Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Thematisches Forum

(Wissens)Transfer in internationalen Berufsbildungskooperationen

Von:
Geiben, Marthe; Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Deutschland
Eberhardt, Christiane; Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Deutschland
Hanau, Eva; Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Deutschland
Mali, Darko; CPI, Slowenien

Session: Thematisches Forum F6
Zeit: Freitag, 8.7.2016, 12:30 - 14:00
Ort: MAW-KLS
Typ: Thematisches Forum
Stichworte: internationale Kooperation, Transfer

Thema
Berufsbildung erlebt aktuell in der internationalen und europäischen Diskussion eine Renaissance. Dies ist nicht nur an den unterschiedlichen Stellungnahmen der OECD (OECD Action plan for youhts, OECD skills strategy) und der europäischen Kommission (z.B. Youth guarantee, European Alliance for Apprenticeship, Riga Declaration) zu erkennen sondern auch an steigenden konkreten Anfragen an Länder mit einer dualen beruflichen Bildung, bei der Reform der beruflichen Bildung in europäischen und außereuropäischen Ländern zu helfen.
Diese Anfragen werden zum einen durch finanzielle Unterstützung der EU (z.B. im Rahmen von ERASMUS + Projekten ) gefördert, zum anderen durch bilaterale Kooperationen zwischen einzelnen Ländern organisiert.
In diesem Zusammenhang wurde im Dezember 2012 ein Memorandum zwischen dem Deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Bildungs- bzw. Arbeitsministerien in der Slowakei, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Lettland verabschiedet. Diese hat dazu geführt, dass Zusammenarbeit und Transfer in den internationalen Berufsbildungskooperationen Deutschlands wieder ein hoch aktuelles Thema werden. Die Einrichtung der Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation (GOVET) im September 2013 hat diese Entwicklung bestärkt. So wurden in Deutschland alleine auf Bundesebene in den letzten Jahren nicht nur langfristige Kooperationen weitergeführt und intensiviert sondern auch viele Projekte neu gestartet (GOVET – Jahresbericht 2015).
Wichtig ist dabei zu bedenken, dass Berufsbildungskooperation bereits seit den 1950er Jahren ein wichtiger Bestandteil der deutschen Entwicklungshilfepolitik ist. Auch wenn sich in den verschiedenen Jahrzehnten unterschiedliche Schwerpunkte und Zielsetzungen in der Zusammenarbeit aufweisen lassen (Greinert et al. 1997), so sind doch wichtige Erfahrungen gemacht worden, die für die aktuellen Vorhaben und Projekte Informationen und Hilfestellungen leisten können. Diese aufzubereiten soll ein Ansatzpunkt dieses Thematischen Forums sein. Auch sollen Überlegungen des nationalen Transfers wie er z.B. im Rahmen der Modellversuche vorgesehen ist (z.B. Twardy 1995 ,S. 225 ff), in diesen Teil des Thematischen Forums einfließen.
Ein anderer Aspekt liegt darin, unterschiedliche theoretische Ansätze und Modelle daraufhin zu analysieren, in wie weit sie sich in ausgewählten Praxisbeispielen wiederfinden. Dies soll helfen, Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der unterschiedlichen Kooperationen herauszuarbeiten. Dies soll nicht zu einer „Blaupause“ für alle kommenden Kooperationen führen, diesen jedoch als Hinweis für wichtige förderliche und hinderliche Elemente im Kontext einer Berufsbildungskooperation liefern.
Im Rahmen des Forums sollen ausgehend von diesen Überlegungen die vorgestellten Beispiele sowie eigene Erfahrungen und Überlegungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutiert und kritisch reflektiert werden. Dadurch sollen Anregungen für zukünftige bi- und multinationale Kooperationen gewonnen werden, um die Arbeit der darin involvierten Personen zu optimieren und zu erleichtern.
Inhalte
Im Forum sollen Erfahrungen des Transfers aus unterschiedlichen Perspektiven reflektiert werden. Dazu werden Projekte aus unterschiedlichen Programmen und Programmgenerationen kurz vorgestellt und Rahmenbedingungen für einen Transfer der Ergebnisse in die Praxis reflektiert. In diesem Teil des Forums ist den Referentinnen und dem Referenten besonders auch an den Erfahrungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen gelegen. Folgende Beiträge sollen den Input zur anschließenden Diskussion liefern:
Einführung Marthe Geiben (BIBB)
Dieser Beitrag soll den Kontext und die Auswahl der Beispiele darstellen und in das Forum einführen.
Erfahrungen im Rahmen der Berufsbildungskooperation des BIBB – Advisory Service; Eva Anett Hanau (BIBB)
Als Deutschlands nationales und internationales Kompetenzzentrum für Berufsbildung berät und unterstützt das BIBB seit den 1990er-Jahren die Reform der (Berufs-)Bildungssysteme anderer Länder. Beratung wird dabei als externer Impuls für systemische Veränderungsprozesse betrachtet und ist gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal des BIBB in diesem Kontext. M. Schwarz erläutert in seinem Beitrag den internationalen Beratungsansatz des BIBB. Hierzu zählen der Beratungsprozess als solcher, die Themenbereiche und Instrumente sowie die Ziele und Wirkungen der Beratung. Anhand eines konkreten Beispiels sollen der Beratungsprozess und –ansatz veranschaulicht werden.
Erfahrungen im Kontext von 2 Projekten gefördert durch Erasmus +, KA 3 ;NN / Darko Mali (CPI, Slowenien); Vertreter des jeweiligen Projektkonsortiums
In diesen beiden Vorträgen werden die Erfahrungen aus zwei aktuellen Projekten dargestellt, die im Rahmen zentraler Ausschreibungen durch die EACEA in der Key Action 3 gefördert werden:
Im Rahmen des ersten Projektes unter dänischer Federführung (Policy learning and support to promoting apprenticeship systems and VET policy experimentation under the European Alliance for Apprenticeship; NN) wird ein digitaler Werkzeugkasten erstellt, mit dessen Hilfe die Hauptmerkmale dualer Ausbildungsansätze dargestellt werden können. Zusätzlich wird der Werkzeugkasten eine Synthese zu den Hauptmerkmalen und den Rahmenbedingungen der dualen Ausbildung in jedem Partnerland enthalten.
Im Rahmen des zweiten Projektes unter slowenischer Leitung (New models in workbased learning; Darko Mali) werden Modelle des Arbeitsplatzbasierten Lernens (work based learning) entwickelt. Diese sollen in den beteiligten Ländern als Instrument der politischen Beratung dienen und es den Ländern ermöglichen, die Reformen im Bereich der Berufsbildung in so weit voranzubringen, dass eine stärkere Integration arbeitsplatzbasierten Lernens möglich wird.
Transfererfahrungen im Rahmen der MOE Berufsbildungskooperation – das Programm TRANSform; Dr. Christiane Eberhardt (BIBB)
C. Eberhardt hält am Beispiel des Projektes „Kaufmännische Berufsausbildung in der Ukraine“ Rückschau auf die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einsetzenden Transformationsprozesse in den Staaten Mittel- und Osteuropas und die Versuche, den Aufbau von marktwirtschaftlichen Strukturen u.a. durch bilaterale Berufsbildungskooperationen zu unterstützen und zu beschleunigen. Der Beitrag versucht, Faktoren einer erfolgreichen Kooperation aufzuzeigen, sie in einen Zusammenhang mit der Art der Förderung (hier: des TRANSFORM-Programms der deutschen Bundesregierung) zu stellen und mithin Bedingungen des Innovationstransfers zu identifizieren.

Literatur
Greinert W-D, Heitmann W, Stockmann R, Vest B (eds) (1997) Vierzig Jahre Berufsbildungszusammenarbeit mit Ländern der Dritten Welt. Die Förderung der beruflichen Bildung in den Entwicklungsländern am Wendepunkt? , vol 10. Studien zur Vergleichenden Berufspädagogik. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden
Twardy M (ed) (1995) Modellversuchsforschung als Berufsbildungsforschung [Beiträge des 6. Symposion Fachdidaktik Wirtschaftswissenschaften, 5./6. Oktober 1994 an der Universität zu Köln]. Wirtschafts-, berufs- und sozialpädagogische Texte : Sonderband, vol 6. Botermann und Botermann, Köln
Internetquellen:
OECD Action plan for youhts: http://www.oecd.org/newsroom/Action-plan-youth.pdf
OECD skills strategy: http://skills.oecd.org/documents/oecdskillsstrategy.html
GOVET Jahresbericht: https://www.bibb.de/dokumente/pdf/BIBBJahresberichtGOVETInternetversionbarrierefrei.pdf
GOVET – Erfolgsmerkmale dualer Ausbildung: https://www.bibb.de/de/govet_13704.php



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