Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Integrierte Meta-Analyse als Instrument der Arbeitsmarktpolitikforschung. Eine innovative Methode zur wissenschaftlichen Begleitung von evidenzbasierter Politikgestaltung in der Arbeitsmarktpolitik

Von:
Litschel, Veronika; Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung, Österreich
Löffler, Roland; Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung, Österreich

Session: Papersession P11
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: FH-SKF
Typ: Paper
Stichworte: Meta-Analyse, sozialwissenschaftliche Methoden, Arbeitsmarktpolitik

Hintergrund:

Forschung im Bereich der Arbeitsmarktpolitik bewegt sich im breiten Feld zwischen der empirischen Analyse und Prognose, der Evaluation und der innovativen Entwicklung. In unterschiedlichen diszipli-nären Ansätzen werden Herausforderungen, Lösungsansätze, Good Practice etc. meist bezogen auf eine bestimmte Zielgruppe untersucht. Dies dient nicht zuletzt der Entscheidungsfindung auf der politischen oder der Vornahme von Adaptierungen auf der institutionellen Ebene.

Bei Studien zur Arbeitsmarktpolitik wird methodisch vielfach eine Methodentriangulation oder den Ansatz der mixed methods angewendet. Dies gilt sowohl für Maßnahmenevaluationen als auch andere Studiendesigns.

Ausgangslage:

Wissenschaftliche Untersuchungen im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik zeichnen sich dadurch aus, dass sie Teilgruppen der arbeitsmarktpolitischen Zielgruppen in den Fokus nehmen.

Gleichzeitig besteht ein Interesse, Überblicksdarstellungen zu erhalten, aus denen etwaige Lücken oder neue Ansätze herausgelesen werden können, die sich auf breite Zielgruppendefinitionen bezie-hen.

Die Herausforderung besteht in der Erarbeitung eines Instruments, das die Ergebnisse unterschiedli-cher Forschungszugänge mit Vorschlägen zur angewandten Politikgestaltung unter Einbeziehung der relevanten Akteursgruppen verbindet. Ziel ist es mittels sekundäranalytischen qualitativen und quantitativen Betrachtungen den aktuellen Forschungsstand abzubilden und den aktuellen Fragestellungen gegenüber zu stellen.

Methode der integrierten Meta-Analyse:

Im Vorfeld der Auseinandersetzung mit dem Material werden Vorwissen und Annahmen der For-schenden sowie die Fragestellung und das Erkenntnisinteresse der Auftraggeber im Fall der Auftrags-forschung in Form von Hypothesen formuliert, um zu einem späteren Zeitpunkt der Analyse den Ergebnissen der Inhaltsanalyse des Materials gegenübergestellt zu werden.

Das Corpus Buildung, also die Auswahl rezenter Studien erfolgt in Form der offenen Kodierung. Die Kategorienbildung erfolgt induktiv aus dem Text. Die Grundgesamtheit besteht aus verfügbaren ar-beitsmarktpolitischen Studien zur Fragestellung und wird zeitlich durch Festlegung des Betrachtungs-zeitraums eingeschränkt. Ergänzend um quantitative Analysen von identifizierten Konkordanzen kann das Material sortiert und gefiltert werden, um rezente Studien auszuwählen. Im weiteren Verlauf werden mittels deduktiver Kategorienbildung die rezenten Studien analysiert. Für beide Schritte der Inhaltsanalyse wird ein QDA-Programm verwendet, mit welchem Kodierung, Kategorienbildung und Memotechnik qualitativ und quantitativ ausgewertet werden kann. Ergebnis ist eine problemzentrierte bzw. gegenstandsbezogene Theoriebildung.

Für die Kontextualisierung wird weiteres Material, dass einerseits über den unmittelbaren Arbeits-marktbezug hinausgeht und andererseits die Sichtweise der ExpertInnen der Praxis einbezieht, heran-gezogen. Ebenso werden soziographische Analyseschritte über Sekundärdaten der Zielgruppe gesetzt.

Aus diesen Analyseergebnissen werden Hypothesen zum Status Quo und zu Entwicklung neuer Ansätze gebildet und mittels Fokusgruppen, die aus relevanten AkteurInnen zusammengesetzt sind, getestet.

Interviews und Fokusgruppen werden entlang der deduktiven Kategorienbildung aus der Analyse der rezenten Studien ausgewertet.

Zielsetzung der integrierten Meta-Analyse:

Ziel ist nicht die weitere Typologisierung oder die kritische Auseinandersetzung mit der Qualität von Studien, sondern das tiefere und lösungsorientierte Verständnis der Zielgruppe und deren Rahmenbedingungen.

Die Ergebnisdarstellung in Bezug auf die Weiterentwicklung der aktiven Arbeitsmarktpolitik ist drei-gliedrig und besteht aus Vorschlägen zu neuen Maßnahmen, neuen Ansätzen- und Betrachtungswei-sen sowie aus dem Identifizieren von Forschungslücken.

Der Mehrwert dieser Methode ist vor allem für die politische Entscheidungsebene eine fundierte Grundlage der mittelfristigen Ausrichtung von aktiver Arbeitsmarktpolitik für eine breite Zielgruppe. Dabei geht es nicht nur um konkrete Maßnahmenempfehlungen, sondern auch um die veränderte Betrachtung von Zielgruppen und das Aufdecken bzw. den Abbau von Vorurteilen und Stereotypen.

Literaturauswahl:

Bohnsack, Ralf: Rekonstruktive Sozialforschung. Barbara Budich. 2008

Kuckartz, Udo: Einführung in die computergestützte Analyse qualitativer Daten. Springer 2009

Lueginger, Elisabeth/Renger, Rudi: Das weite Feld der Metanalyse. In: kommunikation.medien, Onlinejournal des Fachbereichs Kommunikationswissenschaften, Universität Salzburg, April 2013

Strübing, Jörg: Grounded Theory. Zur sozialtheoretischen und epistemologischen Fundierung des Verfahrens der empirisch begründeten Theoriebildung. In: Forum Qualitative Sozialforschung, Vol.7, No 2, 2006

Zimmermann, Klaus F. : Evidenzbasierte Politikberatung. IZA-Standpunkt Nr. 38, 2011



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