Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Der Beitrag der Lernergebnisorientierung zur Verbesserung der Qualität von Prüfungen in der Berufsbildung. Eine Analyse von Fallbeispielen.

Von:
Wulz, Janine; 3s, Österreich
Dzhengozova, Mariya; 3s, Österreich
Auzinger, Monika; 3s, Österreich

Session: Papersession P13
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 10:30 - 12:00
Ort: FH-GFM
Typ: Paper
Stichworte: Lernergebnisse, Prüfung, Qualitätssicherung, Fallstudien

Das Konzept der Lernergebnisorientierung spielt in der Berufsbildung zunehmend eine wichtigere Rolle. Ein wesentliches Element ist dabei, dass Lernende anhand von vorab in Form von Lernergebnissen definierte Standards geprüft werden, um Aussagen darüber treffen zu können, was Lernende am Ende ihres Lernprozesses wissen, verstehen und können. Mittel- und langfristig wird dieser Ansatz unterstützt durch Europäische Prozesse wie dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQF) und dem Europäischen Referenzrahmen für Qualitätssicherung in der Berufsbildung (EQAVET) die Berufsbildung nachhaltig verändern. Dennoch wird das Konzept der Lernergebnisorientierung bisher nur wenig bei Prüfungsprozessen angewandt. Daher ist es von besonderem Interesse, zu analysieren welche Prüfungsprozesse in der Praxis angewandt werden um festzustellen ob Lernende die Prüfungsanforderungen erfüllen können. Im Hinblick auf die Qualitätssicherung des Prüfungsprozesses haben Stenström et al (2006) folgende Charakteristika für praxisbezogene Prüfungen in der Berufsbildung beschrieben: Validität, Zuverlässigkeit, Objektivität, Transparenz, Gerechtigkeit und Fairness. Im Zuge dieses Beitrags stellen wir die Frage, welchen Beitrag die Lernergebnisorientierung leisten kann, um Prüfungen in der Berufsbildung valider, objektiver und zuverlässiger zu gestalten. Das Ziel ist herauszufinden, wie berufsbildende Institutionen die Qualität ihrer Prüfungsprozesse sichern und inwiefern dabei der Lernergebnisansatz eine Rolle spielen. Dabei sollen die angewandten Prüfungsmethoden im Zentrum stehen, aber auch Herausforderungen aufgezeigt werden.

Die Forschung bedient sich dabei qualitativer Methoden, mit denen die Situation in zwei Ländern (Österreich und Spanien) mit unterschiedlichen Berufsbildungssystemen (AT: duales und schulbasiertes System, ES: schulbasiertes System) untersucht wurden. Auch das Prüfungsverfahren unterscheidet sich: in Österreich gibt es eine abschließende Prüfung, während in Spanien Leistungen kontinuierlich überprüft werden. Im Forschungsprozess wurden auf nationaler Ebene ExpertInnen in leitfadengestützten Interviews befragt und Dokumente analysiert. In einem zweiten Schritt wurden zwei Fallstudien (Reife- und Diplomprüfung im Bereich Tourismus (AT); In-company-training im Bereich Gesundheit (ES)) durchgeführt, bei denen teilnehmende Beobachtungen und Tiefeninterviews durchgeführt wurden. Der Fokus lag dabei auf den angewandten Methoden um Zuverlässigkeit, Objektivität und Validität im Prüfungsprozess sicher zu stellen. Dabei wurden Faktoren wie Qualitätssicherung, Notenvergabe, Auswahl und Training von PrüferInnen, Informationsprozesse, Richtlinien und Standards aber auch Berufungsmöglichkeiten und Monitoringprozesse analysiert. Im Vergleich der Fallstudien werden Unterschiede und Ähnlichkeiten in der Anwendung von Lernergebnissen analysiert.

Der Vergleich der Fallstudien soll aufzeigen, inwiefern lernergebnisorientierte Ansätze in unterschiedlichen Umwelten dazu verwendet werden, die Kompetenzen von Lernenden in der Berufsbildung zu überprüfen und zu erfassen. Zum Beispiel werden in beiden Ländern auf Lernergebnissen basierende Raster verwendet um die Leistungen der Lernenden zu dokumentieren. Es zeigt sich auch, dass die Prüfungsmethode alleine nicht ausreicht um Validität, Transparenz oder Zuverlässigkeit herzustellen: in beiden Fällen gibt es etwa eine starke kommunikative Komponente. ,beispielsweise in regelmäßigen Treffen zwischen LehrerInnen, TrainerInnen und SchlüerInnen (ES) oder durch eine Abschlusskonferenz der PrüferInnen (AT). Eine Herausforderung stellt des weiteren die Übersetzung von Lernergebnissen in Bewertungskriterien dar; diese sind häufig nicht detailliert beschrieben und es ist unklar, wie bestimmte Noten zustande kommen.

Cedefop (2012). Curriculum reform in Europe: the impact of learning outcomes. Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communities.

Confebask (2004). Manual del Instructor de Empresa – Formación en Centros de Trabajo. Bilbao

Dufaux, Stefanie (2012). Assessment for Qualification and Certification in Upper Secondary Education. A review of country practices and research evidence. OECD Education Working Papers, No. 83, OECD Publishing.

Cedefop (2015). Ensuring the quality of certification in vocational education and

training. Luxembourg: Publications Office. Cedefop research paper; 51.

European Commission (2011). Using Learning Outcomes.

European Qualifications Framework Series: Note 4

MODUL tourism VET college (n/a). Kriterien der Leistungsbeurteilung im praktischen Gegenstand Küchenorganisation & Kochen (KOKO) an den Tourismusschulen MODUL der Wirtschaftskammer Wien. Höhere Lehranstalt 1. Jahrgang.

Stenström, M.-L.; Laine, K. (eds) (2006b). Towards Good Practices for Practice-Oriented

Assess­ment in European Vocational Education. Jyväskylä: Jyväskylä University Press.



Weitere Abstracts

Aktuell

  • Die Zeitstruktur des Programms steht fest

    10.03.2018

    Aufgrund der vielen sehr guten Einreichungen zu allen Formaten wird die BBFK am 5.7.2018 etwas früher beginnen (Eröffnung ist um...

    Weiterlesen...

  • Jutta Allmendinger und Geoff Hayward halten die Keynotes

    23.02.2018

    Wir freuen uns, dass wir mit Jutta Allmendinger und Geoff Hayward zwei hervorragende Persönlichkeiten für die beiden Keynotes gewinnenen...

    Weiterlesen...