Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Einführung integrierter Unternehmenssoftware in kaufmännischen Unterricht

Von:
Frötschl, Clemens; Universität Bamberg, Deutschland

Session: Papersession P4
Zeit: Donnerstag, 7.7.2016, 11:30 - 13:30
Ort: FH-SNP
Typ: Paper
Stichworte: ERP-System, kaufmännischer Unterricht, Geschäftsprozessorientierung

Der Megatrend der Digitalisierung wirft auch für die kaufmännische Berufsausbildung große Schatten voraus. Vor dem Hintergrund zunehmender Informatisierung betrieblicher Wertschöpfungsketten und der Fähigkeit automatisierter Systeme, immer komplexere Entscheidungsaufgaben übernehmen zu können, ist zukünftig von weitreichenden Veränderungen der Aufgabenbereiche kaufmännischen Personals in Industrie und Handel auszugehen. Menschlichen Aufgabenträgern kommen zukünftig vermehrt Entscheidungsaufgaben zu, um die notwendige Flexibilität in automatisierten Umgebungen sicherzustellen (Schließmann 2014, 454).

Komplexitäts-, Abstraktions- und Problemlösungsanforderungen sind als zunehmend relevant zu bezeichnen. Festzustellen sind ebenso fortschreitende Dematerialisierung und Virtualisierung von Geschäfts- und Arbeitsvorgängen (Kagermann, Wahlster & Helbig 2013, 57). Generell ist von einer abnehmenden Routinisierung und einer stärkeren Konzentration auf die Bearbeitung von Sonderfällen und die Reaktion auf Störungen im Geschäftsbetrieb auszugehen (Siemon 2006, 5).

Der Einsatz integrierter Unternehmenssoftware bzw. von Enterprise Resource Planning Systemen (ERP-Systeme) im kaufmännischen Unterricht kann eine Möglichkeit darstellen, diesen Veränderungen zu begegnen und kaufmännische Auszubildende auf die veränderten beruflichen Anforderungen vorzubereiten. ERP-Systeme haben sich in Industrie- und Handelsbetrieben unterschiedlicher Größe als zentrale Werkzeugsammlungen zur Planung und Organisation etabliert und werden nahezu flächendeckend eingesetzt (Konradin 2011, 17). Während ERP-Systeme im Hinblick auf die Förderung eines betriebswirtschaftlichen Zusammenhangswissens seit geraumer Zeit als vielversprechende Lernobjekte gelten (Krucynski 1995, 623; Pfänder 2000 2f.), gestaltet sich die Einführung dieser Systeme in den kaufmännischen Unterricht aus mehren Gründen schwierig. Obgleich belastbare empirische Daten zur Akzeptanz und dem Einsatzerfolg des ERP-Einsatzes in kaufmännischen Lehr-Lern-Arrangements kaum vorhanden sind, lassen Berichte erfahrener Unterrichtspraktiker auf hohen Planungsaufwand und Probleme bei der Durchführung ERP-basierter Einheiten schließen (Budde 2004, 165; Schuller 2009, 165; Sailer 2009, 206). Darüber hinaus wird ERP-System im Allgemeinen hohe Bedienkomplexität attestiert (Hustad & Olsen 2011). Es stellt sich daher die Frage, wie die Einführung von ERP-Systemen im Unterrichtsalltag erleichtert werden kann und welche Gestaltungsparameter die Durchführbarkeit ERP-basierter Lehr-Lern-Arrangements positiv beeinflussen können.

Der Beitrag beleuchtet eine Unterrichtseinheit zur Einführung in die Arbeit mit integrierter Unternehmenssoftware im Fachbereich Einzelhandel für das deutsche System der dualen Berufsausbildung. Das Einführungsarrangement wurde im Rahmen mehrerer Praxisläufe in fünf Schulklassen der Fachrichtung Einzelhandel evaluiert. Anhand geschlossener Fragebögen wurden Daten erhoben, die Aufschluss über Erfolgskriterien ERP-basierten Unterrichts sowie über zu erwartende Probleme des ERP-Einsatzes geben. Dazu gehören neben Angaben zu computerbezogenen Fähigkeiten und empfundener Höhe der Anforderungen auch Aussagen zu emotionalen und motivationalen Aspekten. Es wird erwartet, dass die genannten Gegenstandsbereiche miteinander in Verbindung stehen. Im Kontext des Papers sollen vor diesem Hintergrund auch Implikationen für die Gestaltung weiterführender, inhaltlich komplexerer Unterrichtseinheiten in kaufmännischen Ausbildungsberufen diskutiert werden. Dabei soll insbesondere das Konzept eines ERP-basierten Stationenlernens Beachtung finden. Dieses weiterführende Arrangement befindet sich derzeit in Ausarbeitungsphase und wird in wirtschaftspädagogischen Seminaren auf seine Durchführbarkeit im kaufmännischen Unterricht hin untersucht.



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