Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Die Rolle von Beharrlichkeit und beständigem Interesse (Grit) für die Kompetenzentwicklung von Schüler/inne/n in berufsbildenden Schulen in Österreich

Von:
Helm, Christoph; JKU Linz, Österreich
Rosenegger, Andrea; JKU Linz, Österreich

Session: Papersession P3b/3
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 12:00 - 13:00
Ort: Museum Arbeitswelt - Kleiner Saal
Typ: Paper
Stichworte: Grit, Beharrlichkeit und beständiges Interesse, Rechnungswesen, Kompetenzentwicklung

Ziele

In den letzten Jahren geriet die Analyse des Zusammenhangs zwischen Grit und schulischen Leistungen zunehmend stärker in den Fokus (Duckworth et al., 2007; Fleckenstein et al., 2014). Der Grit-Theorie zufolge sind Talent und Fähigkeiten keine ausreichenden Prädiktoren von Erfolg. Vielmehr ist die schulische Leistung von Beharrlichkeit und beständigem Interesse beeinflusst. Bisher wurde Grit nahezu ausschließlich in allgemeinbildenden Domänen wie der Mathematik erforscht (Duckworth et al., 2007). Daher untersucht die vorliegende Studie die Rolle von Grit in der Berufsbildung. Konkret fragen wir danach, inwiefern Grit die schulische Leistung im Unterrichtsfach Rechnungswesen vorhersagt?

Theorie

In der deutschsprachigen Pädagogischen Psychologie dominierten bisher Analysen zu motivationalen und volitionalen Schülermerkmalen - insbesondere zum Selbstkonzept, zur intrinsischen Motivation und zur Volition (Hasselhorn & Gold, 2006). Die Rolle der Beharrlichkeit und des beständigen Interesses wurde bisher nur peripher thematisiert. Das verwundert, da Lerntheorien (z.B. Vygotsky, 1978) postulieren, dass Lernen insbesondere durch herausfordernde Aufgaben angestoßen wird, für die – im Gegensatz zu einfachen Aufgaben – hohe Beharrlichkeit und beständiges Interesse nötig sind. Schüler/innen, die frühzeitig aufgeben, erreichen angestrebte Kompetenzen nicht. Dieser Überzeugung sind auch Duckworth et al. (2007), die das Konzept „Grit“ in zwei Dimensionen unterteilen: Beharrlichkeit (perseverance for effort) meint das Streben nach dem Erreichen gesetzter Ziele, auch wenn dies hohe Anstrengungen erfordert. Beständigkeit von Interessen (consitenciy of interests) dagegen meint das Aufrechterhalten des Interessenfokus über einen längeren Zeitraum.

Untersuchungen aus unterschiedlichen Domänen und Lebensbereichen zeigen, dass Grit im positiven Zusammenhang mit schulischer Leistung, Engagement, Motivation und Wohlbefinden steht (Datu et al., 2016). Etwas überraschend fanden Duckworth et al. (2007) heraus, dass Grit zwar mit dem Notendurchschnitt, nicht aber mit einem standardisierten Leistungstest in Mathematik korreliert. Im eingereichten Beitrag fragen wir danach, ob ähnliche Zusammenhänge in der berufsbildenden Domäne Rechnungswesen beobachtet werden können. Für das Fach Rechnungswesen zeigte sich in ersten Studien (Winther, 2006; Helm, 2015, 2016), dass die motivationalen Regulationsstile der Lernenden eine bedeutende Rolle für den Lernerfolg spielen. Es ist davon auszugehen, dass diese Lernmotivation wiederum vom Grit beeinflusst wird. Darüber hinaus sind wir an der prädiktiven Validität von Grit für die Vorhersage der Kompetenzentwicklung interessiert.

Methode

Um die Forschungsfragen nach dem Zusammenhang zwischen Grit und schulischer Leistung(-sentwicklung) zu untersuchen, werden Daten aus einer fünfjährigen Längsschnittstudie in 24 BMHS-Klassen (N = 852 Schüler/innen) der 9.-13. Schulstufe analysiert. Zur Erfassung von Grit wurde die von Fleckenstein et al. (2014) validierte BISS-Skala (Beharrlichkeit und beständiges Interesse) eingesetzt. Die Rechnungswesenkompetenzen wurden mit einem standardisierten Leistungstest (Helm, 2016), der in Anlehnung an das Kompetenzmodell für Rechnungswesen der österreichischen Berufsbildungsstandards sowie dem in Deutschland entwickelten Rechnungswesentest für Auszubildende (Guggemos, 2016) erstellt wurde, erfasst. Darüber hinaus wurden die Schulnoten in den Fächern Rechnungswesen, Betriebswirtschaftslehre, Deutsch und Mathematik erhoben.

Ergebnisse und Diskussion

Erste Strukturgleichungsmodelle zeigen, dass die Grit-Dimension „Beharrlichkeit“ über die Schuljahre hinweg positiv mit dem Notendurchschnitt sowie den standardisiert erfassten Rechnungswesenleistungen korreliert (r = .179, p = .045 bis r = .341, p = .000). Hingegen weist die Dimension „beständiges Interesse“ keinen direkten Zusammenhang mit dem Notendurchschnitt und der Rechnungswesenleistung auf. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der Rolle des Grit für gelingende Lehr-Lernprozesse im Unterricht diskutiert.

Literatur

Datu, J. A. D., Yuen, M., & Chen, G. (2016). Grit and Determination: A Review of Literature With Implications for Theory and Research. Journal of Psychologists and Counsellors in Schools, 1–9.

Duckworth, A. L., Peterson, C., Matthews, M. D., & Kelly, D. R. (2007). Grit: perseverance and passion for long-term goals. Journal of personality and social psychology, 92(6), 1087–1101.

Fleckenstein, J., Schmidt, F. T. C., & Möller, J. (2014). Wer hat Biss? Beharrlichkeit und be-ständiges Interesse von Lehramtsstudierenden: Eine deutsche Adaptation der 12-Item Grit Scale. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 61, 281–286.



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