Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung als Gegenstand einer zukunftsfähigen (Berufs-)Bildung

Von:
Baimler-Dietz, Annette; ITB, Universität Bremen
Fenzl, Claudia; ITB, Universität Bremen
Howe, Falk; ITB, Universität Bremen
Koring, Claudia; IG Metall Vorstand
Staden, Christian; ITB, Universität Bremen

Session: Papersession P1/6
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 11:00 - 12:30
Ort: Fachhochschule - Hörsaal ZKW im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: Beschäftigte als Gestalter*innen ihrer eigenen Arbeitsbedingungen, präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz, arbeitsbezogene Belastungen und Ressourcen, Lernkonzepte für die berufliche Aus- und Fortbildung

Moderne Managementkonzepte und die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt verändern die Lern- und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Einige wenige Studien der Berufswissenschaft thematisieren bereits die konkreten Auswirkungen der sogenannten Industrie 4.0 auf Qualifikationsanforderungen und Berufsbilder (vgl. z.B. Pfeiffer et al. 2016, Spöttl et al. 2015, Zinke et al. 2017). Gleichzeitig zeigen sich Veränderungen der Arbeitsbedingungen wie z.B. eine verstärkte Entgrenzung von Arbeit, zunehmende Arbeitsverdichtung oder steigende Kontrollmöglichkeiten. Hieraus können (sozio-psychische) Belastungen und/oder auch neue Freiheitsgrade für die Beschäftigten resultieren. Deutlich wird, dass nicht nur die betrieblichen Entwickler*innen von Arbeitssystemen Kompetenzen in Hinblick auf die Gestaltung von lern- und gesundheitsförderlicher Arbeit benötigen, sondern dass alle Beschäftigten selbst immer mehr zu (Mit-)Gestalter*innen ihrer eigenen Arbeitsbedingungen werden. Eine zukunftsfähige berufliche Bildung muss daher auch die Zusammenhänge von Arbeit und (physischer und psychischer) Gesundheit zum Gegenstand machen.

Das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt „IntAGt“ hat die Integration von präventivem Arbeits- und Gesundheitsschutz in Ausbildungsberufe der Industrie 4.0 zum Ziel. In dem 3-jährigen Verbundprojekt arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft und Gewerkschaft zusammen. Um Hinweise auf die Veränderung von Qualifikationsanforderungen sowie Belastungen und Ressourcen zu erfassen, wurden arbeitspsychologische und berufswissenschaftliche Analysen (vgl. z.B. Dunckel & Resch 2010, Knutzen et al. 2010 sowie Becker & Spöttl 2008) in von Digitalisierung geprägten betrieblichen Handlungsfeldern von Facharbeiter*innen, Meister*innen und Techniker*innen durchgeführt.

Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden Lernkonzepte und Handlungsempfehlungen für die berufliche Aus- und Fortbildung entwickelt und exemplarisch in Betrieben und Berufsbildenden Schulen umgesetzt. Ziel ist es, modernen Arbeits- und Gesundheitsschutz in die Entwicklung einer umfassenden beruflichen Handlungskompetenz als Teil eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses zu integrieren und die Gestaltungsfähigkeit der Beschäftigten im Kontext von veränderten Arbeitsbedingungen zu stärken. Es sind entsprechend Kompetenzen bei Auszubildenden und Beschäftigten zu fördern, die sie befähigen, arbeitsbezogene Anforderungen und (psychische) Belastungen einzuschätzen und autonom zu handeln. Die im Projekt entwickelten Konzepte und Pilotlösungen werden darüber hinaus genutzt, um eine mögliche Integration der Ergebnisse in Berufsbilder, Ausbildungsrahmenpläne oder Umsetzungshilfen zu prüfen und zu initiieren.

In dem Beitrag werden Ergebnisse der betrieblichen Analysen zur Erfassung von Belastungen, Ressourcen und Kompetenzanforderungen vorgestellt und eingeordnet sowie die Bedeutung für die berufliche Aus- und Fortbildung und exemplarische Umsetzung in Lernkonzepte dargestellt. Dabei wird auch die notwendige Sensibilisierung und Qualifizierung von Bildungspersonal thematisiert.

Quellen:

Becker, M. & Spöttl, G. (2008). Berufswissenschaftliche Forschung. Frankfurt/Wien: Peter Lang.

Dunckel, H. & Resch, M.G. (2010). Arbeitsanalyse. In U. Kleinbeck & K.-H. Schmidt (Hrsg.). Arbeitspsychologie. Enzyklopädie der Psychologie (Bd. D/III/1, S. 1111-1158). Göttingen: Hogrefe.

Knutzen, S., Howe, F. & Hägele, T. (2010): Arbeitsprozessorientierung in der Beruflichen Bildung: Analyse und Beschreibung von Arbeitsprozessen mit Hilfe der Arbeitsprozessmatrix. In: M. Becker, M. Fischer & G. Spöttl (Hrsg.). Von der Arbeitsanalyse zur Diagnose beruflicher Kompetenzen - Methoden und methodologische Beiträge aus der Berufsbildungsforschung. Peter Lang-Verlag, Frankfurt a. M., 90-110.

Pfeiffer, S., Lee, H., Zirnig, C. & Suphan, A. (2016): Industrie 4.0 – Qualifizierung 2025. VDMA: Frankfurt a. M.

Spöttl, G., Gorldt, C., Windelband, L., Grantz T. & Richter T. (2016). Industrie 4.0 –Auswirkungen auf Aus- und Weiterbildung in der M+E Industrie. München.

Zinke, G., Renger, P., Feirer, S. & Padur, T. (2017): Berufsausbildung und Digitalisierung - ein Beispiel aus der Automobilindustrie. Wissenschaftliche Diskussionspapiere (Heft 186). Bundesinstitut für Berufsbildung: Bonn.



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