Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

WIRKSAMKEIT BERUFLICHER REHA-AUSBILDUNGEN

Von:
Niederberger, Karl; IBE - Inst. f. Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung an der Uni Linz

Session: Papersession P2
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: FH-SKF
Typ: Paper
Stichworte: berufliche Reha Ausbildung, indivduelle und ökonomische Wirksamkeit, Wirkungsstudie

In ganz Österreich wurden in den letzten Jahren die rechtlichen Weichen für die berufliche Rehabilitation neu gestellt. Damit gewinnt die berufliche Reha-Ausbildung als Instrument der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt an Bedeutung, gleichzeitig wird seitens der KostenträgerInnen auch der ökonomischen Effizienz der Ausbildungen ein stärkeres Augenmerk gewidmet.

Das BBRZ begleitet Menschen nach Unfall oder Krankheit zurück in das Berufsleben. In einer sich ständig verändernden Arbeitswelt bietet das BBRZ berufliche Reha-Ausbildungen an, die von volkswirtschaftlichem und sozialem Nutzen für alle sind.

Projektziel war die Beantwortung der Forschungsfrage: Welche Faktoren sind für den ökonomischen Erfolg der beruflichen Reha-Ausbildungen sowie für den individuellen Nutzen der RehabilitandInnen von Bedeutung, begünstigen diesen. Die hier vorgestellte wissenschaftliche Studie basiert auf einer Kooperation von Synthesis-Forschung mit dem IBE an der Uni Linz. Erstmals konnten die Analysen den gesamtwirtschaftlichen und individuellen Nutzen verknüpfen, sowie deren Zusammenhang und Kausalitäten zeigen.

Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage wurden 500 ehemalige RehabilitandInnen, denen in den Jahren 2007 bis 2009 ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss gelang, im September 2014 telefonisch interviewt. Das Interesse der Interviews galt vor allem den Erfahrungen nach der Reha und welche Wirkungen die Reha auf deren weiteres Leben ausübte. Um den Bezug zwischen individuellen und ökonomischen Nutzen herstellen zu können, wurden dem IBE von Synthesis-Forschung Beschäftigungs- und Einkommensdaten für die Zeit „1 Jahr vor Reha-Prozess“ bis „3 Jahre danach“ zur Verfügung gestellt. In der Folge werden aus der Fülle der ermittelten Ergebnisse die wesentlichsten herausgearbeitet, Schlüsse daraus gezogen und Empfehlungen formuliert.

88% der 500 Befragten waren mit der Reha-Ausbildung zufrieden. 85% der Befragten sehen 4 bis 7 Jahre nach Reha-Abschluss ihre berufliche Zukunft positiv. In 79% der Fälle gelingt es, dass positive Auswirkungen der Reha noch Jahre nach Ausbildungsende von den ehemaligen RehabilitandInnen wahrgenommen werden. Als wesentliche individuelle Veränderungen für die Teilnehmenden konnten vor allem folgende drei Punkte eruiert werden:

• Stärkung der persönlichen Ressourcen (Selbstwertgefühl, persönliche Kompetenzen, Perspektiven und Motivation)

• Berufliche Neuorientierung (bewirkt verbesserte Arbeitsbedingungen, bessere Arbeitsmarktchancen)

• Verbesserungen bei gesundheitlichen Aspekten (Umgang mit Krankheiten und Beeinträchtigungen)

Auch konnte festgestellt werden, dass die während der Reha erlebten individuellen Veränderungen die Grundvoraussetzungen für die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt darstellen.

Die kontrollgruppenbasierten Analysen zeigen, dass 79% zumindest einen Teil des Jahres wieder (standard-)beschäftigt sind. Ohne berufliche Reha-Ausbildung wäre rund die Hälfte von ihnen noch immer ohne Beschäftigung. Die Reha-AbsolventInnen können mit höheren Erwerbseinkommen, um durchschnittlich 6.700,- Euro brutto jährlich, rechnen.

Im Besonderen sei auf die Voraussetzungen der Zielgruppe (Beeinträchtigungen und Zurücklassen des gewohnten Berufes) hingewiesen, die mit AbsolventInnen herkömmlicher beruflicher Weiterbildungen nicht vergleichbar sind. Allerdings bedarf es für einen Erfolg auch der Bereitschaft der KlientInnen, sowie faire Arbeitsmarktbedingungen. Die Reha-Ausbildungen stellen eine realistische Chance für das Leben der Betroffenen dar. Das zeigen viele Erfolgsgeschichten früherer KlientInnen, die neuen KlientInnen erzählt werden sollten. Diese Erfolgsgeschichten haben gemeinsam, dass sich die AbsolventInnen auf ihre Ausbildung eingelassen haben und bereit waren, sich beruflich neu zu orientieren. In den meisten Fällen ergaben sich durch die abgeschlossenen Reha-Ausbildungen verbesserte Arbeitsmarktchancen und in der Folge verbesserte Arbeitsbedingungen, ja in vielen Fällen ging damit auch eine verbesserte private Lebenssituation einher.

Als Conclusio aus dieser Studie kann gezogen werden, dass die Aspekte „Verarbeitung der Erkrankung“, „Stärkung der persönlichen Ressourcen“, „Qualifizierung“ elementare Erfolgsfaktoren darstellen. Der individuelle wie ökonomische Erfolg der Reha-Ausbildung hängt in hohem Maße von den individuellen Eingangsvoraussetzungen (Alter, Einschränkung) und von der passenden Wahl der Ausbildung ab. Um die richtige Wahl der Ausbildung zu treffen, bedarf es ein dem Arbeitsmarkt entsprechendem Ausbildungssortiments und einer bestmöglichen konsensuellen Ausbildungswahl – in gemeinsamer Erarbeitung mit den RehabilitandInnen, wie die viele Erfolgsgeschichten der Interviewten zeigen.



Weitere Abstracts

Aktuell

  • Die Zeitstruktur des Programms steht fest

    10.03.2018

    Aufgrund der vielen sehr guten Einreichungen zu allen Formaten wird die BBFK am 5.7.2018 etwas früher beginnen (Eröffnung ist um...

    Weiterlesen...

  • Jutta Allmendinger und Geoff Hayward halten die Keynotes

    23.02.2018

    Wir freuen uns, dass wir mit Jutta Allmendinger und Geoff Hayward zwei hervorragende Persönlichkeiten für die beiden Keynotes gewinnenen...

    Weiterlesen...