Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Innovative Lernkultur im Unternehmen: die Sicht der Auszubildenden

Von:
Barabasch, Antje; Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB, Schweiz
Keller, Anna; Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB, Schweiz

Session: Papersession P3b/3
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 12:00 - 13:00
Ort: Museum Arbeitswelt - Kleiner Saal
Typ: Paper
Stichworte: Lernkultur, Ausbildung im Unternehmen, Sicht der Auszubildenden

Der Druck Innovationen zu entwickeln bzw. innovativ zu sein steigt im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung (OECD 2015) und beeinflusst Lernkulturen in Unternehmen. Auch von der betrieblichen Berufsbildung wird erwartet, dass sie zur Innovationskultur beiträgt. Deshalb ist die Organisation der innerbetrieblichen Lernprozesse Anpassungen unterworfen. Ein positives Innovationsklima wird beispielsweise geprägt durch die Bereitschaft unternehmerische Risiken einzugehen, Offenheit und Toleranz der Mitarbeiter, eine positive Einstellung gegenüber Frauen sowie gegenüber Wissenschaft und Technologie sowie Vertrauen in die Innovationsfähigkeit der Mitarbeiter (Marxt et al., 2009). Gruppenidentitäten, gemeinsame Überzeugungen und Werte (Wieland, 2004) sowie Flexibilität in der Arbeitsorganisation gilt es zu prägen bzw. zu gestalten. Während Routinetätigkeiten an Bedeutung verlieren werden Beobachtungsfähigkeiten, Prozessmanagement, Transfer- und Problemlösefähigkeiten sowie Kreativitätsentfaltung wichtiger (Dreher et al., 2015; Limacher, 2010). Dazu kommt die Notwendigkeit das Lernen selbst steuern zu können, was ein hohes Mass an Eigenverantwortung und Disziplin erfordert. Für die Berufsausbildung bedeutet dies, dass projekt- und handlungsorientiertes sowie individualisiertes Lernen an Bedeutung gewinnen. Unternehmen reagieren mit einer veränderten Arbeits- und Lernkultur auf diesen Entwicklungsbedarf. Dazu gehört die Einräumung von mehr Autonomie in der Organisation von Lernen und Arbeiten. Neben Ausbildern werden Coaches zu wichtigen Begleitpersonen für die Lernenden. Vermehrt wird heute der Human- centered Design Ansatz angewandt, der zu einer Individualisierung der Arbeitskraftentwicklung führt, welche bestmöglich entwickelt und ausgeschöpft werden soll. Beispielsweise sind für die Wahrnehmung einer solchen Kultur flache Hierarchien, eine hohe Fehlertoleranz und Entscheidungsspielräume wichtig, aber auch soziale Umgangsformen sowie gemeinsame Ziele und Werte.

Die Berufsausbildung ist in Zeiten von Digitalisierung und sich rapide wandelnder Arbeitsbedingungen und Arbeitsanforderungen angehalten darauf mit angepassten Ausbildungskonzepten zu reagieren. Für die Unternehmen stellt sich die Frage, wie Auszubildende zu selbständig handelnden, mitgestaltenden, ICT-erfahrenen und problemlösungsorientierten Mitarbeitern herangebildet werden können. Die Forschung in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik setzt sich primär mit dem Lernen in der Berufsschule und vergleichsweise wenig mit dem Lernen im Betrieb auseinander. Damit ist die Informationslage für Ausbildungsverantwortliche in den Betrieben, für Coaches und Ausbilder, aber auch für die Dozierenden in der Lehrerbildung bisher in diesem Themenfeld sehr begrenzt.

Im Rahmen einer Fallstudie in einem Schweizer Unternehmen wird der Frage nachgegangen, wie eine innovative Lernkultur im Rahmen der Berufsausbildung im Unternehmen gestaltet wird. Untersucht wird einerseits, ob und inwiefern die Lernenden mit der innovativen Lernkultur ihres Unternehmens in Kontakt kommen (und welche Rolle traditionelle Formen des beruflichen Lernens nach wie vor spielen), welche Lernmethoden und Tools in der Berufsbildung in Rahmen der innovativen Lernkultur eingesetzt werden, wie beispielsweise ‚Zukunftskonferenzen‘, Innovations- und Kreativitätstechniken oder verschiedene digitale Hilfsmittel. Leitfragen sind unter anderem: Welche Faktoren sind ausschlaggebend für die Gestaltung der Lernkultur im Unternehmen? Wie arbeiten diese Faktoren zusammen? Wie wird in diesem Rahmen das formale und das non-formale Lernen organisiert? Wo und wie findet informelles Lernen statt (Akkumulation von impliziten Wissen)? Andererseits wird darauf fokussiert, wie Lernende die innovative Lernkultur ihres Unternehmens wahrnehmen. Hier sind folgende Fragen leitend: Wie erzählen sie von ihrem Lernprozess? Was charakterisiert ihr Lernen im betrieblichen Alltag? Die qualitative Untersuchung soll auch darüber Aufschluss geben welche Einstellungen, Überzeugungen und Werthaltungen die Lernkultur prägen bzw. durch diese geprägt werden. Die Datenerhebung der Unternehmensfallstudie umfasst die Analyse von Dokumenten des Unternehmens, teilnehmende Beobachtung, semi- strukturierte Interviews und narrative Interviews. Der Vortrag wird zum einen die identifizierten Bestandteile der innovativen Lernkultur in einem Modell vorstellen und zum anderen die Ergebnisse der Befragungen der Auszubildenden.



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