, der Art der Sprachförderung, der Teilnahme an Betriebspraktika, der Dauer der Bildungsgänge, der Möglichkeit allgemein bildende Abschlüsse zu erwerben und nicht zuletzt bei den Altersbegrenzungen für die Teilnahme.

Dabei ist in fast allen Ländern die Möglichkeit der Teilnahme an die Berufsschulpflicht gebunden, die in der Regel mit dem Schuljahr oder Schulhalbjahr endet, in dem die Jugendlichen volljährig werden. Die berufsvorbereitenden Bildungsgänge sind also bisher explizit nicht vorgesehen zur Förderung der großen Gruppe der jungen Erwachsenen unter den Flüchtlingen.

Literatur:

Anderson, Philip (2016): Zugang zur Berufsschulklassen für junge Flüchtlinge. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 1/2016, S. 34-36.

Brüggemann, Christian & Nikolai, Rita (2016): Das Comeback einer Organisationsform: Vorbereitungsklassen für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 8 S.

Fendel, Tanja & Romiti, Agnese (2016): Die Bedeutung von Bildung und Spracherwerb für die Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 1/2016, S. 16-20.

Müller, Doreen; Nägele, Barbara & Petermann, Fanny (2014): Jugendliche mit unsicheren Aufenthaltsverhältnissen im Übergang Schule-Beruf. Göttingen: Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen.

Schreyer, Franziska; Bauer, Angela & Kohn, Karl-Heinz P (2015): Betriebliche Ausbildung von Geduldeten. Für den Arbeitsmarkt ein Gewinn, für die jungen Fluchtmigranten eine Chance. Nürnberg: IAB, IAB-Kurzbericht 1/2015.



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